Gewichtungsfaktor für Kinder von Eltern nicht deutschsprachiger Herkunft

Der Faktor für Kinder von Eltern nicht deutschsprachiger Herkunft in Höhe von 1,3 hat sich sehr bewährt. Modelleinrichtungen, die davon profitieren, schätzen die unkomplizierte Handhabung und sehen ihn als unverzichtbaren Bestandteil der kindbezogenen Förderung. Der Faktor gerät Einrichtungen ohne Kinder aus nicht deutschsprachigen Familien nicht zum Nachteil.

 

Sprachfaktor

Der Faktor für Kinder von Eltern nicht-deutschsprachiger Herkunft überführt die Praxis, bei hohem Ausländeranteil im Rahmen des § 5.3 der 3. DV zum BayKiG zeit- und teilweise eine Zusatzkraft zu fördern, regelhaft in die kindbezogene Finanzierung.

Im Modellversuch wurde er auf 1,3 festgesetzt. Damit soll der in Einrichtungen mit besonderen Integrationsaufgaben anfallende erhöhte Integrationsaufwand kompensiert werden und die Möglichkeit geschaffen, kulturell integrativ und unter erschwerten Bedingungen sprachfördernd zu arbeiten. Mit dem Faktor wird keine einzelfallbezogene Hilfe für Kinder aus Familien mit einer anderen Muttersprache angestrebt, vielmehr wirkt er in der Summe gleichermaßen für alle Kinder der betroffenen Kindertageseinrichtung - unabhängig von ihrer familiären bzw. sprachlichen Herkunft.

Während der Modellerprobung wurde schnell klar, dass die Staatsangehörigkeit des Kindes kein sinnvolles Kriterium sein kann. Der Faktor ist dann anzusetzen, wenn beide bzw. das allein erziehende Elternteil/e nicht deutsch-sprachiger Herkunft sind. Die Staatsangehörigkeit spielt dabei keine Rolle.

Sprachfaktor bewährt sich

Dieser Sprachfaktor hat sich im Modellversuch in besonderer Weise bewährt. Er ist offensichtlich auch in der Höhe angemessen.

Dass Einrichtungen die mit dem Faktor verbundenen finanziellen Mittel zweckfremd verwenden, ist im Modellversuch nicht zu erkennen.

Kein Rückschritt zur Kostenerstattung oder zur Projektförderung

Im Modellverlauf wurde zur Diskussion gestellt, ob eine Sprachprojektförderung sachdienlicher sein kann. Eine derartige Projektförderung anstelle eines kindbezogenen Faktors wäre ein Rückschritt im Hinblick auf Verwaltungsaufwand und vor allem im Hinblick auf die Gestaltungsfreiheit der Einrichtungen.

Der Gewichtungsfaktor für Kinder von Eltern nicht-deutschsprachiger Herkunft ist ein hervorragendes, einfach zu handhabendes und effizientes Instrument der Sprach- und Integrationsförderung. Er hat sich bewährt und es gibt keinen sachlichen Grund, davon wieder abzurücken. Dem manchmal in oberflächlichen Diskussionen geäußerten Eindruck, dass dieser Faktor Ausländerkindern mehr "Wert" beimesse als deutschen, kann einfach entgegengewirkt werden: Es handelt sich schließlich nicht um Finanzen, die an oder für bestimmte Kinder oder Familien fließen, sondern um Fördergelder, mit denen gerade die Einrichtungen, die sich unbestrittenen Integrations- und Sprachförderungsaufgaben stellen, angemessen ausgestattet werden. Davon profitieren alle Kinder dieser Einrichtungen - gleich welcher Herkunft.

Besondere Anforderungen an Einrichtungen, die diesen Gewichtungsfaktor in Ansatz bringen?

Weiterhin wurde im Verlauf des Modellprojektes mehrmals diskutiert, ob es Sinn macht, Einrichtungen, die diesen Gewichtungsfaktor in Ansatz bringen mit besonderen Verpflichtungen zu belegen. So wurde die Vorlage einer besonderen Teilkonzeption für interkulturelle Arbeit als Fördervoraussetzung ins Spiel gebracht. Wir raten davon ab, da damit ein wesentlicher Vorzug des Faktors - seine unkomplizierte und regelhafte Anwendung - wieder zunichte gemacht würde.

Denkbar und mit den Grundprinzipien der kindbezogenen Förderung kompatibel wäre eine Berücksichtigung in der Form eines einrichtungsbezogenen Anstellungsschlüssels. In diesem Fall könnte die Aufsichtsbehörde, abgestuft nach dem Prozentanteil von Kindern aus nicht-deutschsprachigen Familien, besondere Normanstellungsschlüssels festlegen. Auch diese Lösung wäre nicht frei von bürokratischem Zusatzaufwand. Dieser hält sich allerdings in Grenzen. Es wäre dabei von großem Vorteil, wenn die Festsetzungskriterien transparent wären und einheitlich gehandhabt werden.

Ob diese Regelung über einrichtungsbezogene Normanstellungsschlüssel jedoch wesentliche Vorteile bringt, sei dahin gestellt.

Aktualisiert am 26.05.2004 - Startseite           ▲ nach oben