Integrationslotsen für Geflüchtete

Personen sitzen am Tisch und essen gemeinsam

Gemeinsames Abendessen im SprachBistro (Foto: Felix Trejo)

Seit Januar 2018 gibt es im Freiwilligen-Zentrum Fürth (FZF) das vom Bayerischen Sozialreferat geförderte Projekt IntegrationslotInnen. Damit hat sich der Bereich Flüchtlingshilfe verändert.

Bisher lief die Arbeit der Flüchtlingshilfe im FZF über das Projekt „Koordinierungsstelle für Ehrenamtliche im Bereich Asyl“ mit 40 Wochenstunden. Die Stadt Fürth hatte die Stelle beim Bayerischen Sozialministerium akquiriert und das FZF mit der Aufgabe beauftragt. Die Förderung endete im Dezember 2017.

Seitdem gibt es in diesem Bereich im FZF nur noch das vom Bayerischen Sozialreferat geförderte Projekt „IntegrationslotsInnen“. Die Projektgelder dafür werden hälftig zwischen Sozialreferat der Stadt Fürth und dem FZF aufgeteilt. Finanziert sind damit 2018 im FZF aber nur noch 25 Stunden für die Koordinierung von Freiwilligen im Flüchtlingsbereich.

Die Zahl der Freiwilligen, um die sich das FZF in seinen Projekten kümmert, liegt etwa bei 120 Personen, die ihre persönlichen Beziehungen zu Geflüchteten weiter pflegen und die Menschen beim Ankommen in unserer Stadt begleiten und unterstützen. Außerdem vermittelt das FZF im Rahmen des Projektes auch Geflüchtete ins Ehrenamt.

Der Bereich der Flüchtlingshilfe hat sich verändert: Die akute Situation der Erstaufnahme wurde erfolgreich gemeistert, die Struktur der Betreuung hat sich intensiviert und ist individueller geworden. Jetzt bilden Patenschaften zur Unterstützung im Spracherwerb, Begleitung bei Ämtergängen und Wohnungsvermittlung die Schwerpunkte der Arbeit.

Die Reduzierung der hauptamtlichen Stunden hat Auswirkungen auf die Arbeit vor Ort. Es werden viele Aufgaben, um die sich das FZF in der Flüchtlingshilfe gekümmert hat, neu ausgerichtet und angepasst. Betroffen sind eigene Projekte des FZF, die Organisation von Helferkreistreffen und Austauschtreffen mit den Ehrenamtskoordinatoren der anderen Träger. Aber es fehlen auch finanzielle Ressourcen für Fortbildungen oder Veranstaltungen für Freiwillige.

Momentan gibt es im FZF noch folgende Projekte:

"Zimmer frei?!"

Viele Geflüchtete haben ihre Anerkennung bzw. einen Aufenthaltsstaus erhalten und damit auch die Aufforderung, aus den Gemeinschaftsunterkünften auszuziehen. Leider ist die Wohnungssituation in Fürth für Personen mit geringem Einkommen sehr schlecht.

Im FZF hat sich in Kooperation mit der Caritas-Flüchtlingshilfe die neue Projektgruppe "Zimmer frei?!" gebildet. Das Team sucht potentielle Vermieter, berät sie und bringt sie mit Geflüchteten zusammen. So haben Vermieter einen Ansprechpartner, der als Bindeglied zu den neuen Mietern wirkt. Die Freiwilligen begleiten die Geflüchteten in der Anfangszeit, helfen bei Bürokratie und Umzug und machen sie mit den Gepflogenheiten, Rechten und Pflichten vertraut.

SprachBistro / Sprachpatenschaften

Aus "SprachMenü" wurde 2017 "SprachBistro". Der Rahmen hat sich etwas verändert, das Ziel des Projekts ist geblieben: Es werden Sprachpatenschaften gebildet. Fünf Mal im Jahr treffen sich Geflüchtete und Einheimische bei Tee, Kaffee, Kuchen und kleinen Snacks. In gemütlicher Atmosphäre lernt man sich kennen und es entstehen Sprachpatenschaften. Diese treffen sich dann regelmäßig, unterhalten sich und üben so die deutsche Sprache in einer entspannten Gesprächssituation. Aus einem interkulturellen Austausch mit persönlicher Note können mit der Zeit auch Freundschaften werden. Seit Beginn des Projekts wurden 67 Sprachpatenschaften gebildet, von denen derzeit 42 aktiv sind.

