Integrationslotsen für Geflüchtete

Personen sitzen am Tisch und essen gemeinsam

Gemeinsames Abendessen im SprachBistro (Foto: Felix Trejo)

Seit Mai 2017 gibt es im Freiwilligen-Zentrum Fürth (FZF) das vom Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration geförderte Projekt "IntegrationslotsInnen". 130 Freiwillige sind in Integrationsprojekten des FZF aktiv.

Etwa 130 Freiwillige engagieren sich zur Zeit in Integrationsprojekten des Freiwilligenzentrums. Sie begleiten und unterstützen Menschen beim Ankommen in unserer Stadt, üben mit ihnen Deutsch oder stehen Geflüchteten in persönliche Beziehungen mit Rat und Tat zur Seite. Außerdem werden im Rahmen des Projekts auch engagierte Geflüchtete in eigene ehrenamtliche Tätigkeiten vermittelt.

Der Bereich der Flüchtlingshilfe hat sich verändert: Die akute Erstversorgung wurde erfolgreich gemeistert, die benötigte Betreuung ist dafür intensiver und individueller geworden. Jetzt bilden Patenschaften die Schwerpunkte der Arbeit: Ehrenamtliche helfen beim Spracherwerb, kulturellen Unsicherheiten, Ämtergängen und bei der Wohnungsvermittlung.

Momentan gibt es im FZF folgende Projekte im Integrationsbereich:

"Zimmer frei?!"

Viele Geflüchtete haben ihre Anerkennung bzw. einen Aufenthaltsstaus erhalten und damit auch die Aufforderung, aus den Gemeinschaftsunterkünften auszuziehen. Leider ist die Wohnungssituation in Fürth für Personen mit geringem Einkommen sehr schlecht.

Im FZF hat sich in Kooperation mit der Caritas-Flüchtlingshilfe die neue Projektgruppe "Zimmer frei?!" gebildet. Das Team sucht potentielle Vermieter, berät sie und bringt sie mit Geflüchteten zusammen. So haben Vermieter einen Ansprechpartner, der als Bindeglied zu den neuen Mietern wirkt. Die Freiwilligen begleiten die Geflüchteten in der Anfangszeit, helfen bei Bürokratie und Umzug und machen sie mit den Gepflogenheiten, Rechten und Pflichten vertraut.

Sprachpatenschaften

Wer einen Sprachkurs besucht, lernt Grammatik und Wortschatz, aber um die Sprache flüssig zu sprechen, braucht es vor allem viel Übung. Dies geht am besten mit einem festen Sprachpartner oder einer Sprachpartnerin, mit dem oder der man sich regelmäßig treffen und unterhalten kann. Einige Freiwillige helfen auch darüber hinaus, oft bei Behördengängen, Bewerbungsschreiben etc. Aus „Sprachtandems“ können Freundschaften entstehen, die das Ankommen in der neuen Heimat erleichtern. Die Sprachpatenschaften haben inzwischen die ehrenamtlichen Deutschkurse abgelöst.

Auch das "SprachBistro" verfolgte das Ziel, Sprachpatenschaften zu bilden. Fünf Mal im Jahr kamen hier Geflüchtete und Einheimische bei Tee, Kaffee, Kuchen und kleinen Snacks zusammen. In gemütlicher Atmosphäre lernte man sich kennen und es entstanden Sprachtandems. Diese trafen sich dann regelmäßig, unterhielten sich und übten so die deutsche Sprache in einer entspannten Gesprächssituation. Seit Beginn des Projekts wurden 81 Sprachpatenschaften gebildet, von denen rund die Hälfte noch immer aktiv sind. Seit Sommer 2020 pausiert dieses Projekt. Sprachpatenschaften werden aber weiterhin vermittelt.

Schreibwerkstatt

Neben der Sprache braucht auch das Schreiben viel Praxis. Im Rahmen einer Schreibwerkstatt haben Migrant/innen die Gelegenheit, ihre eigenen Geschichten zu formulieren und ihre selbst geschriebenen Texte zu veröffentlichen. Jedes Jahr entsteht unter der ehrenamtlichen Leitung von Heidemarie Glöckner ein neues Buch mit Geschichten von Zugewanderten, in denen sie ihre individuellen Gedanken und Erlebnisse in die neu erlernten Worte fassen. Die Bücher werden bei verschiedenen Gelegenheiten vorgestellt, indem die Autor/innen ihre Texte vor Publikum vortragen. Die Schreibwerkstatt wird über das Bundesprogramm „Demokratie leben“ und die Integrationsleitsätze der Stadt Fürth gefördert.

Kinderbetreuung

Die Kinderbetreuung in der Karolinenstraße ist ebenfalls fest etabliert. Zweimal in der Woche gehört der von den Freiwilligen ausgestattete Raum den Kindern. Hier wird gelesen, gebastelt, gespielt und gemalt. Anfang 2017 konnte mit Spenden ein Sportraum in der großen Unterkunft eingerichtet werden. Seither geht immer eine Freiwillige mit einer Gruppe von Kindern zum Fußballspielen.

Interessante Informationen, speziell auch für Ehrenamtliche und Flüchtlinge, werden auf der Internetseite www.fluechtlingshilfe-fuerth.de veröffentlicht. Diese Homepage wird von dem Freiwilligen Johannes Böhm betreut.

Fahrradkurs für Frauen

Nicht in allen Ländern ist Fahrrad fahren selbstverständlich - vor allem für Mädchen und Frauen. Im Rahmen des Programms "Integration durch Sport" des Bayerischen Landes-Sportverbands (BLSV), bot darum das ehemalige Elan-Projekt "Cafe Elli" bis Ende 2018 einen speziellen Fahrradkurs für Frauen an. Dieser kostenlose Kurs wird seit 2019 vom Freiwilligen-Zentrum weitergeführt.

Hier können Frauen ab 16 Jahren (egal welcher Herkunft) Rad fahren üben und die Verkehrsregeln lernen. Die weiblichen Trainierinnen machen die Teilnehmerinnen in Praxis- und Theorie-Stunden fit für den Straßenverkehr.

Offener Tischtennistreff

Wer Lust am Sport mit anderen hat, kann seit März 2018 einmal pro Woche in der Sporthalle einer Gemeinschaftsunterkunft Tischtennis spielen. Die Treffen sind unverbindlich, kostenlos und für alle ab 14 Jahren offen. Es geht vor allem um den Spaß am Spiel und den Kontakt zwischen Menschen verschiedener Herkunft.

Veranstaltungsreihe für(th)einander

Die Veranstaltungreihe „für(th)einander“ ist eine gemeinsame Initiative der Caritas und des FZF für eine offene Stadtgesellschaft und mehr Miteinander und Teilhabe von Menschen mit Fluchthintergrund. Die Veranstaltungsreihe möchte Brücken bauen und Gelegenheiten für Begegnung und Austausch schaffen. Sie wird gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Neben einer Plakat-Aktion finden auch interkulturelle Treffen für junge Menschen, internationale Kochkurse, Lesungen, Filmabende und weitere Veranstaltungen statt.

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