Forschungsprojekt: Soziales Kapital in der frühen Kindheit
Die Kita ist einer der wenigen Orte, an denen schicht- und kulturübergreifende Kontakte natürlich entstehen können, z.B. beim Sommerfest unserer Kinderkrippe MIRA (Foto: Paula Stämmele)
Gibt es schichtspezifische Unterschiede beim sozialen Kapital von Kindern im Jahr vor der Einschulung und welche Bedeutung hat es für die Bildungsorientierungen von Kindern? - Diese zentralen Fragen stellte sich Julia Schimmer im Rahmen ihrer Promotion am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Mainz. Die Promotion wurde im September 2025 erfolgreich abgeschlossen.
Julia Schimmer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und seit 2024 Geschäftsführerin der ISKA gGmbH. Die Promotion wurde zwar außerhalb der Arbeitszeit am ISKA durchgeführt, war fachlich aber eingebunden in die vielfältigen Projekte zum Thema Bildungsgerechtigkeit am ISKA. Ein Teil der Erhebungen fand in ISKA-Kitas statt. Ergebnisse werden regelmäßig in der ISKA-internen AG Bildungsgerechtigkeit diskutiert.
Forschungsfragen
In ihrer Dissertation interessierte sich Julia Schimmer für die Bedeutung außerfamiliärer Kontakte bei der Reproduktion von Bildungsungleichheit. Mit der Studie wurden folgende Forschungsfragen vefolgt:
Gibt es im Jahr vor der Einschulung schichtspezifische Unterschiede…
- bei den sozialen Kontakten (Peers und Erwachsene) von Kindern außerhalb der Kernfamilie?
- bei den Peerkontakten in der Kindergartengruppe?
- bei den Kontakten zwischen den Eltern der Kindergartengruppe?
- bei den Beziehungen von Eltern bzw. Kind und Fachkraft?
- in den Bildungsorientierungen von Kindern?
Befragung von Kindern, Eltern und Fachkräften
In diesem Kontext führte Julia Schimmer persönliche, halbstandardisierte Interviews mit 100 Vorschulkindern. Eltern und Kita-Fachkräfte wurden ebenfalls durch Leitfadeninterviews, standardisierte persönliche Befragungen und schriftliche Befragungen einbezogen.
Forschungslücke in der Erziehungswissenschaft
Erziehungswissenschaftliche Ungleichheitsforschung hat einen besonderen Fokus auf die Kernfamilie. Studien, welche die Bedeutung des außerfamiliären sozialen Kapitals, also der Ressourcen im sozialen Netzwerk von Kindern und Jugendlichen beleuchten, sind hingegen rar. Das trifft insbesondere auf die frühe Kindheit zu. Die Dissertation setzte an dieser Forschungslücke an.
Veröffentlichungen
Die kumulative Promotion wurde im September 2025 abgeschlossen. Die Forschungsfragen wurden in folgenden Veröffentlichungen beantwortet:
Schimmer, J. (2022). Schichtspezifische Bildungsorientierungen von Kindern im Jahr vor der Einschulung. ZSE Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, 42(2), 183–200. https://doi.org/10.3262/ZSE2202183Lebenslagen und Lebenswelten von Kindern und Familien. Beltz Juventa.