Die kindbezogene Förderung von Kinderkrippen

Die kindbezogene Förderung eignet sich für Kinderkrippen genauso wie für Kindergärten. Wegen der fehlenden Vorher-/Nachher-Vergleiche ist ihre Einführung hier sogar unproblematischer. In Bayreuth war 2002/03 ein Rückgang der durchschnittlichen Betreuungszeit zu beobachten, der vermutlich auf eine Erweiterung des Platzangebotes für unter 3-Jährige zurückzuführen ist. Als Normanstellungsschlüssel können vorerst die Werte aus dem Kindergarten halbiert werden.

 

Kindbezogene Förderung tragfähig auch für Krippen

Im Jahr 2001 wurde entschieden, die ab dem Januar 2002 vorgesehene staatliche Krippenförderung bereits nach den Prinzipien der kindbezogenen Förderung zu organisieren. Damit stießen die vier Kinderkrippen in Bayreuth - zwei in kommunaler, zwei in freier Trägerschaft - ebenfalls zum Modellprojekt. Die Zahl der Einrichtungen ist zu klein als dass größere differenzielle Auswertungen möglich bzw. aussagekräftig wären. In einem gesonderten "Krippen-Arbeitskreis", der sich kontinuierlich in den Jahren 2002 und 2003 unter Beteiligung aller Krippen-Mitarbeiterinnen sowie Fachberaterinnen traf, sollten eventuelle Besonderheiten diskutiert und herausgearbeitet werden.

Die in diesem Arbeitskreis angeschnittenen Fragen und Themen waren dann allerdings nicht prinzipiell unterschiedlich zu denen der Kindergärten. Die kindbezogene Förderung erwies sich für Krippen als mindestens genauso tragfähig. Die Methoden der Qualitätssicherung waren etwas zu modifizieren. So macht natürlich die Kinderbefragung hier keinen Sinn, wohl aber die Eltern- und die Mitarbeiterinnen-Befragung. Keine Besonderheiten gab es bei den Buchungs- und Abrechnungsverfahren.

Kein Vorher- / Nachher-Vergleich

Ein großer Teil der Diskussion um die kindbezogene Förderung im Kindergarten drehte sich letzten Endes um Fragen des Vorher-/Nachher-Vergleichs. Verständlicherweise stellte jeder Kindergarten seine alte der neuen Förderhöhe gegenüber und zog daraus verallgemeinernde Schlüsse. Da die Landesförderung für Krippen neu eingeführt wurde, stellte sich diese Frage hier überhaupt nicht.

Rückgang der durchschnittlichen Betreuungszeit

Eine Besonderheit war im Hinblick auf die durchschnittliche Betreuungszeit der Kinder zu beobachten. Im Vergleich der Jahre 2002 und 2003 ging diese in den vier Bayreuther Krippen von 6,72 Stunden auf 6,22 Stunden zurück.

Vergleicht man diese Entwicklung mit der im gleichen Zeitraum eher konstanten durchschnittlichen Betreuungszeit in den Bayreuther Kindergärten, so liegt folgender Zusammenhang nahe:

In Bayreuth blieb die Zahl der von Krippen angebotenen Plätze in den Jahren 2002 und 2003 konstant. Es gab in beiden Jahren durchschnittlich 104 Kinder in den vier Einrichtungen. Allerdings nahmen in der gleichen Zeit die Kindergärten zunehmend mehr unter 3-Jährige auf. Waren es im September 2002 56 Kinder, so wurden es ein Jahr später 71.

Entwicklung der Zahl der unter 3-Jährigen in den Bayreuther Kindergärten im Verlauf der Jahre 2002 und 2003:

(Die sprunghafte Entwicklung ergibt sich durch das natürliche Herauswachsen der 2-Jährigen aus dieser Gruppe im Jahresverlauf.)

Es kann davon ausgegangen werden, dass die in Bayreuth beobachtete Entwicklung nicht untypisch für andere Städte ist.

Verbesserung des Anstellungsschlüssels

Der Rückgang der durchschnittlichen Betreuungszeit in den Bayreuther Krippen bei gleichbleibender Zahl der Kinder führte zu einer Verbesserung des Anstellungsschlüssels von 1:5,66 im Jahresdurchschnitt 2002 auf 1:5,22 im Jahresdurchschnitt 2003.

Durchschnittlicher Anstellungsschlüssel der Bayreuther Krippen im Jahresverlauf 2002 und 2003:

Die Entwicklung ist nicht ausschließlich auf den Rückgang der durchschnittlichen Betreuungszeit zurückzuführen. Im gleichen Zeitraum wurde die Zahl der Wochenstunden des Personals von 616 im Januar 2002 auf schließlich 635,25 im Dezember 2003 aufgestockt (4,8%).

Welcher Anstellungsschlüssel ist angemessen?

Ob der in den Bayreuther Krippen realisierte Anstellungsschlüssel (1:5,66 in 2002 bzw. 1:5,22 in 2003) angemessen ist, lässt sich nicht abschließend beurteilen. Auffallend war, dass gerade aus der Einrichtung mit dem besten Anstellungsschlüssel Klagen über die Arbeitsbelastung zu hören waren.

Geht man vom Gewichtungsfaktor für unter 3-Jährige in Höhe von 2,0 aus, so läge der empfohlene Anstellungsschlüssel für Krippen bei 1:5,0 und der Mindestanstellungsschlüssel bei 1:6,25 (vergleichbar mit 1:12,5 im Kindergarten) oder bei 1:5,75 (vergleichbar mit den hier empfohlenen 1:11,5 im Kindergarten). Demnach hätten die Bayreuther Krippen den empfohlenen Wert auch im Jahr 2003 noch nicht erreicht.

Es wird Erfahrungen aus einer größeren Zahl von Krippen brauchen, um die Normwerte des Anstellungsschlüssels endgültig festsetzen zu können. Da bei der neuen Krippenförderung der Anstellungsschlüssel noch nicht eingeführt wurde, sondern noch Personal-Kind- bzw. Anwesenheitsrelationen definiert werden, gibt es diesbezüglich noch keine umfangreichen Erfahrungswerte.

Perspektivisch mehr Altersmischung?

Es kann davon ausgegangen werden, dass mit der generellen Umstellung der einrichtungsbezogenen auf eine kindbezogene Förderung die Mischung von Kinderkrippen und Kindergärten neue Impulse bekommt. Für altersgemischte Einrichtungen sind besondere Entscheidungen im Hinblick auf die Normanstellungsschlüssel zu treffen. Dies kann mit Hilfe des Konzepts des einrichtungsbezogenen Anstellungsschlüssels geschehen.

Aktualisiert am 27.05.2004 - Startseite           ▲ nach oben