Defizit nicht gleich Defizit

von Dunkl,StMAS am 23. März 2001 um 16:39 Uhr
als Antwort zu: MQS-Bedingungen für 6000 bayerische Kindergärten ungleich härter als im "Modellversuch" von Dr. Heidrun Kolinsky am 22. März 2001 um 21:14 Uhr

Sehr geehrte Frau Dr. Kolinsky,

ich bitte Sie zur Kenntnis zu nehmen, dass es im ganzen Bundesgebiet kein Finanzierungskonzept für Tageseinrichtungen Anwendung findet, das Qualität und Zuschusshöhe miteinander verknüpft. Unabhängig von dem enormen Verwaltungsaufwand bestehen keine geeigneten Instrumentarien, pädagogische Qualität in all seinen Facetten zu messen. Im Übrigen wäre der Aufwand, den die Erzieherin zur Dokumentation betreiben müsste, nicht zu rechtfertigen.

Warum fällt es aber so schwer, die Bemühungen des StMAS anzuerkennen, wenigstens mittelbar qualitative Gesichtspunkte bei der Förderung zu berücksichtigen? MQS wäre m.E. eine erhebliche Verbesserung gegenüber der gegenwärtigen Situation, denn auch das Bay. Kindergartengesetz unterscheidet bei seiner Förderung nicht nach qualitativen Gesichts-punkten. Durch die größere Mitsprache der "Kunden" Kinder und Eltern erwarte ich mir erhebliche Qualitätssteigerungen. Bedenken kann hiergegen nur derjenige haben, der sich den Bedürfnissen der Eltern und Kinder nicht stellen will oder diese als unmündig behandelt wis-sen möchte.

Für wenig hilfreich halte ich es, ein Horrorszenario zu malen, künftig würden alle Kinder, Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen, Eltern und Träger unter einem Förderkonzept nach MQS leiden. Ich halte dies schon deswegen für ärgerlich, weil man dem StMAS damit unterstellt, man würde möglichst alles unternehmen, nur um den genannten Personengruppen allesamt Schaden zuzufügen. Schließlich sind auch wir Eltern, Erzieher, Sozialpädagogen oder Träger und an eine optimale Erziehung, Bildung und Betreuung unserer Kinder interessiert.

Unwahr ist vor allem, alle Einrichtungen hätten mit Defiziten zu kämpfen. Ich wiederhole es gerne: Die staatlichen Mittel werden nicht gekürzt!

Ein Wort zu den Defiziten: Ist es nicht Zeit, Leistung und Wirtschaftlichkeit in den Einrichtungen zu hinterfragen? Können wir es uns noch länger leisten, dass sich nachmittags nur 25 Kinder in einem Kindergarten aufhalten, aber pädagogisches Personal für 4 Gruppen bezuschusst wird? MQS führt unzweifelhaft zu einem Mehr an Fördergerechtigkeit - auch wenn es wohl keine 100%ige Gerechtigkeit geben wird. Viele Einrichtungen haben ihrer Leistung entsprechend höhere Zuschüsse zu erwarten, andere werden sich fragen lassen müssen, ob sie in der Vergangenheit nicht ungerechtfertigt hohe Zuschüsse erhalten haben. Schon nach der gegenwärtigen Kindergartenförderung hätten nämlich schon zahlreiche Einrichtungen Einschnitte erfahren müssen, weil z.B. die 8- Kinder- Regelung missachtet wird. Von Interesse sind im weiteren Modellverlauf diejenigen Einrichtungen, die trotz pädagogischer Qualität und Wirtschaftlichkeit nach MQS Defizite zu erwarten haben. Hierfür müssen wir in der Tat Lösungen entwickeln. Zu diskutieren sind auf jeden Fall die integrativen Einrichtungen; bei über ein gesamtes Kindergartenjahr konzipierte Einstiegsgruppen, deren Sinnhaftigkeit sich mir nicht o.w. erschließt, möchte ich ein Fragezeichen machen.

Defizit ist somit nicht gleich Defizit. Die undifferenzierte Aussage, Förderdefizite einzelner Einrichtungen ergebe sich allein aus einem Mangel an Nutzungsstunden, halte ich daher für falsch. Entscheidend ist, dass sich eine Einrichtung an den Bedarfen orientiert und darauf Organisation und Betrieb abstellt.



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