Wirklich extreme Unterschiede oder Vergleich von Äpfeln mit Birnen?

von Dr. Heidrun Kolinsky am 25. März 2001 um 22:28 Uhr
als Antwort zu: Abbau des gegenwärtigen Zwei-(Drei-)Klassensystems überfällig! von Günter Krauß, ISKA am 21. März 2001 um 21:31 Uhr

Die von der Modellprojektgruppe gefundenen sogenannten
"extremen Unterschiede" zwischen den einzelnen Einrichtungen sind
doch etwas fraglich. Ich bezweifle nicht, dass es sehr starke
Unterschiede in den Nachmittagsauslastungen der Gruppen
und in den sozialen Problematiken bei den Kindern gibt,
denen zukünftig besser Rechnung getragen werden muß.

Jedoch resultieren die im Web veröffentlichten "extremen Unterschiede" teilweise daher, dass eine Definitionsgleichung für den Anstellungsschlüssel verwendet wurde, der dem unterschiedlichen pädagogischen Aufwand in den einzelnen
Einrichtungen bisher nicht Rechnung trägt.
Berücksichtigt man bei einer integrativen Gruppe mit 4 behinderten Kindern den Gewichtungsfaktor 4.5, der in die Basiswerttabelle eingeht, so findet man in einem Zahlenbeispiel (siehe "Betrachtungen zum Basiswert") statt des kleinsten genannten Wertes von 3.70 für den Basiswert den doppelten Wert von 7.40, was sehr viel näher am gefunden Durchschnittswert von 10.0 liegt.
Der von Herrn Krauß behauptete Zusammenhang von "auf der einen Seite findet man Einrichtungen mit doppelt und dreifach besserem Anstellungsschlüssel - natürlich in den sozial besser situierten Zusammenhängen" ist so nicht gültig. Wie eine einfache
Überlegung zeigt, müssten die extrem niedrigen Werte
am unteren Rand müssten von integrativen Einrichtungen
aufgrund der (notwendig) besseren
personellen Ausstattung mit einer dritten Kraft herrühren.

Natürlich muss etwas an der personellen Ausstattung getan werden, wenn in Einrichtungen mit hohem Ausländeranteil und einem belasteten Umfeld die Kinder jeden Tag sehr lange betreut werden müssen. Doch auch hier muss eine Neudefinition des Anstellungsschlüsssels dem höheren pägagogischen Aufwand Rechnung tragen. Meines Erachtens ist eine Neuberechnung der Anstellungsschlüsselwerte zumindest unter Berücksichtigung des pädagogischen Aufwands notwendig. Auch sollte zukünftig - wie bei statistischen Auswertungen üblich - die Gesamtverteilungsfunktion und nicht nur der Mittelwert, und jeweils ein Extremwertes am unteren und am oberen Rand angegeben werden, um eine fundierte statistische Argumentationsbasis zu begründen.



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