Kindbezogene Finanzierung: Zusammenfassende Bewertung

Die kindbezogene Finanzierung als Teil des umfassenderen Konzeptes der kindbezogenen Förderung erwies sich im Modellversuch als absolut praktikabel. Viele Probleme konnten befriedigend gelöst werden. Mit anderen stieß man an die Grenzen der Kostenneutralität. Eine bessere Alternative ist - auch fünf Jahre nach Projektbeginn - nicht in Sicht.

 

Die kindbezogene Finanzierung weicht grundsätzlich von der herkömmlichen Struktur der Bezuschussung ab. Eigeninitiative und unternehmerisches Handeln werden angeregt, nicht "Dienst nach Vorschrift". Der Handlungsspielraum der Einrichtungen und ihrer Träger wird größer, die Planungssicherheit zwar etwas geringer, aber doch gut kalkulierbar. Letzteres war eine wichtige Erfahrung der Modelleinrichtungen, die schon im ersten Jahr der Erprobung erlebten, dass es angesichts der Unterschiede in der Auslastung zwar einmalig zu finanziellen Umschichtungen kommt, sich aber im weiteren Verlauf die Buchungsverhältnisse nicht sprunghaft ändern.

Die Logik des Modells ist einfach und klar. Wo viele Kinder längere Zeit betreut werden, fließt auch mehr Förderung. Sondersituationen wie die eingruppige Einrichtung in isolierter ländlicher Lage oder das Ausfallsrisiko für Krankheitsfälle müssen berücksichtigt werden. Hierfür wurden verschiedene Lösungsansätze erarbeitet.

Die Akzeptanz des Modells ist selbst bei den Trägern, deren Einrichtungen finanziell nicht von der Einführung der kindbezogenen Förderung profitieren, erstaunlich gut. Dass es Kontroversen und Gegenstimmen gibt, ist angesichts der Tatsache, dass hier finanzielle Ressourcen umverteilt werden, unumgänglich.

Die Basiswertberechnung erwies sich als im Detail komplizierter als anfangs gedacht. Sie führt jedoch zu praktikablen Ergebnissen. Bezüglich der Zeitfaktoren sind die Förderober- und -untergrenzen zu überdenken. Der Sprachfaktor für Kinder von Eltern nicht deutschsprachiger Herkunft bewährte sich und stellt ein unverzichtbares Element der kindbezogenen Förderung dar. Gleiches gilt für den Faktor für unter Dreijährige. Die großen regionalen Diskrepanzen bei der Förderung von behinderten Kindern waren auch im Rahmen des Modellprojektes nicht zu überbrücken. Der Faktor 4,5 kann einem Faktor "4,5 + X" weichen, der leider einige Ungereimtheiten des alten Systems ins neue überträgt. Dieses Problem wäre - wie viele andere - gut lösbar, wenn die kindbezogene Förderung nicht unter den Vorzeichebn der Kostenneutralität eingeführt würde.

Keine echte Alternative in Sicht

Auch fünf Jahre nach Projektbeginn und trotz breiter öffentlicher Diskussion wurde trotz aller Kritik keine einzige echte Alternative zur kindbezogenen Förderung als Verteilungsmodell ins Spiel gebracht. Ein als "Alternative" betiteltes, von einer Initiativgruppe erarbeitetes Konzept bezieht sich weniger auf die Verteilungsmodalitäten als vielmehr auf die pädagogische Begründung eines höheren Finanzvolumens.

Aktualisiert am 26.05.2004 - Startseite           ▲ nach oben