Freiwilligen-Porträt: Hawler Hussein Ali
Hawler Hussein Ali beim Malen mit den Kindern in der GU Karolinenstraße. (Foto: Theresa Hämmerl)
24.04.2026 - Seit 2022 engagiert sich Hawler Hussein Ali regelmäßig in der Kinderbetreuung der Gemeinschaftsunterkunft (GU) in der Karolinenstraße in Fürth. Zwei Nachmittage pro Woche kommen hier Ehrenamtliche zusammen. Sie bieten den Kindern unter den rund 400 Bewohner/innen einen geschützten Ort zum Spielen, Basteln und Bewegen zu bieten und Hawler nimmt hier eine wertvolle Rolle ein.
Für die 22-Jährige ist dieses Engagement persönlich: Als sie 12 Jahre alt war, lebte sie selbst in einer GU. „Damals hätte ich mir eine solche Kinderbetreuung sehr gewünscht“, sagt sie. Heute gibt sie genau das weiter, was ihr selbst gefehlt hat.
Ein Weg, der zurückführt
Von dem Angebot in der Karolinenstraße erfuhr Hawler über eine Freundin in einem Englischkurs, der in der Karolinenstraße stattfand. Dort hörte sie, dass Freiwillige für die Kinderbetreuung gesucht werden. Die Entscheidung war schnell gefallen: „Ich wollte etwas zurückgeben“, sagt sie. „Und ich liebe die Arbeit mit Kindern.“
Sprachlich war das anfangs eine Hürde. Englisch hatte sie in der Schule kaum gelernt, vieles musste sie sich selbst aneignen. Doch gerade diese Erfahrung macht sie heute besonders sensibel für die Situation vieler Kinder in der Unterkunft, die zwischen Sprachen, Kulturen und neuen Anforderungen stehen. Hawler weiß, wie sich Unsicherheit anfühlt – und wie wichtig es ist, dabei nicht allein zu sein.
Lernen, begleiten, stärken
Während ihrer Zeit an der Fachoberschule im sozialen Zweig sammelte Hawler bereits praktische Erfahrungen mit Kindern. Praktika in der Frauenschule vertieften ihr Interesse an pädagogischer Arbeit. In der Kinderbetreuung der GU konnte sie dieses Wissen direkt anwenden – zunächst hauptsächlich in den Ferien, inzwischen regelmäßig neben ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre.
Eigentlich möchte Hawler Grundschullehramt studieren. Die fehlende allgemeine Hochschulreife steht diesem Plan aber bislang im Weg. Doch wer sie mit den Kindern erlebt, spürt schnell: Pädagogisches Gespür lässt sich nicht allein an Abschlüssen messen. Hawler begegnet den Kindern auf Augenhöhe, ruhig, zugewandt und mit einer Selbstverständlichkeit, die auch bei den Kleinsten Vertrauen schafft.
„Weil sie so jung ist, zieht sie die Kinder besonders an“, sagt Elke Rossenow-Schneider über Hawler, die selbst langjährige Freiwillige in der Kinderbetreuung ist. „Sie übernimmt eine ganz andere Rolle als wir Älteren – allein durch ihr Alter.“ Hawler sei für viele Kinder gleichzeitig Bezugsperson, große Schwester und Vorbild.
Basteln, Bewegung und Natur
Für Hawler ist die Kinderbetreuung, wie sie sagt, nicht nur ein Ehrenamt, sondern auch ein persönlicher Ausgleich: „Nach der Uni kann ich hier abschalten und runterkommen.“
Am liebsten bastelt und malt Hawler mit den Kindern. Dabei greift sie oft auf Ideen zurück, die sie aus der Schule kennt. Im Herbst entstehen kleine Igel aus Papier und gesammelten Blättern. Im Frühling werden Tulpen und Blumen gemalt oder gebastelt. Der Bezug zur Natur ist ihr wichtig. „Die Kinder sollen sehen, was es draußen alles gibt – auch wenn sie viel Zeit in der Unterkunft verbringen“, erklärt sie.
Neben dem Basteln liebt die 22-Jährige Bewegung: Spiele in der Turnhalle, kleine Wettbewerbe, gemeinsames Lachen. Gerade im Sommer nutzt die Freiwillige auch den großen Hinterhof der Unterkunft. Für viele Kinder ist das oft die einzige Möglichkeit, sich frei zu bewegen, zu rennen, zu toben – und einfach Kind zu sein.
Die Kinder selbst kommen mit unterschiedlichen Geschichten, Sprachen und Bedürfnissen. Manche sind laut und voller Energie, andere vorsichtig und zurückhaltend. Hawler nimmt sich Zeit für alle, hört zu, erklärt, motiviert, tröstet. Und manchmal reicht schon ein gemeinsames Bild, um ein Lächeln hervorzurufen.
Autor: Mario Landauer
Info: Die Kinderbetreuung in der GU Karolinenstraße ist eingebettet in ein Netzwerk aus haupt- und ehrenamtlichen Kräften. Die Einrichtung wird von der Regierung von Mittelfranken betrieben, sozial begleitet von Mitarbeitenden der Caritas. In diesem Rahmen schaffen die Ehrenamtlichen einen zusätzlichen Raum, der den Alltag der Familien spürbar bereichert. Für viele Eltern bedeutet die Kinderbetreuung eine kurze Entlastung. Für die Kinder ist sie ein Stück Normalität.