Antwort zu Defizit ist nicht gleich Defizit

von Dr. Heidrun Kolinsky am 25. März 2001 um 21:53 Uhr
als Antwort zu: Defizit nicht gleich Defizit von Dunkl,StMAS am 23. März 2001 um 16:39 Uhr

Sehr geehrter Herr Dunkl,

ich kann nicht erkennen, wo ich der MQS-Projektgruppe aus ISKA/StMAS etwas von den von Ihnen geschriebenen Punkten unterstellt haben sollte. Ich stütze mich lieber auf mathematische und logische Schlussfolgerungen.

Bei einer Umverteilung der (in der Höhe gleichbleibenden) Fördermittel nach den neuen MQS-Kriterien von einer gruppenbezogenen Förderung hin zu einer nutzungszeitabhängigen
Förderung sind sämtliche bayerischen Kindertageseinrichtungen betroffen. Die über 6000 Kindergärten direkt, die Kinderkrippen indirekt (weil sie im Kleinstkindbereich damit in Konkurrenz zu den Kindergärten treten müssen) und je nach Regelung für die
Horte (bayernweite Förderung unabhängig von der Art des Trägers oder nicht) direkt oder indirekt.

Die direkt betroffenen Einrichtungen haben nach der Neuregelung im Vergleich zur bisherigen Regelung entweder mehr oder
weniger Fördermittel zu erwarten. Dort, wo sich mit MQS weniger Fördermittel für die einzelne Einrichtung ergeben, sprach ich von einem Defizit (ein Minus).
Wirkt sich die Umverteilung der Fördermittel gleichmässig aus,
dann hat die Hälfte der bayerischen Einrichtungen (50 Prozent) ein Minus und die andere Hälfte ein Plus zu erwarten. Das ist reine Mathematik.
Da Ihre Projektgruppe den bayernweiten Basiswert inzwischen berechnet hat, können Sie bei jeder Einrichtung genau vorhersagen, wo sich auf der bisherigen Berechnungsbasis (noch kein Sonderbudget, noch keine Schließtagekorrektur) um wieviel etwas ändern wird.

Hat eine Einrichtung mit MQS weniger Fördermittel als bisher zu erwarten, wird sie sicher darauf reagieren (müssen). Eine Möglichkeit, und das war die von mir allein betrachtete, besteht darin, zu versuchen, mehr Nutzungsstunden einzuwerben. Zugegebenermaßen, das war nur ein möglicher Blickwinkel aus der Sicht der Leiterin der Einrichtung, die gerne Ihre Mitarbeiterinnen weiter beschäftigen möchte.
Auf ein Förderdefizit ließe sich natürlich auch
durch Entlassungen und/oder Stundenkürzungen reagieren. Beides scheint mir dem Versprechen einer Steigerung der pädagogischen Qualität, wie sie im MQS-Modell in der bisherigen Argumentation in den Vordergrund gerückt wurde, nicht vereinbar.

Da ist und wäre es schon ehrlicher, wenn Sie und die Projektgruppe (und das ist diesmal ein Vorwurf und keine rein mathematische Schlussfolgerung)gleich zu Beginn auch zu den Eltern und Erzieherinnen gesagt hätten,dass es vor allem darum geht, die bisherigen Mittel so umzuverteilen,
dass

1. die Kinder und die pägagogische Qualität nicht darunter leiden sollen
2. mit den freiwerdenen Mitteln längere Öffnungszeiten unter gleichen pädagogischen Bedingungen wie bisher gefördert werden sollen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.

Beide Punkte halte ich persönlich für sehr legitim. Zum ersten gibt es wirklich Kindergärten, in denen nachmittags sehr wenig Kinder anwesend sind und auf der anderen Seite gibt es sehr stark ausgelastete Einrichtungen.

Zum anderen sind für die Möglichkeit einer Teilzeitstelle (4 Stunden+Anfahrt) eines Elternteils eine Mindestöffnungszeit von 6 Stunden in den Einrichtungen notwendig, was in manchen bayerischen Kindergärten noch längst nicht gegeben ist.

Um beides (1. und 2.) zu realisieren, ist jedoch kein MQS-Modell mit _unvorhersehbaren_ Auswirkungen und Konsequenzen auf Kinder, Eltern und Erzieherinnen notwendig. Denn das MQS-Modell in der bisherigen Ausprägung ist nicht in der Lage,
zu garantieren, dass seine Einführung zu 1. und 2. führt,
genausogut könnte das Gegenteil der Fall sein, was Herrn
Krauß schreiben läßt, dass die Projektgruppe über Möglichkeiten von Mitteln zur "Steuerung" von MQS nachdenkt. Dazu später an anderer Stelle mehr.

Um die pägagogische Qualität zu bewahren, die Mittel gerechter umzuverteilen und eine Mindestöffnungszeit von 6 Stunden zu gewährleisten, erscheint mir der Weg gangbar, den das Land Nordrhein-Westfalen genommen hat. Dort wird bei
einer verlangten Mindestöffnungszeit von 6 Stunden der Einrichtung, eine gruppenbezogene Grundförderung gewährt. Die darüber hinausgehende Nachmittagsförderung ist wiederum abhängig von der sich nachmittags in der Einrichtung befindlichen Anzahl an Kindern. Die pägagogische Qualität könnte in ähnlicher Weise wie in NRW auf Basis des bisherigen bayerischen
Kindergartenrechts aufrechterhalten werden.
Eine Befragung der Eltern mittels Fragebogen über deren Zufriedenheit mit der Einrichtung macht durchaus Sinn. Statt die Fragebögen durch die Leiterin der Einrichtung auswerten zu lassen, wäre es meines Erachtens besser, den Elternbeirat einzubeziehen.
Die Problematik des MQS-Modells sehe ich vor allem darin,
dass pädagogische Qualitätskriterien nicht direkt rückkoppeln.
Dies liesse sich jedoch auf einfache Art und Weise ändern: (Beachten Sie bitte den Beitrag "Betrachtungen zum Anstellungsschlüssel")



Antwort
Name
Kurznachricht
Text