Fortbildungsrückblick: Aus dem Alltag am Familiengericht
Bei einer Fortbildung für die ehrenamtlichen Umgangsbegleitungen zum Alltag im Familiengericht durften Inhalte zu §1684 nicht fehlen. (Quelle: BGB)
21.04.2026 - Oftmals wird der Begleitete Umgang vom Familiengericht angeordnet. Umso spannender ist es für die ehrenamtlichen Umgangsbegleitungen hinter diese Kulissen schauen zu können. Ein langjähriger Familienrichter gab darum im Rahmen einer Fortbildung Einblicke in seinen beruflichen Alltag.
Fortbildungen erfüllen in der Freiwilligenarbeit einen doppelten Zweck: Einerseits wird dadurch das Wissen der Ehrenamtlichen aktuell gehalten, andererseits ist es eine Form der Wertschätzung. Auch für die Ehrenamtlichen im Projekt Begleiteter Umgang werden solche Veranstaltungen organisiert. Zuletzt gab ein langjähriger Familienrichter einen Überblick über das breite Themenspektrum in seinem Arbeitsbereich, das von A wie Alimente bis V wie Versorgungsausgleich reicht.
Was macht ein Familienrichter?
Die Fortbildung lebte nicht nur von ihrem breiten Informationsgehalt, sondern auch von der persönlichen Art des Referenten Christian Freudling, über seinen Werdegang und Arbeitsalltag zu erzählen. Das Zivil- und Strafrecht führte Herr Freudling damals zum Familienrecht - ein Fach, das im Studium eher wenig Raum einnimmt und eine komplett neue Einarbeitung braucht. Ganz unabhängig von der fachlichen Ausrichtung sei das Interessante am Richterberuf, dass die Vielfalt so groß ist. Letztlich bildet sich am Gericht die ganze Bandbreite des Lebens ab. Im Familienrecht geht es überwiegend um Scheidung mit Versorgungs- und Zugewinnausgleich, Sorgerecht, Umgangsrecht, Aufenthaltsrecht des Kindes und Abstammungsrecht. Dadurch ergeben sich unterschiedlichste Konstellationen.
Interessant zu hören war auch, dass eine Familie im Falle neuer Rechtstreitigkeiten immer wieder zum selben Richter kommt. Freudlings dickste Akte bildete eine Familie mit 47 Verfahren. In diesem Zusammenhang kam in der Runde die Frage auf, wer das bezahlt. Freudling erklärte dazu: Einerseits gibt es viele Familien, die Prozesskostenhilfe in Anspruch nehmen können. Andererseits gibt es aber auch Selbstzahler, die in ihrem Machtkampf zahllose Verfahren anzetteln und die Kosten aus eigener Tasche tragen.
Kindschaftssachen
Mit Blick auf den Projektbereich Betreuter Umgang waren Aspekte, die einen direkten Bezug zu Kindschaftssachen hatten, besonders interessant. Freudling nannte hier als ein typisches Beispiel aus der Praxis getrennte Eltern mit gemeinsamem Sorgerecht, die sich in der Frage der Schulauswahl nicht einig werden, so dass der Fall zu Gericht kommt. Wer darf nun bestimmen, welche Schule das Kind besucht? In der Regel ist es die Person, bei der das Kind lebt, weil sie die unmittelbaren Auswirkungen trägt, löste der Richter auf.
Bei Sorgerechtsentscheidungen und Umgangsrecht etwa gehe es jedoch letztlich immer um die Frage, was dem Kindeswohl entspricht. Allerdings sei das im Einzelfall schwer zu ermitteln, so Freudling. Ein zentrales Mittel für die Richter/-innen ist hier die Anhörung des Kindes, die im Rahmen eines extra Termins in einem kindgerechten Zimmer stattfindet. Dadurch entsteht ein Eindruck vom Kind und die Einschätzung fällt leichter.
Umgangsrecht
Für den Projektkontext besonders relevant war das Thema Umgangsrecht. In solchen Fällen wird oft ein Machtkampf erlebt. Doch gerade der Umgang muss zu allererst nach dem Kindeswohl entschieden werden. Je älter das Kind ist, umso eher wird der Kindeswille berücksichtigt. Für Richter Freudling war der unbegleitete Umgang immer der Regelfall und der begleitete Umgang die Ausnahme. Dennoch gibt es viele Fälle, in denen die begleitete Variante erforderlich ist - etwa bei häuslicher oder sexualisierter Gewalt oder bei Suchtmittelmissbrauch.
In derlei Konstellationen übernehmen die ehrenamtlichen
Umgangsbegleitungen eine ehrenvolle und bedeutsame Rolle ein,
indem sie das Vertrauen und die Sicherheit zwischen Eltern und
Kind während des Besuchskontakts maßgeblich stützen. Dass Richter
Freudling dieses Engagement für eine gute Sache hält, wird nicht
zuletzt dadurch deutlich, dass er inzwischen selbst zu den
Freiwilligen des Projektbereichs gehört.