MQS-Bedingungen für 6000 bayerische Kindergärten ungleich härter als im "Modellversuch"

von Dr. Heidrun Kolinsky am 22. März 2001 um 21:14 Uhr
als Antwort zu: Laborversuch oder Erprobung? von Günter Krauß, ISKA am 21. März 2001 um 22:06 Uhr

Sehr geehrter Herr Krauß!

Um Laborversuch oder nicht, darum geht es nicht!
Es geht darum, ob die Bedingungen in Bayreuth und in Landsberg
realistisch genug sind, um eine Abschätzung der später bayernweit zu erwartenden Auswirkungen von MQS in den über 6000 bayerischen Kindergärten zuzulassen oder nicht.

Ich bitte zu bedenken:
Die Bedingungen für Bayreuth und Landsberg am Lech wurden an einem entscheidenden Punkt entschärft: Die Träger in den Modellregionen spüren nichts von den mit MQS verbundenen (und in 50% aller Einrichtungen zu erwartenden) Defiziten. Denn diese Defizite werden den Trägern in Bayreuth und Landsberg _jetzt noch_ erstattet.

1. Die später für die über 6000 bayerischen Kindergärten zu erwartenden Bedingungen bei einer möglichen Einführung von MQS sind _ungleich härter_ als die jetzt in Bayreuth und Landsberg erprobten!

2. Da im MQS-Modell allein die Quantität an (nach den pädagogischen Aufwand gewichteten Nutzungsstunden) und nicht die Qualität der pädagogischen Arbeit (sie wird als Kriterium für die Förderhöhe im MQS-Modell als nicht messbar abgelehnt) über die Höhe der zukünftigen Fördersumme entscheidet, ergeben sich Förderdefizite einzelner Einrichtungen allein aus einem Mangel an Nutzungsstunden.
So können pädagogisch sehr gute (und qualitativ sehr angesehene)
Einrichtungen mit dem MQS-Modell sehr schlecht wegkommen, wie die
Erfahrungen der Einstiegsgruppen für Dreijährige in Landsberg
und die Erfahrungen integrativer Gruppen mit MQS zeigen.

Liegen Defizite nach dem MQS-Modell vor, müssen diese Einrichtungen bestrebt sein, diese Defizite durch ein vermehrtes Einwerben von Nutzungsstunden (mehr Kinder, Kinder länger aufnehmen, Kinder mit höheren Gewichtungsfaktoren aufnehmen), wieder auszugleichen.
Eventuellen Defiziten mit MQS in den einzelnen Einrichtungen und
den Ausgleichsversuchen kommt deshalb später bayernweit eine besondere Bedeutung zu.
Mit MQS-Modell müssen die Einrichtungen untereinander in Wettbewerb um Kinder und damit um Nutzungsstunden treten. Gelingt es mancher Einrichtungen nicht, die Defizite auszugleichen, wird später kaum ein Weg an der Schließung der defizitären Einrichtungen vorbeigehen.

Ich halte meinen Hinweis für sehr berechtigt, dass diese später bayernweit zu erwartenden Entwicklung nur bei echten realistischen (und vor allen Dingen später bayernweit relevanten) finanziellen Bedingungen an den Modellstandorten über einen Zeitraum von einigen Jahren beobachtet werden könnten.

Es besteht eine gewisse Gefahr, dass aufgrund der _entschärften_
finanziellen Bedingungen und vor allem unter der kurzen Modelllaufzeit noch nicht die entscheidenden Auswirkungen zu beobachten sind, worunter später Kinder, Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen, Eltern und Träger in über 6000 bayerische
Kindertagesstätten zu leiden haben werden.



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