Willkommenskultur in Fürth

Innerhalb der interkulturellen Veranstaltungswoche „Fürth ist bunt“ lud das Freiwilligen Zentrum Fürth zur Podiumsdiskussion zum Thema: „Welche Willkommenskultur braucht Fürth?“ in den Kulturort Badstraße.

 

Auf dem Podium saßen neben dem Moderator Norbert Boehnki, Hanne Rügheimer, Leiterin der AWO-Kulturbrücke, Silvia Klein, Leiterin der Koordinationsstelle Integration der Stadt Erlangen, Anke Kruse, städtische Integrationsbeauftragte, Antonios Kerlidis, Vorsitzender des Integrationsbeirats und Felix Trejo, Leiter des FZF-Projektes „Willkommen in Fürth“ und Veranstalter des Abends.



Gekommen waren rund 40 Fürther, mit und ohne Migrationshintergrund, die sich auch einbrachten und die Möglichkeit nutzten, ihre Fragen von Fachleuten beantwortet zu bekommen.

Das Thema Willkommenskultur sollte mit Blick auf die Fürther Situation beleuchtet werden. Die Frage „ob sich in den letzten drei Jahren in Sachen ‚Willkommenskultur‘ etwas verändert hat“, beantworteten die Teilnehmer positiv.
Felix Trejo sieht beim Thema Integration eine Weiterentwicklung. Während früher die Integrationsleistung von den Zuwanderern verlangt wurde, muss verstärkt auch die Aufnahmegesellschaft aktiv werden. Die in der letzten Zeit von vielen Menschen gelebte Willkommenskultur ist hier ein starker Impuls.

Auch wenn neue Aufgaben auf die Aufnahmegesellschaft zukommen, für Anke Kruse ist Fürth mit einem sehr gut funktionierende Netzwerk Migration gut aufgestellt. Dies bestätigte auch Hanne Rügheimer: Ohne enge Vernetzung mit anderen Ämtern und kommunalen Trägern wäre die Arbeit nicht zu bewältigen. Und wie sie weiter ausführt „je länger es dauert, bis ein Zuwanderer oder Flüchtling eine Arbeit findet, Deutsch lernen kann, eine Wohnung findet, also ein normales Leben führen kann, um so schwieriger und teurer wird es später“. Somit zielen die Bemühungen auf eine zeitnahe Integration.
 
Dass es dabei nicht nur um Flüchtlinge geht, sondern um Zuwanderer allgemein, war ein Diskussionspunkt, der von Silvia Klein ausgeführt wurde. Die Stadt Erlangen setzte ihren Focus bewusst auf die Lebenssituation aller zugewanderten Menschen. Alle Beteiligten des öffentlichen Lebens wurden bei der Bedarfsentwicklung eines Willkommenskonzepts mit einbezogen. Und durch laufende Schulungen wird eine interkulturelle Öffnung der Stadtverwaltung ermöglicht. Wichtig dabei war ein klarer politischer Auftrag der Stadtspitze.

Wie Hanne Rügheimer aus ihrer Beratungsstelle berichtet, hat Fürth im Gegensatz zu Erlangen einen großen Anteil an bildungsfernen Migranten. Auch wenn beide Städte nicht vergleichbar sind, ist der Erlanger Weg ein interessantes Beispiel. Vor allem wenn es um ein städtisches Integrations-Leitbild geht, das von den meisten Podiumsteilnehmern in Fürth vermisst wird.

Im Hinblick auf das vieldiskutierte Einwanderungsgesetz wünschten sich Hanne Rügheimer wie auch Anke Kruse, Integrationsbeauftragte der Stadt Fürth, von der Politik vorgegebene Strukturen mit welchen die Verwaltungen arbeiten können. Laut Anke Kruse beträgt der Ausländeranteil in Fürth 16,9 %, bei einer Gesamtbevölkerung von 124.608 entspricht das 21.063 Menschen.
Und für diese wünscht sich Antonios Kerlidis ganz konkret Arbeitgeber, die Jobs anbieten, Vermieter, die auch an Menschen ohne deutschen Pass eine Wohnung vergeben und dass wir alle im täglichen Leben einfach aufeinander zugehen und voneinander lernen.

Beeindruckt waren alle von den Menschen, die tagtäglich mit Zuwanderern und Flüchtlingen zu tun haben, mit ihren Hoffnungen, Sorgen und Ängsten, die den Begriff ‚Willkommenskultur‘ täglich mit Leben füllen. Der Beitrag eines jungen Mannes aus dem Publikum brachte es auf den Punkt: „Zum Erhalt der Demokratie müssen wir uns um die Schwächsten kümmern“.

Nach der Diskussion konnten die Besucher bei Live-Musik und einem interkulturellem Büffet den interessanten Abend ausklingen lassen.

Aktualisiert am 29.06.2016 - Startseite           ▲ nach oben