Zehn Jahre Repair-Café Fürth

Zwei Männer stehen auf einer Bühne vor Publikum. Einer hält ein Mikrofon und ein Blatt Papier in der Hand.

Eine gelungene Feier in der Kofferfabrik. Klaus Hetzer (rechts im Bild) erzählt aus den vergangenen zehn Jahren Repair-Café. (Foto: Tanja Elm)

08.11.2025 - Bereits in der Schulzeit interessierte sich Klaus Hetzer für das Thema Nachhaltigkeit. Vor zehn Jahren rief er gemeinsam mit dem Freiwilligen-Zentrum Fürth (FZF) das erste Repair-Café in Fürth ins Leben. Dieses Jubiläum ist ein Grund, um zurückzublicken.

Schon seit zehn Jahren werden im Repair-Café Fürth defekte Geräte wieder auf Vordermann gebracht - auf Spendenbasis natürlich. Entstanden ist das Projekt dank Klaus Hetzer, der vor zehn Jahren mit der Idee an das Freiwilligen-Zentrum Fürth herantrat. Seitdem hat sich das Projekt fest etabliert. In der Kofferfabrik, dem Stammplatz des Repair-Cafés, gab es anlässlich dieses Jubiläums eine lebendige Feier. Hier soll Platz sein, um auf die erste Dekade zurückzuschauen.

Vom Schulaufsatz zum Herzensthema

Für das Thema Nachhaltigkeit hat sich Klaus Hetzer bereits seit 1972 interessiert. Den Grundstein legte ein Aufsatz über das Buch "Die Grenzen des Wachstums", eine Studie zur Zukunft der Weltwirtschaft. Seitdem ließ ihn der Gedanke nicht mehr los, durch einfache Handlungen im Alltag der Umwelt etwas Gutes zu tun.

Über ein halbes Jahrhundert später hält Hetzer ein Mikrofon in der Hand. In einem Nebenraum der Kofferfabrik umringen ihn gut 70 Personen, darunter Reparateure des Repair-Cafés, Fraktionsvorsitzende des Stadtrats der Stadt Fürth und Fürths Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung. Letzterer hat "für die Unkosten" des Abends einen Scheck der Sparkasse Fürth über 1000 Euro für das Repair-Café im Gepäck. Zusammen mit ihnen feiert Hetzer das zehnjährige Bestehen des Repair-Cafés in der Kleeblattstadt, das, wie einige Stimmen an diesem Abend bestätigen, ohne ihn niemals entstanden wäre.

Eine Idee nimmt ihren Lauf

Das Projekt nahm 2015 seinen Anfang. Klaus Hetzer, der damals gerade in Altersteilzeit gegangen war, wollte sich weiterhin für Nachhaltigkeit einsetzen. Im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit hatte er bereits jahrelang Nachhaltigkeitsschulungen gegeben und Menschen für das Thema sensibilisiert. Weil er jetzt mehr Zeit hatte, wollte er sich noch einmal effektiv einbringen, "etwas Konkretes bewegen", wie er rückblickend sagt.

"Ich wusste, dass es diese Repair-Cafés in anderen Städten wie Nürnberg gibt", sagt Hetzer und ergänzt: "Ich fand das Konzept schon immer interessant." Im FZF stellte er das Projekt vor und dort wurde es sofort positiv bewertet. Schnell fanden sich Gelder, um Hetzer einen hauptamtlichen Mitarbeiter zur Seite zu stellen. Mit insgesamt fünf Stunden in der Woche unterstützte er das Projekt, immerhin benötige es "manchmal jemanden, der parallel organisiert", wenn "Freiwillige etwas in die Wege leiten". Auch ein Ort war schnell gefunden, denn der damalige Kofferfabrik-Geschäftsführer Udo Martin sagte sofort zu. Am 7.November 2015 war es dann soweit: Das erste Repair-Café fand statt.

Große Resonanz vom ersten Tag an

Bereits am ersten Tag waren etwa 45 Menschen da, die defekte Geräte mitbrachten. Dank einer guten Mundpropaganda und einem großen Interesse in der Presse hatte sich das Angebot sehr schnell herumgesprochen. Mitgebracht wurden etwa eine alte Nähmaschine, ein defekter Siebträger oder ein Drucker, der seiner Besitzerin mit einer hartnäckigen Fehlermeldung viel Geduld gekostet hatte. Auch ein Filmteam der Technischen Hochschule Nürnberg - bestehend aus Studenten - hatte sich für diesen Tag extra angekündigt, um die Premiere mit einer Kamera festzuhalten. Insgesamt 3850 Aufrufe hat das Video mittlerweile auf Youtube.

Eine solide Bilanz

Die 45 etablierte sich über die Zeit als durchschnittliche Besucherzahl der alle zwei Monate stattfindenden Reparaturtermine in der Kofferfabrik. Seit zwei Jahren gibt es außerdem einen zusätzlichen Standort: den Zukunftssalon "Tataa!" am Grünen Markt in der Altstadt, der „durchaus gut angenommen wird, weil er zentral liegt", wie Hetzer sagt.

Auch andere Zahlen sprechen für sich: Rund 66 Prozent der Geräte, die im Repair-Café gelandet sind, konnten bisher von den mittlerweile 15 ehrenamtlichen Reparateuren gefixt werden. Das entspricht gut 3000 elektrischen oder mechanischen Geräten sowie Textilien, die das Team vor dem Müll retten konnte. So wurden in den zehn Jahren mehr als sieben Tonnen Elektroschrott vermieden. Das entspricht dem Gewicht von drei Kleinwägen. Hinzu kommen zehn Tonnen eingespartes CO₂ - umgerechnet etwa 50 Flüge von München nach New York.

Schulungen als weiterer Baustein

Inzwischen schult das Team zusätzlich in Schulen oder dem Klinikum rund um das Thema Nachhaltigkeit, um flächendeckend zu sensibilisieren. Dafür hat es in der Vergangenheit schon zahlreiche Auszeichnungen gegeben. Darunter den Nachhaltigkeitspreis der Stadt Fürth oder den Zukunftspreis. Pünktlich zum Jubiläum des Repair-Cafés am Samstag folgte dann noch eine Urkunde des Fürther Vereins Müll und Umwelt. Klaus Hetzer fasst den Geist des Projekts gekonnt zusammen: "Es geht nicht darum, einen Service anzubieten, sondern eine Kultur des Reparierens und des einander Helfens zu schaffen".

Wer ein kaputtes Gerät hat, meldet sich übrigens idealerweise vor einem Besuch im Repair-Café an. Dies kann über eine E-Mail an repaircafe_fürth@web.de oder über die Internetseite https://www.reparatur-initiativen.de/iska-nuernberg geschehen.