Benchmarking: Der Vergleich mit dem Durchschnitt

Der Vergleich der Befragungsergebnisse einer Einrichtung mit Durchschnittswerten gibt interessante Aufschlüsse über deren Stärken, Schwächen und Besonderheiten. Seine flächendeckende Realisierung wäre nicht einfach, aber durchaus denkbar.

 

Funktionen der Elternbefragung

Eine Elternbefragung kann unterschiedliche Funktionen haben:

Der Vergleich einer Einrichtung mit dem Durchschnitt

Es kann für Einrichtungen hoch interessant sein, zu erfahren, wie ihre Ergebnisse in Relation zum Durchschnitt stehen. Ein Beispiel soll dies illustrieren.

Die gelegentlich als banal belächelte Frage "Geht Ihr Kind gerne in unsere Einrichtung?" hat in der folgenden Einrichtung auf den ersten Blick ein eher unauffälliges oder womöglich positives Ergebnis. (Die Werte wurden geringfügig geändert, um die Diskretion gegenüber der echten Einrichtung zu wahren.)

Frage: Wie gerne geht Ihr Kind in unsere Einrichtung? - Antworten aus Einrichtung X

Setzt man die Werte dieser Einrichtung jedoch in Relation zum Durchschnitt, wird eine ganz erhebliche Diskrepanz sichtbar:

Frage: Wie gerne geht Ihr Kind in unsere Einrichtung?

Einführung von Benchmarking an den Modellregionen

Vergleiche zwischen den Einrichtungen wurden zunächst nur ISKA-intern angestellt, ohne sie an die Betroffenen rückzukoppeln. Mitte 2002 vereinbarten wir mit den Einrichtungsleitungen in Bayreuth und im Landkreis Landsberg, solche Vergleiche systematisch zu organisieren. Allen Leiterinnen und Trägern wurde daraufhin eine Tabelle zugestellt, in der die eigenen Befragungsergebnisse den Durchschnittswerten der Modellregionen direkt gegenübergestellt waren. Im Jahr 2003 wurde dies wiederholt.

Nicht beschämender Umgang mit Vergleichsergebnissen

Klar war in diesem Zusammenhang, dass es eine entspannte Umgangskultur mit diesen Vergleichswerten braucht. Es kann nicht darum gehen, Einrichtungen mit schlechteren Werten an den Pranger zu stellen und zu vorschnellen Rechtfertigungen zu drängen. Auch im Binnenverhältnis muss eine konstruktive Atmosphäre herrschen. Einrichtungen und Träger müssen für den Fall unterdurchschnittlicher Ergebnisse die Möglichkeit haben, in einer freien Atmosphäre darüber nachzudenken, wie eventuelle Defizite bearbeitet werden können.

Der systematische Leistungsvergleich nach dem Grundsatz die Einzelnen nicht zu beschämen, ist Grundlage des finnischen Schulsystems - sowohl im Umgang von Lehrern mit Schülern als auch von Schulbehörden mit Schuldirektoren und -kollegien.

Wir haben den Umgang mit den Ergebnissen der Elternbefragung nach eben diesem Prinzip organisiert: Jede Einrichtung sollte erfahren, wie sie im Vergleich steht - auf eine nicht beschämende, diskrete Art und Weise. Die Ergebnisse des Vergleichs wurden jedoch nicht öffentlich gemacht. Dieses Vorgehen brachte eine neue Qualität im Umgang mit Elternbefragungen an den Modellregionen und einen interessantenAusbau dieses Instruments der Qualitätssicherung.

Flächendeckendes Benchmarking?

Es ist logistisch nicht einfach, diesen Benchmarking-Vergleich flächendeckend zu institutionalisieren. Denkbar wäre eine Meta-Analyse alle 3-5 Jahre, bei der von einer zentralen Instanz der Datenerfassung die Befragungsergebnisse aller Kindertageseinrichtungen summarisch ausgewertet werden. Die Einrichtungen hätten die Möglichkeit, diese Werte selbst zum Vergleich ihrer eigenen Befragungsergebnisse für die nächsten Jahre heranzuziehen.

Als erster Anhaltspunkt kann auch die hier veröffentlichte Ergebnistabelle der Elternbefragung 2003 der Modellstandorte dienen.

Aktualisiert am 17.06.2004 - Startseite           ▲ nach oben