Zwischen den Terminen des SprachBistros ist auch eine direkte Vermittlung möglich. In Kooperation mit der Caritas-Asylsozialberatung wird dann ein passender Sprachpartner gesucht.

Die Sprachpatenschaften haben inzwischen die ehrenamtlichen Deutschkurse abgelöst. Mittlerweile gibt es genügend Integrationskurse, so dass Freiwillige in erster Linie die Menschen unterstützen, die durch die Kurse schlecht erreicht werden, z.B. Mütter mit kleinen Kindern.

Volksbücherei-Lotsen

Auch bei den Volksbücherei-Lotsen geht es um Sprache. Freiwillige gehen gemeinsam mit Geflüchteten in die Bücherei und machen sie mit dem Ausleihsystem vertraut. Mitarbeiter der Volksbücherei stellen spezielle Bücherkisten für die Flüchtlinge oder deren Kinder zusammen. Die Vobü-Lotsen bringen sie dann in die Unterkünfte, in Kindergärten oder Schulen und holen sie nach Ablauf der Leihfrist wieder ab.

Fahrradwerkstatt

Die Fahrradwerkstatt hat sich verändert. In der Karolinenstraße und im Möbelhaus Höffner werden keine Räder mehr repariert. Dafür gibt es zwei neue Möglichkeiten: Die mobile Fahrradwerkstatt und die Nachbarschaftswerkstatt.

Erstere bedient zwei Standorte: Einmal kommt sie in die Fronmüllerstraße 129 und einmal ist sie in der Max-Planck-Straße 15. Beide liegen in der Nähe von Gemeinschaftsunterkünften. Ziel der mobilen Fahrradwerkstatt ist, wohnortnah zu helfen und Räder wieder nutzbar zu machen.

Die Nachbarschaftswerkstatt wurde in Kooperation mit der Kinderarche eingerichtet. In der Theresienstraße 17 betreibt die Kinderarche schon seit Jahren eine gut ausgestattete Fahrradwerkstatt für Kinder und Jugendliche. Jetzt werden am Montagabend auch Erwachsene angesprochen.

Beide Projekte richten sich nicht nur an Geflüchtete, sondern auch an Deutsche und Zuwanderer mit geringem Einkommen. Für die Reparaturen fallen keine Kosten an, nur Ersatzteile müssen bezahlt werden. Das Ziel ist immer Hilfe zur Selbsthilfe, d.h. die „Kunden“ lernen ihr Rad selber zu reparieren.

Asylothek

Die Asylothek in der Gemeinschaftsunterkunft in der Höfener Straße besteht nun schon seit mehr als einem Jahr. Hier begegnen sich Freiwillige und Geflüchtete, um Sprache, Bildung, Kultur und Integration zu fördern. Das Angebot findet inzwischen an zwei Terminen in der Woche statt. Hoch her geht es am Montag, denn da kommen vor allem viele Kinder. Die Freiwilligen öffnen den Raum zum Spielen, Malen und Kickern. Auch die erwachsenen Bewohner der Unterkunft sind willkommen. Am Mittwoch geht es ruhiger zu, dieser Tag ist für die Frauen reserviert. Sie möchten vor allem mit den Freiwilligen deutsch üben.

Kinderbetreuung

Die Kinderbetreuung in der Karolinenstraße ist ebenfalls fest etabliert. Zweimal in der Woche gehört der von den Freiwilligen ausgestattete Raum den Kindern. Hier wird gelesen, gebastelt, gespielt und gemalt. Anfang 2017 konnte mit Spenden ein Sportraum in der großen Unterkunft eingerichtet werden. Seither geht immer eine Freiwillige mit einer Gruppe von Kindern zum Fußballspielen.

Interessante Informationen, speziell auch für Ehrenamtliche und Flüchtlinge, werden auf der Internetseite www.fluechtlingshilfe-fuerth.de veröffentlicht. Diese Homepage wird von dem Freiwilligen Johannes Böhm betreut.