Pädagogik und Kita-Förderung

Die Qualität der Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern stand bei der Suche nach einem neuen Fördermodell von Anfang an im Mittelpunkt. Die ersten Überlegungen basierten auf den in der 4. DVBayKiG formulierten Erziehungs- und Bildungszielen und dem Stand der Fachdiskussion zur Qualität von Kitas. Im späteren Projektverlauf wurde über das Konzept der mittelbaren Qualitätssteuerung eine Brücke zum neu entwickelten Bildungs- und Erziehungsplan geschlagen. Kindbezogene Förderung und Bildungs-/Erziehungsplan bilden seither zwei Eckpfeiler einer umfassenden Reform des Kindertagesstättenwesens in Bayern.

 

1973/1979 wurden in der 4. DVBayKiG (Durchführungsverordnung zum Bayerischen Kindergartengesetz) Erziehungs- und Bildungsziele formuliert, 1997 präzisiert durch Empfehlungen zur Umsetzung. Diese von einem breiten Konsens der bayerischen Fachöffentlichkeit getragenen Ziele waren Grundlage der Entwicklung des neuen, kindbezogenen Fördermodells.

Mit der Pflicht zur Veröffentlichung der Einrichtungskonzeption sowie der Darstellung der Aktivitäten im Hinblick auf die verschiedenen Bildungsziele im Rahmen der kindbezogenen Förderung wurde erstmals ein Instrument eingeführt, das die Relevanz dieser Ziele im Kita-Alltag über die bloße konzeptionelle Absichtserklärung hinaus erfragt.

Kindbezogene Förderung und Bildungs-/Erziehungsplan

Die Grundideen der kindbezogenen Förderung wurden in den Jahren 1999/2000 in enger Kooperation zwischen dem ISKA und dem IFP (Staatsinstitut für Frühpädagogik, München) entwickelt. Die Erprobung ab dem Jahr 2002 stand dann zeitlich im Kontext der Entwicklung des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplanes durch das IFP. Kindbezogene Förderung und Bildungs-/Erziehungsplan beruhen auf den gleichen Grundprinzipien und ergänzen sich hervorragend. Beide stellen das Kind und seine Förderung in den Mittelpunkt. Der Bildungs- und Erziehungsplan leitet Prinzipien für die pädagogische Praxis von Kindertageseinrichtungen aus den zu vermittelnden Kompetenzen ab. Das kindbezogene Fördermodell sichert den flexiblen und ganz am Kind orientierten Ressourceneinsatz. Die Mindeststandards der Qualitätssicherung können im Zuge der weiteren Ausarbeitung des Bildungs- und Erziehungsplanes weiterentwickelt und ergänzt werden.

Mittelbare Qualitätssicherung als Brücke

Das Konzept der mittelbaren Qualitätssicherung schlägt die Brücke zwischen der kindbezogenen Förderung und dem Bildungs- und Erziehungsplan. Es basiert

Menschenbild und Grundprinzipien

"Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan versteht Erziehung und Bildung als ein auf Dialog ausgerichtetes Geschehen zwischen gleichwertigen Personen. Er ist vor dem Hintergrund eines Menschenbildes entworfen, das das Kind als ein Wesen ansieht, das auf Selbstbestimmung und Selbsttätigkeit hin angelegt ist ... Der Bezugspunkt erzieherischen Denkens und Handelns ist daher das Kind als vollwertige Persönlichkeit ..." (BEP S. 21)

Damit Kindertageseinrichtungen dieses Menschenbild im Umgang mit Kindern leben und realisieren können, ist den dort tätigen Mitarbeiter/innen seitens der beauftragenden und finanzierenden Institutionen mit einer komplementären Grundhaltung zu begegnen. Ganz in diesem Sinne geht die kindbezogene Förderung davon aus, dass Leiterinnen, Fach- und Hilfskräfte ebenso wie Trägervertreter/innen ihre Einrichtung selbsttätig und selbstverantwortlich gestalten. Sie schreibt wenig vor und konzentriert sich darauf, möglichst viel zu ermöglichen und anzuregen. Damit unterscheidet sie sich vom defizitären Menschenbild herkömmlicher Förderkonzeptionen, die implizit davon ausgehen, dass erst Vorschriften die Akteure in den Kindertageseinrichtungen in Bewegung setzen.

Auch die im Bildungs- und Erziehungsplan formulierten Bildungsprinzipien des lebenslangen Lernens (S. 22), der ganzheitlichen Förderung (S. 23), des Strebens nach Autonomie und Mitverantwortung (ebd.) und der Förderung von Basiskompetenzen und Ressourcen (ebd.) lassen sich für den Umgang mit Kindertageseinrichtungen formulieren.

Konzeptionsentwicklung

"Jede Tageseinrichtung hat die Aufgabe, den Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan auf Einrichtungsebenezu konkretisieren und dabei an die lokalen Bedingungen anzupassen. In diesen Entwicklungsprozess sind der Träger, das Fachpersonal und die Eltern gleichsam einbezogen und wirken dabei als gleichberechtige Bildungs- und Erziehungspartner zusammen ... An dessen Ende steht die Einrichtungskonzeption, die sodann für alle transparent gemacht und verbindlich umgesetzt wird." (BEP S. 19f., im Original Hervorhebungen)

Im Rahmen der Erprobung der kindbezogenen Förderung erfolgten Erarbeitung und Veröffentlichung der Konzeption sowie von Hinweisen zu ihrer Umsetzung im Rahmen einer systematisch organisierten Internetpublikation.

Bildungs- und Erziehungspartnerschaft

Kindertageseinrichtungen sind verpflichtet, mit Eltern zusammenzuarbeiten und diese an Entscheidungen in wesentlichen Angelegenheiten zu beteiligen (§ 22 Abs. 3 SGB VIII, BEP S. 279). Als ein wesentliches Instrument dieser Bildungs- und Erziehungspartnerschaft (BEP S. 278ff.) konzipiert die kindbezogene Förderung die regelmäßige Elternbefragung als Mindeststandard der Qualitätssicherung. Diese Befragung liefert eine systematische Informationsgrundlage für die Kommunikation zwischen Eltern, pädagogischem Team und Träger.

Partizipation

"Kinder haben ein Recht, an allen sie betreffenden Entscheidungen entsprechend ihrem Entwicklungsstand beteiligt zu werden ... Beteiligung heißt, Kinder als Betroffene in Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen und ihnen ernsthaft Einflussnahme zuzugestehen" (BEP S. 86, im Original Hervorhebungen)

Die in der kindbezogenen Förderung als Qualitätssicherungsstandard erprobte Kinderbefragung ist eine konkrete Ausgestaltung dieses Prinzips.

Literatur

";BEP": Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen & Staatsinstitut für Frühpädagogik, München (2003): Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung. Entwurf für die Erprobung. Weinheim u.a. (Beltz).

Aktualisiert am 21.05.2004 - Startseite           ▲ nach oben