Mögliche Konsequenzen aus einer flexiblen Handhabung der Buchung von Betreuungszeiten

von Hans Schrödinger am 05. April 2001 um 15:05 Uhr

Nun ist er bekannt, der Basiswert für Bayern, und die Träger können anfangen zu rechnen. Als Trägervertreter mit Einrichtungen, die sowohl bereits das Modell der Buchung von Betreuungszeiten (4, 6, 8, 10 oder 12 Stunden), aber auch noch „traditionell“ arbeiten bin ich natürlich an „Zahlen“ interessiert, jedoch (als Pädagoge) auch den pädagogischen Implikationen des neuen Modells. Aber lassen wir den Pädagogen mal außer acht.
Vorneweg: Ich bin ein Befürworter einer steigenden „Kundenorientierung“ in Kinderbetreuungseinrichtungen, wobei jedoch nicht nur die Eltern unsere „Kunden“ sind, sondern und in erster Linie (da kommt dann doch wieder der Päd. durch) die Kinder. Den Betreuungsbedarf (zeitlich und außer Haus) haben zwar die Eltern, erbracht aber wird er am Kind.
Es wird zwar viel argumentiert mit der „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, die erweiterten Hol- und Bringzeiten bei minimalen Schließtagen, als die Flexibilität der Einrichtung wird oft auch begründet mit dem Schlagwort der „Frauenförderung“. Aber bei 8 Stunden ist Schluss – zumindest bei der Förderung. Dies wird dann mit der „natürlichen Grenze“ bei der Bildung begründet. Wenn aber eine alleinerziehende Mutter (der entsprechende Vater ist halt eher die Ausnahme) notwendiger Weise voll beruftätig ist, dann dauert ein Arbeitstag halt 7,7 Stunden, hinzukommt die Mittagspause, die Anfahrt zum KiGa, d.h.: eine Betreuungszeit von 8 Stunden reicht nicht für diese – notwendige - Vereinbarkeit von Beruf und Kind. Da aber die Förderung nicht linear über 8 Stunden hinaus fortgeschrieben wird, werden die Kosten entsprechend über die Beiträge auf die Mutter umgelegt. Die Vereinbarkeit muss gegebenenfalls teuer, aber zumindest bezahlt werden.
Flexibilität heißt auch, dass Eltern die Buchungszeiten je nach individuellem Erfordernis während eines laufenden Kindergartenjahrs verändern können. Das muss ich von einer kundenorientierten, flexiblen Einrichtung, die nach dem Marktmodell gefördert wird, erwarten können. Bei der bisherigen Personalkostenfinanzierung war das auch kein Problem. Nach dem neuen Fördermodell jedoch hab ich das Problem, dass ich bei einer reduzierten Buchungszeit weniger Zuschuss bekomme, in der Regel zudem geringere Elternbeiträge, denn weniger Stunden kosten in der Regel und üblicherweise auf dem „Markt“ auch weniger. Entweder lasse ich eine Änderung (zumal eine Reduzierung, und nur um die geht’s hier) der gebuchten Betreuungszeit während eines Kindergartenjahres generell nicht zu, oder ich hab ein Problem: um dies für den Träger kostenneutral zu handhaben, habe ich nur die Möglichkeit, über eine stundenmäßige Verringerung der Arbeitszeit des pädagogischen Personals dies auszugleichen. (Denkbar wäre auch, die Elternbeiträge als „Abschlagszahlungen“ zu betrachten, die am Ende des KiGa-Jahres spitz abgerechnet werden; das wär' ja auch noch eine Idee.... ).
Ob allerdings diese Flexibilität bzgl. geänderter oder sich ändernder Arbeitszeiten sowohl seitens der Träger, aber auch und insbesondere seitens des Personals gewollt ist, darf mit Recht bezweifelt werden. Bestehende Arbeitsverträge stünden dem auch im Wege. Diese Konsequenzen jedoch mitzubedenken und hier Lösungen anzubieten wäre seitens derer, die diese Konsequenzen durch ein geändertes Fördermodell zeitigen, zu erwarten.
Das ist halt die Konsequenz aus der Marktorientierung und die konsequente Weiterentwicklung des Fördermodells, sofern ich denn den Eltern zugestehe, dass sie flexibel sein können. Wenn Marktorientierung in fast allen Lebensbereichen gefragt ist, weil wir den Selbstregulierungskräften des Marktes eher vertrauen als – zumal wenn’s um Kinder geht, und nicht um Waren - der geplanten und planmäßigen Zurverfügungstellung von Einrichtungen und Diensten (und zudem von „sozialen“), die die Leute halt brauchen, dann ist das halt die nicht unbedingt gewollte, aber sich ergebende Konsequenz.



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