Einrichtungsbezogene Faktoren?

Mehrere Diskussionslinien führten im Jahr 2003 zu der Prüfung, ob die kindbezogene Förderung nicht um einrichtungsbezogene Multiplikationsfaktoren erweitert werden sollte. Merkmale der Einrichtung (Einrichtungstyp, besondere Angebotsformen, Unterschiede in den Schließtagen, Besonderheiten der Kostenstruktur etc.) könnten als Multiplikationsfaktor Eingang in die Förderung finden. Durch Multiplikation mit dem kindbezogenen Budget bliebe die grundsätzliche Förderlogik trotz des Bezugs auf Angebotsmerkmale erhalten.

 

Öffnungszeitfaktor als Steuerungsinstrument für mehr Ganztagsangebote

Ein ernsthaftes Argument für einen einrichtungsbezogenen Faktor wurde mit der Beobachtung an den Modellstandorten begründet, dass Einrichtungen mit langen Öffnungszeiten nicht in allen Fällen auch lange Betreuungszeiten der Kinder haben, sondern sich kürzere Betreuungszeiten sehr ungünstig über den Tag verteilen können. Dieser Fall ist auch bei intelligent verteiltem Personaleinsatz logistisch schwerer zu bewältigen als die Häufung gleich langer Betreuungszeiten in einem begrenzten Öffnungszeitraum. Die hier zu treffende Entscheidung ist politischer Natur: Möchte man die Zahl der Einrichtungen mit längeren Öffnungszeiten erhöhen, so könnte dies mit dem Instrument eines einrichtungsbezogenen Öffnungszeitfaktors sehr gezielt geschehen. Ein solcher Faktor sollte unseres Erachtens aber nicht kostenneutral als Umschichtung zu Lasten der Einrichtung mit kürzeren Öffnungszeiten konzipiert werden.

Schließzeitfaktor wünschenswert, aber nicht kostenneutral umzusetzen

Ein einrichtungsbezogener Faktor wäre auch die Methode der Wahl, um Unterschiede in den Schließtagen zu berücksichtigen. Im Moment spielt es weder bei der herkömmlichen Personalkostenerstattung noch bei der kindbezogenen Förderung finanziell eine Rolle, ob Einrichtungen das ganze Jahr durchgehend geöffnet haben oder ob sie die möglichen 30 Tage Schließzeit in Anspruch nehmen. Es macht allerdings finanziell und organisatorisch sehr wohl einen Unterschied, ob eine Einrichtung 30 Tage geschlossen wird oder nicht. Da jedoch die Personalkostenerstattung auf 30 Tage Schließzeit kalkuliert und ausgerichtet ist, wäre die Einführung einer höheren Förderung für Einrichtungen mit weniger oder gar keiner Schließzeit nicht kostenneutral. Die Reduzierung der Schließtage ist wünschenswert, sie wäre mit einem einrichtungsbezogenen Multiplikationsfaktor leicht und systemkongruent in die kindbezogene Förderung einzubauen, aber sie kann nicht kostenneutral umgesetzt werden.

Einrichtungsbezogene Faktoren - Fass ohne Boden?

Es wären sehr viele andere Angebots- und Einrichtungsmerkmale denkbar, die ein einrichtungsbezogener Faktor berücksichtigen und honorieren könnte. Das zeigten dann auch schnell die Diskussionen um die Möglichkeit einrichtungsbezogener Faktoren an den Modellstandorten und in der Landesmodellkommission. Es besteht die Gefahr, dass mit einer eventuellen Einführung einrichtungsbezogener Faktoren alle verwaltungsaufwändigen Überdifferenzierungen der herkömmlichen Fördersysteme in einer neuen Variante wieder auferstehen und die Klarheit der kindbezogenen Förderung verloren geht.

Aktualisiert am 26.05.2004 - Startseite           ▲ nach oben