Chronologie des Modellprojektes
Das Modellprojekt wurde angeregt durch einen Landtagsbeschluss.
Es startete 1999 mit einer Situationsanalyse und der Entwicklung von
Grundzügen eines neuen Fördermodells. Im Jahr 2000 wurden
die ersten Schritte der mittelbaren Qualitätssteuerung an den
Modellstandorten eingeführt, gefolgt von einer "Trockenphase"
im Jahr 2001, in der alle Modelleinrichtungen detaillierte
Vergleichsberechnungen erhielten. In den Jahren 2002 und 2003 wurde
die kindbezogene Förderung an den Modellstandorten eingeführt.
Vorgeschichte (bis Ende 1998)
- 20.7.1995: Beschluss des Bayerischen Landtags zur
Umgestaltung der Finanzierung zur Flexibilisierung der
Öffnungszeiten (Landtags-Drucksache 13/2370)
- 25.2.1997: Der Ministerrat beschließt den
Drei-Stufen-Plan zur Flexibilisierung der Öffnungszeiten in
Kindergärten (3. Stufe: Entwicklung eines neuen
Finanzierungskonzeptes im Hinblick auf die demographische
Entwicklung).
- 20.10.1998: Das ISKA erhält den Auftrag, ab 1.1.1999 in
einem umfassenden Praxisprojekt bis April 2002 Vorschläge für
ein neues Fördermodell zu entwickeln und seine Erprobung an
zehn Einrichtungen zu begleiten.
- 16.12.1998: Offizieller Startschuss zur Arbeit an der dritten
Stufe des Drei-Stufen-Planes. Aufforderung an alle Spitzenverbände,
aktiv an der Entwicklung eines neuen Finanzierungskonzeptes für
Kindertagesstätten mitzuwirken.
Situationsanalyse und Modellentwicklung (1999)
- Im Jahr 1999 organisiert das ISKA eine Reihe von eintägigen
Expertenrunden mit Vertreter/inne/n aus Kita-Praxis, -Organisation,
-Aufsicht und -Verwaltung zu folgenden Themen: "Qualität
von Kindertageseinrichtungen", "Perspektive der Eltern",
"Perspektive der Fachkräfte", "Perspektive
der Bewilligungsstellen", "Kommunen als Träger und
Kostenträger", "Perspektive der freien Träger",
"Krippen", "Horte". In
intensiven Diskussionen werden das herkömmliche Förderverfahren
beleuchtet und Anforderungen an ein neues Fördersystem
herausgearbeitet. Die zentrale Botschaft aller Gespräche: Es
braucht einen Befreiungsschlag, der das viel zu enge Förderkorsett
sprengt und den Einrichtungen erlaubt, sich so zu organisieren, wie
es die Situation vor Ort erfordert.
- Ca. 70 Einrichtungen, die
sich im Vorfeld für eine Erprobung gemeldet hatten, werden
schriftlich befragt im Hinblick auf ihre betriebswirtschaftliche,
organisatorische und konzeptionelle Struktur. Die Analysen erlauben
exemplarische Einblicke in die ökonomische Dynamik von
Kindertageseinrichtungen.
- Ein Teil der zuvor
schriftlich befragten Einrichtungen wird gemeinsam mit
Mitarbeiter/inne/n der Wirtschaftsprüfungskanzlei Beck besucht.
In Gesprächen mit Trägervertretern und Kita-Leitungen
werden die ökonomischen, organisatorischen und konzeptionellen
Daten vertieft. Die Gespräche geben einen dichten Einblick in
die finanziellen und konzeptionellen Zwänge der herkömmlichen
Personalkostenförderung.
- Parallel zu den Expertenrunden und den Einrichtungsbesuchen
entwickelt das ISKA die Grundzüge eines neuen Fördermodells
auf der Basis von kind- und zeitbezogenen Leistungspauschalen.
- Darüber hinaus entwirft das ISKA ein Analyseschema zur
allgemeinen Beurteilung von Förderverfahren, das es erlaubt,
Vor- und Nachteile einzelner Elemente von Fördermodellen
einander gegenüberzustellen.
- Im September 1999 übermittelt das ISKA dem Bayerischen
Sozialministerium in einem Zwischenbericht Überlegungen zur
Auswahl einer Förderstrategie mit einer Präferenz für
ein kind- und zeitbezogenes Modell unter den Stichworten "Markt
und Qualität".
- Bis zum Ende des Jahres 1999 wird das inzwischen so genannte
Modell der "markt- und qualitätsorientierten Steuerung"
ministeriumsintern und mit den Spitzenverbänden diskutiert.
- Im Januar 2000 entscheidet das Sozialministerium im
Einvernehmen mit den Spitzenverbänden, das in Grundzügen
vorgeschlagene Fördermodell zu erproben - nicht, wie
ursprünglich vorgesehen, an zehn über Bayern verteilten
Kitas, sondern flächendeckend in zwei Modellregionen.
Auswahl der Modellregionen (1. Halbjahr 2000)
- Die Landesmodellkommission, die das Projekt fortan begleitet,
nimmt am 13. März 2000 ihre Arbeit auf und wählt den
Landkreis Landsberg am Lech, die Stadt Bayreuth und Teile des
Landkreises Bayreuth als Modellregionen aus.
