Künstlerinnen-Portrait Sabine Neubauer
Sabine Neubauer in Aktion. (Foto: Annette Kradisch)
23.07.2026 - Unsere Geburtstagskarten-Aktion geht in ihr elftes Jahr. Diesmal ist die Post zum Wiegenfest, die das Freiwilligen-Zentrum Fürth an Ehrenamtliche verschickt, mit einem Bild von Sabine Neubauer geschmückt. Es stammt aus ihrer Werkreihe RECLAM, in der sie neuen Stoff aus alten Büchern produziert.
Sabine Neubauer, die Künstlerin hinter dem Bild auf unserer diesjährigen Geburtstagskarte, webt neuen Stoff aus alten Werken, so könnte man sagen. Ihren Hang zum Textilen hat sie schon in ihrem Studium ausgeprägt.
Kunst als Herzenswunsch
Sabine Neubauer wurde 1961 in Fürth geboren. Der Wunsch, in Richtung Kunst zu gehen, war bereits am Ende der Schulzeit da: Nach dem Abitur am Helene-Lange-Gymnasium wollte sie an der Akademie Kunst studieren. Allerdings scheiterte dieser Plan erst einmal am Veto des Vaters.
Nach 20 Jahren beruflicher Tätigkeit in der Wirtschaft und einem Vorbereitungsjahr auf ein Kunststudium an der Werkbund Werkstatt Nürnberg setzte sie diesen Herzenswunsch dann doch in die Tat um - 2004 ging sie hierfür an die Westsächsische Hochschule Zwickau. An der Fakultät Angewandte Kunst, angesiedelt in Schneeberg, studierte sie Textilkunst und absolvierte eine Ausbildung in Druckgrafik und Zeichnung. 2009 schloss sie als Diplom Designerin ab.
Zurück in die Heimat
Anschließend kehrte sie nach Fürth zurück. Hier ist sie seit 2010 als freischaffende Textil- und Papierkünstlerin tätig. Ihr Atelier hat sie im CLINC Kunst-Centrum in der Kaiserstraße 173 eingerichtet. Zudem lehrt sie nun selbst an der Werkbund Werkstatt Nürnberg textile Gestaltung und Zeichnung.
Sabine Neubauers Arbeiten lassen sich in drei Formen unterteilen: Da sind erstens die Zeichnungen, zweitens fertigt sie experimentelle Stickerei an und drittens erschafft sie Papier- und Buchobjekte, die Schwerpunkt ihres Schaffens sind. Ihr künstlerischer Ansatz lässt sich prägnant als "Bewahren durch Transformation" beschreiben.
Wenn Alt und Neu sich treffen
Im kreativen Prozess verändert sie das Ausgangsmaterial in Form, Struktur und Funktion grundlegend - es erlebt eine regelrechte Metamorphose. Mit ihren Arbeiten will sie einerseits die Erinnerung an Fertigungstechniken, Textilien und Druckerzeugnisse längst vergangener Tage bewahren. Andererseits überführt sie diese gleichzeitig mit Feingefühl und querdenkend in neue, aussagekräftige Formen. Dabei sieht sie sich als Brückenbauerin zwischen traditionellem Textilhandwerk und moderner Textilkunst, die einlädt zu Interpretation und Dialog.
Unser diesjähriges Motiv: Aus der Reihe "RECLAM"
Seit 1867 erscheinen in der Buchreihe "Universal-Bibliothek" des Reclam-Verlags Werke der Weltliteratur als preisgünstige, kleine Taschenbücher. Fast jeder verbindet die dünnen gelben Hefte mit der eigenen Schulzeit. In ihrer Werkreihe RECLAM befasst sich Sabine Neubauer mit dem Phänomen dieser Hefte.
Seit 1907 ist „Multa et Multum“ das Motto des Reclam-Verlags, was „Vieles für Viele“ ausdrücken soll. Dieser Leitgedanke inspirierte Sabine Neubauer zu einem 70 x 100 cm großen Webobjekt, dem sie den gleichen Titel gab. „In meiner Arbeit spüre ich diesem Motto nach und mache es über das Textil sichtbar.“, heißt es dazu auf ihrer Webseite.
Die Auflösung
Ihr Ausgangsmaterial sind ausrangierte Reclam-Hefte. Sie löst die Bindung der Bändchen und nimmt sie Blatt für Blatt auseinander. So gewinnt sie Heftseiten unterschiedlichster Qualität und Farbigkeit. Beim Verweben der Blätter mit Papiergarn entsteht daraus ein dichtes Florgewebe mit verschmelzenden beige-braunen Farbverläufen, die sichtbaren Druckzeilen vermitteln die ursprüngliche Verwendung des Materials und lassen die kleinen Papierflächen lebendig wirken.
Die Metamorphose
An die Wand gehängt, wirkt das Webstück wie ein edles Tuch, das sich in sanften Wellen auffächert. Beim Betrachten kommt man unwillkürlich in Versuchung, über das flauschig wirkende Objekt zu streichen! Sabine Neubauer beschreibt es so: „Die Gedanken verdichten sich zu einer neuen Form, zu einem Textgewebe, das unsere Sinne auf besondere Weise herausfordert.“
Übrigens wäre das Motto „MULTA Et MULTUM“ ein guter Slogan für
das freiwillige Engagement in unserer Stadt. Auch deshalb haben
wir das Werk als Motiv für unsere Geburtstagskarte 2026
ausgewählt.