Fördergerechtigkeit

Im Rahmen des Modellprojektes wurde erstmals dokumentiert, in welchem Ausmaß sich die Auslastung von Einrichtungen unterscheidet, die im Rahmen der Personalkostenerstattung die gleiche finanzielle Förderung erhalten. Dieser Ungerechtigkeit wird seitens der kindbezogenen Förderung gegengesteuert. Da das Finanzvolumen gleich bleibt, ergeben sich Umschichtungen und entsprechend brisante Diskussionen.

 

Ungerechtigkeiten der herkömmlichen Personalkostenförderung

Zu den Zielen der Entwicklung eines neuen Fördermodells für die bayerischen Kindertageseinrichtungen gehört die Fördergerechtigkeit. Mit den zu Beginn des Modellprojektes durchgeführten Erhebungen zur Auslastung der Einrichtungen wurde erstmals dokumentiert, in welchem Ausmaß sich Einrichtungen unterscheiden können, die nach der alten Personalkostenerstattung die gleiche finanzielle Förderung erhalten. Sind bei den einen die Zahl der Kinder und deren Betreuungszeit minimiert, so müssen andere an der Obergrenze von Gruppenstärke und Betreuungszeit mit der gleichen Personalausstattung auskommen.

Im Rahmen der herkömmlichen Personalkostenerstattung sind enorme Ungerechtigkeiten entstanden:

Schichtspezifische Ungleichheiten im städtischen Bereich

Im städtischen Bereich (nicht im ländlichen) sind offensichtlich die Bildungs- und Erziehungsvoraussetzungen bei Einrichtungen in sozial eher belasteten Stadtteilen systematisch ungünstiger - eine Beobachtung, die im Kontext der viel diskutierten PISA- und der jüngsten Iglu-Ergebnisse von höchster Brisanz ist.

Die Spanne der Anstellungsschlüssel lag zu Beginn des Modellprojektes zwischen 1:3,7 und 1:13,1 bei einem Durchschnitt von 1:10.

Enorme Auslastungsunterschiede - gleiche Personalkostenförderung

Das folgende Beispiel aus der Anfangszeit des Modellprojektes verdeutlichen den Unterschied der Einstellungsschlüssel 1:7,3 und 1:13,0. Während die Einrichtung mit einem Anstellungsschlüssel von 1:7,3 kein einziges Kind länger als 6 Stunden betreut, beginnt der Arbeitsschwerpunkt der Einrichtung mit dem Schlüssel 1:13,0 bei 7 Stunden.

Beide Gruppen wurden nach der alten Personalkostenerstattung als Ganztagsgruppen und in fast der gleichen Höhe bezuschusst.

Die genannten Werte kommen nicht nur als vereinzelte Extremfälle vor. Die herkömmliche Personalkostenerstattung hat systematisch zu einem Drei-Klassen-System geführt.

Umverteilung durch kindbezogene Förderung

Mit der kindbezogenen Förderung ergibt sich eine Umverteilung. Wer mehr Kinder längere Zeit bildet, erzieht und betreut erhält auch mehr finanzielle Förderung. Dieser einfache und plausible Grundsatz war durch die herkömmliche Personalkostenerstattung, die nicht berücksichtigt, was vom jeweiligen Personal zu leisten ist, außer Kraft gesetzt.

Bei 62,2% der Kindergärten an den Modellstandorten veränderte sich die Förderhöhe im ersten Jahr der kindbezogenen Förderung (2002) um mehr als 5.000 Euro nach oben oder nach unten, verglichen mit der Personalkostenerstattung des Kindergartenjahres 2000/01. Unter diesen 62,2 % finden sich Einrichtungen, die ihr Angebot ausgebaut haben, aber eben auch die Umschichtungen, die nach der kindbezogenen Förderung zu erwarten sind.

Das alte Fördermodell ignoriert die unterschiedliche Auslastung der Einrichtungen. Folge hiervon sind ungerechte Förderverhältnisse - für Personal und Kinder. Die Auslastungsunterschiede kommen bei der Berechnung nach dem neuen kindbezogenen Fördermodell zum Tragen und führen zu Umschichtungen.

Umschichtungseffekte erschweren Diskussion

Die Massivität der gegenwärtigen Förderungerechtigkeit erschwert die Debatte um das neue Fördermodell erheblich, da nun ein nicht kleiner Teil der Einrichtungen mehr oder weniger offen (meist versteckt hinter pädagogischen Argumenten) Bestandsschutz fordert.

Allerdings wird man diese Diskussion nicht mehr führen können, ohne die Chancengerechtigkeit für Kinder zu berücksichtigen.

Aktualisiert am 27.05.2004 - Startseite           ▲ nach oben