- Am 16. März 2000 berichtet das Sozialministerium im
Landtagsausschuss für Sozial-, Gesundheits- und Familienpolitik
über den Stand des Drei-Stufen-Planes und erfährt die
breite Zustimmung aller Parteien.
- Von April bis Juni 2000 werden in umfassenden Gesprächsrunden
politische Entscheidungsträger, Kita-Träger und
Kita-Leiterinnen in und um Bayreuth sowie im Landkreis Landsberg
über das Modellvorhaben informiert.
- Die 103 Kindertageseinrichtungen an den genannten Standorten
nehmen auf freiwilliger Basis am Modellversuch teil.
Einführung der mittelbaren Qualitätssteuerung in
Bayreuth und im Landkreis Landsberg (2. Halbjahr 2000)
- Alle Modelleinrichtungen werden mit einer schriftlichen
Befragung zum Stand Juli 2000 im Hinblick auf ihre finanzielle
Struktur, ihr Auslastungsprofil (Betreuungszeiten,
Anstellungsschlüssel) und ihre inhaltliche Konzeption erfasst.
- Das Konzept der mittelbaren Qualitätssteuerung mit
Elternbefragung und Internet-Veröffentlichung von Konzeption
und Selbstdarstellung wird mit den Modelleinrichtungen abgestimmt.
- Unter der Internet-Adresse www.iska-nuernberg.de/kita-bayern
informiert das ISKA laufend über die Projektarbeit. Im Juni
2000 wird ein Diskussionsforum eröffnet, das seither große
Beachtung findet. Zum ersten Mal ist es möglich,
uneingeschränkt, direkt und öffentlich mit den Machern
eines Modellprojektes und dem auftraggebenden Ministerium über
die Entwicklung staatlicher Richtlinien zu diskutieren.
- 28.10.2000: www.kita-bayern.de,
das Internet-Informationssystem für Familien in Bayreuth und im
Landkreis Landsberg am Lech, geht ans Netz.
- Oktober/November 2000: Die erste flächendeckende
Elternbefragung wird auf den Weg gebracht.
"Trockenphase": Berechnung der kindbezogenen
Finanzierung für alle Modell-Kitas (2001)
- Am 25. Januar 2001 wird die erste Basiswerthochrechnung auf
der Grundlage der örtlichen Zuschusslage veröffentlicht,
am 22. März 2001 folgt der erste Basiswert auf der Grundlage
einer bayernweiten Betreuungszeiterhebung.
- In einer "Trockenphase" wird die Auswirkung der
neuen Finanzierung für alle Modelleinrichtungen auf der
Grundlage der Betreuungszeiterhebung zum Juli 2000 berechnet und
individuell mit allen Trägern und Kita-Leitungen diskutiert.
- Im Mai 2001 beschließt das Sozialministerium die
Verlängerung des Modellversuchs bis Ende 2003. Der Auftrag an
das ISKA wird entsprechend bis Ende März 2004 verlängert.
- Im Rahmen von Konferenzen und Arbeitsgemeinschaften mit
Kita-Leiterinnen, Trägern und Fachberaterinnen werden bis
Projektende die neue Förderung und ihre Probleme vor Ort
diskutiert.
- Einzelne Einrichtungen und Träger werden auf Wunsch bis
Projektende auf Wunsch in betriebswirtschaftlicher, konzeptioneller
und verwaltungstechnischer Hinsicht vom ISKA beraten. Dieser Service
wird sehr unterschiedlich in Anspruch genommen.
Flächendeckende Einführung der kindbezogenen Förderung
an den Modellstandorten (2002/03)
- Zum 1. Januar 2002 wird die kindbezogene Förderung
flächendeckend an den Modellstandorten eingeführt.
- Die von den Einrichtungen in den Jahren 2002 und 2003 in
Eigenregie durchgeführten Elternbefragungen werden vom ISKA
zusammenfassend ausgewertet. Den Einrichtungen werden Vergleiche
ihrer Befragungsergebnisse mit den Durchschnittswerten zugestellt.
- Die monatsgenaue Abrechnung der Jahre 2002 und 2003 wird vom
ISKA zur Analyse der Entwicklung der Kita-Finanzierung, der
durchschnittlichen Nutzungszeiten in den einzelnen Einrichtungen,
der Anstellungsschlüssel etc. herangezogen. Für zwei Jahre
liegen detaillierte Daten aller Modell-Kitas vor.
- 1.10.2002: Auf einer Tagung in Fürth mit ca. 1.100
Teilnehmer/innen wird der Zwischenstand des Modells präsentiert.
- Ende 2003 wird mit weiteren Elementen der Qualitätssicherung
- Kinderbefragung und Mitarbeiter/innen-Befragung - experimentiert.
- Teile der Mitarbeiter/innen-Befragung werden vom ISKA im
Hinblick auf Modellwirkungen ausgewertet. Eine Trägerbefragung
rundet die Befragung der vom Modellprojekt betroffenen Gruppen ab.
- Ende 2003 drängt der Großteil der
Modelleinrichtungen darauf, die kindbezogene Förderung im Jahr
2004 beizubehalten, obwohl das Projekt plangemäß zum
31.12.2003 endet.
- Das ISKA beendet die Begleitung der Modelleinrichtungen zum
31.12.2003 und wertet die Erfahrungen bis Mai 2004 aus.
Aktualisiert am 27.05.2004
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