Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan
Ab 1999 entwickelte das ISKA in Kooperation mit dem IFP
(Staatsinstitut für Frühpädagogik, München) die
heute so genannte kindbezogene Förderung. Im Jahr 2002 startete
das IFP mit den Arbeiten am Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan.
Kindbezogene Förderung und Bildungs-/Erziehungsplan sind Teil
einer umfassenden Reorganisation der bayerischen
Kindertageseinrichtungen. Der Bildungs- und Erziehungsplan liegt in
einem "Entwurf zur Erprobung" vor.
Menschenbild
Der Bildungs- und Erziehungsplan geht davon aus, dass Kinder auf
Selbstbestimmung und Selbsttätigkeit hin angelegt sind. "Der
Bezugspunkt erzieherischen Denkens und Handelns ist ... das Kind als
vollwertige Persönlichkeit." (BEP S.
21). Dies verlangt von Erwachsenen Akzeptanz und Respektierung. Sie
haben Impulse zu geben und unterstützend zu begleiten. In einem
dialogischen Prozess sind alle am pädagogischen Prozess
Beteiligten Lernende und Lehrende. Regeln und Grenzen werden
gemeinsam ausgehandelt.
Auf der Grundlage dieses Menschenbildes formuliert der Bildungs-
und Erziehungsplan
- zu fördernde Basiskompetenzen,
- themenübergreifende Förderperspektiven (z. B.
interkulturelle und geschlechtsbewusste Erziehung),
- themenbezogene Förderschwerpunkte (z. B. sprachliche und
mathematische Bildung) und
- Anforderungen in den Bereichen Beobachtung/Dokumentation,
Kooperation, Vernetzung und Kindeswohl.
Basiskompetenzen
Als personale Kompetenzen sind zu fördern
- Selbstwertgefühl,
- positive Selbstkonzepte,
- Autonomieerleben,
- Kompetenzerleben,
- Widerstandsfähigkeit (Resilienz),
- Kohärenzgefühl (Situationen verstehen und
bewältigen können).
Als motivationale Kompetenzen sind zu fördern
- Selbstwirksamkeit,
- Selbstregulation,
- Neugier und individuelle Interessen.
Als kognitive Kompetenzen sind zu fördern
- differenzierte Wahrnehmung,
- Denkfähigkeit,
- Wissensaneignung,
- Gedächtnis,
- Problemlösefähigkeit,
- Kreativität.
Als physische Kompetenzen sind zu fördern
- Übernahme von Verantwortung für Gesundheit und
körperliches Wohlbefinden,
- grob- und feinmotorische Kompetenzen sowie
- die Fähigkeit zur Regulierung von körperlicher
Anspannung.
Als soziale Kompetenzen sind zu fördern
- gute Beziehungen zu Erwachsenen und Kindern;
- Empathie und Perspektivenübernahme;
- die Fähigkeit, verschiedene Rollen einzunehmen;
- Kommunikationsfähigkeit;
- Kooperationsfähigkeit und
- Konfliktmanagement.
Bezüglich der Entwicklung von Werten und
Orientierungskompetenz sind zu fördern
- Werthaltungen,
- moralische Urteilsbildung,
- Unvoreingenommenheit,
- Sensibilität für und Achtung von Andersartigkeit
und Anderssein sowie
- Solidarität.
Bezüglich der Fähigkeit und Bereitschaft zur
Verantwortungsübernahme sind zu fördern
- Verantwortung für das eigene Handeln,
- Verantwortung anderen Menschen gegenüber,
- Verantwortung für Umwelt und Natur.
Schließlich sind die Fähigkeit und Bereitschaft zur
demokratischen Teilhabe zu fördern:
- der Erwert von Grundkenntnissen über Staat und
Gesellschaft,
- das Akzeptieren und Einhalten von Gesprächs- und
Abstimmungsregeln sowie
- das Einbringen und Überdenken des eigenen Standpunkts.
Einen besonderen Wert legt der Bildungs- und Erziehungsplan auf
die Entwicklung von lernmethodischen Kompetenzen ("Lernen, wie
man lernt").
Themenübergreifende Förderperspektiven
Als themenübergreifende Förderperspektiven formuliert
der Bildungs- und Erziehungsplan
- die Begleitung des Übergangs von der Familie in die
Tageseinrichtung;
- die Gestaltung der Einrichtung als Lernfeld für gelebte
Demokratie;
- interkulturelle Erziehung;
- geschlechtsbewusste Erziehung;
- die Berücksichtigung von Kindern mit
Entwicklungsrisiken, (drohender) Behinderung oder Hochbegabung sowie
- die Vorbereitung und Begleitung des Übergangs in die
Schule.
Themenbezogene Förderschwerpunkte
Als themenbezogene Förderschwerpunkte enthält der
Bildungs- und Erziehungsplan ausführliche Überlegungen und
Praxisbeispiele aus den Bereichen
- ethische und religiöse Bildung und Erziehung;
- sprachliche Bildung und Förderung;
- mathematische Bildung;
- naturwissenschaftliche und technische Bildung;
- Umweltbildung und -erziehung;
- Medienbildung und -erziehung, elementare
informationstechnische Bildung;
- ästhetische, bildnerische und kulturelle Bildung und
Erziehung;
- musikalische Bildung und Erziehung;
- Bewegungserziehung und -förderung, Sport sowie
- gesundheitliche Bildung und Erziehung.
Quelle
"BEP": Bayerisches Staatsministerium
für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen &
Staatsinstitut für Frühpädagogik, München (2003):
Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in
Tageseinrichtungen bis zur Einschulung. Entwurf für die
Erprobung. Weinheim u.a. (Beltz).
Aktualisiert am 21.05.2004
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