Kindbezogen fördern und finanzieren

Fördern bedeutet mehr als finanzieren. Die kindbezogene Förderung von Kindertagesstätten regt einerseits dazu an, Qualität zu optimieren und sich am Bedarf von Familien zu orientieren, andererseits wirtschaftlich zu handeln. Das Kind steht dabei sowohl pädagogisch als auch ökonomisch im Mittelpunkt. Mindeststandards der Qualitätssicherung zielen darauf ab, die Perspektiven der Kinder, der Eltern, des Teams und des Trägers miteinander in Einklang zu bringen, ohne direkt zu regulieren.

 

Qualität und Wirtschaftlichkeit als Balanceprozess

Fördermodelle definieren einen Fördergegenstand und legen den Modus seiner Finanzierung fest. Auf diese Weise gestalten sie das Zusammenspiel von Inhalt, Fachlichkeit und Qualität einerseits sowie von Finanzen und Ökonomie andererseits.

Die herkömmliche Personalkostenförderung für Kindertageseinrichtungen regelt zum einen, wie diese auszusehen haben, zum anderen die Erstattung der für die Vorhaltung dieses Angebotes entstehenden Kosten. Dabei gilt das generelle Gebot der wirtschaftlichen Ressourcenverwendung sowie eine Abgrenzung förderfähiger von nicht-förderfähigen Kosten. Ein echter Anreiz, sich wirtschaftlich zu verhalten, besteht nicht, ebensowenig wie der Anreiz, Qualität zu optimieren. Ökonomisch gesehen fahren diejenigen am besten, die im Rahmen eines "Dienstes nach Vorschrift" ihre Qualität knapp am Mindeststandard halten und gleichzeitig versuchen, die Kostenerstattung zu maximieren. Es ist dem Idealismus von Trägern und pädagogischem Personal zu verdanken, dass viele Kindertageseinrichtungen trotz dieses negativen Anreizes wirtschaftlich und/oder qualitätsbewusst handeln.

Mit der kindbezogenen Förderung wird ein neuer Weg beschritten. Es wird nicht mehr festgelegt, wie das Angebot auszusehen hat, sondern die Leistung definiert - Bildung, Erziehung und Betreuung eines Kindes. Für die Erbringung dieser Leistung werden keine Kosten erstattet, sondern kind- und betreuungszeitbezogene Pauschalen bezahlt. Gleichzeitig werden Mindeststandards der Qualitätssicherung festgelegt.

Die Förderbedingungen werden so ausgerichtet, dass sowohl der Anreiz besteht

Qualität und Wirtschaftlichkeit können in einen Zielkonflikt geraten und sind in ihrer Priorität immer wieder neu auszubalancieren. Die Qualität der Einrichtung sichert die Erfüllung ihres Auftrages - die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern. Die Wirtschaftlichkeit sichert ihre materielle Existenz.

Die Bedingungen der kindbezogenen Förderung sind so abgestimmt, dass Einrichtungen am besten fahren, wenn sie

Kindbezogene Förderung setzt auf Eigenverantwortung und Kreativität der Kindertageseinrichtungen und ihrer Träger. Wer ausschließlich "Dienst nach Vorschrift" praktiziert, wird sich im Rahmen der kindbezogenen Förderung auf Dauer kaum behaupten. Wer Qualität optimiert und Wirtschaftlichkeit nicht außer Acht lässt, profitiert in jeder Hinsicht.

Das Kind im Mittelpunkt

Das im Rahmen dieses Projektes entwickelte und erprobte Fördermodell stellt das Kind pädagogisch und ökonomisch in den Mittelpunkt: Finanziert wird nicht mehr pro Gruppe, sondern pro Kind und in der Höhe abhängig von der Zeit, die es in der Kindertageseinrichtung verbringt. Die Finanzierung erfolgt als Leistungspauschale, d. h. in der Höhe unabhängig davon, welche Kosten für die Einrichtung bei der Erbringung entstehen.

Zur Förderung von integrativen Einrichtungen, die behinderte Kinder aufnehmen, sowie von Einrichtungen, die sich besonders um die Integration von Kindern aus nicht-deutschsprachigen Familien bemühen, gibt es kindbezogene Gewichtungsfaktoren. Diese Einrichtungen sollen - wie schon in der herkömmlichen Kindergartenfinanzierung - ihren besonderen Integrationsaufgaben nachkommen können. Weitere Gewichtungsfaktoren gibt es für unter 3-Jährige sowie für Schulkinder (bisher nur in Horten).

Mindeststandards der Qualitätssicherung

Kindbezogene Förderung ist bei weitem nicht nur ein Finanzierungsmodell. Damit Anreize gesetzt werden, Qualität zu optimieren, werden Mindeststandards der Qualitätssicherung verbindlich eingeführt. Diese sollen dazu anregen, die Perspektiven aller Beteiligten - Kinder, Eltern, Personal - zu berücksichtigen. Das pädagogische Team, Eltern und Träger werden durch diese Mindeststandards der Qualitätssicherung gehalten, gemeinsam die Kindertageseinrichtung zu gestalten und weiterzuentwickeln.

Dieses Konzept der mittelbaren (weil nicht direkt regulierenden) Qualitätssteuerung stellt das Herzstück der kindbezogenen Förderung dar und schlägt die Brücke zum Bildungs- und Erziehungsplan.

Aktualisiert am 21.05.2004 - Startseite           ▲ nach oben