Konzequenzen des neuen Kindergarten Finanzierungsmodells für Träger ("Qualitätskriterien für Träger")

von Pfr. Jürgen Nitz, Kaufering am 01. Mai 2001 um 20:51 Uhr

I. Bisherige Anforderungen an Träger
Der Kindergarten tauchte bisher in der Verwaltung unserer Kirchengemeinde an folgenden Stellen auf:
- Haushaltsplan (Selbstabschließer) und Jahresrechnung ("Kindergartenpfleger macht das schon...")
- Einstellung und Veränderung von Personal (Personalausschuß) - immer einstimmig im KV
- Teilnahme des Pfarrers in Festen, KiGa Gottesdienst und Elternbeiratssitzungen
- Personalgespräch und Personalausflug mit Pfarrer
- Antrag an Landratsamt über Bezuschussung (Unterschrift)
- Verhandlung mit politischer Gemeinde über Kindergartengebühren mit anderen Trägern
- jährliches Trägertreffen/KiGa Leiterinnentreffen

II. Der Kindergarten als selbstständiges Sozialunternehmen
Mit dem neuen Finanzierungsgesetz verwandelt sich der Kindergarten von einer gesetzlich geregelten und durch Richtlinien und Zuschüssen abgedeckten Einrichtung in ein kleines selbstständiges Sozialunternehmen, das sein Angebot und seine Nachfrage wirtschaftlich und pädagogisch sinnvoll koordinieren muß:
1. Staatliche und kommunale Zuschüsse werden pauschaliert und nach Betreuungsverträgen zugewiesen
2. Mit den Eltern wird die Betreuungszeit (Nutzungszeit) vertraglich vereinbart und gebucht (Buchungszeit). Dieser Vertrag ist Grundlage.
3. Der Betreuungswunsch der Eltern muß in Beziehung gestetzt werden zum Angebot der Einrichtung. Dieses Angebot wiederum hängt an den abgeschlossenen Dienstverträgen mit dem Personal und den räumlichen und organisatorischen Möglichkeiten.
Es muß in intensivem Gespräch mit dem Personal aus den geäußerten Elternwünschen, der Höhe der Elternbeiträge und den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Trägers ein Angebot des Kindergartens erarbeitet werden, das Grundlage der Buchung wird (und das jedes Jahr neu, sobald sich einer Faktoren signifikant verändert).
Gegebenenfalls muß die Deffizitabdeckung mit den Kommunen verhandelt und geklärt werden.
Das Angebot der Einrichtung ermittelt sich aus einer Kalkulation die folgende Faktoren in ihrer Wechselwirkung berücksichtigt.
- Betreuungswünsche der Eltern
- Verträge Personal
- ANGEBOT DER EINRICHTUNG
- Wirtschaftliche Rechnung der Einrichtung
- Basiswert
- Höhe der Elternbeiträge
Das Risiko der Einrichtung liegt dabei zukünftig beim Träger. Die gewährte "Freiheit" in der Gestaltung des Angebotes und der Ausgestaltung des Betreuungsmodells bedeutet: Träger müssen selbstständig agieren lernen und das Risiko verantwortet kalkulieren. Der organisatorische, planerische und kommunikative Aufwand der Träger wird erheblich anwachsen.

III. Steigende Anforderungen an die Träger
1. Die Kindertageseinrichtung muß kalkuliert werden.
Solange vor einer Einrichtung Warteschlangen stehen und Eltern einen Kindergartenplatz suchen, wird es nur wenige Veränderungen im Angebot und Verwaltungesaufwand des Trägers geben.
Sollten sich jedoch dieses Vorgaben einschneidend ändern, verwandelt sich die Einrichtung in ein Sozialunternehmen, das nach beriebswirtschaflichen Regeln Angebot und Nachfrage erarbeiten muß.
Diese Aufgaben können ehrenamtliche Kindergartenpfleger, eine meist schon überlastete Leiterin und so manche/r Pfarrer/in, die in diesen Bereichen keine Kenntnis und keine Ausbildung besitzen, schnell überfordern.
2. Die Kommunikation mit Eltern, Beirat und Personal
Information und Kommunikation mit allen Betroffenen wird eine zeitintensive und manchmal nervenaufreibende Aufgabe des Trägers. Vor allem immer dann, wenn einschneidende Änderungen im Angebot der Einrichtung anstehen, oder Arbeitszeiten der Angestellten und Elternbeiträge geändert werden.
Dabei ist Kommunikation und Zusammenarbeit mit Eltern, Beirat und Personal sicher immer wünschenswert - doch in welchem Maß haben Träger dafür Zeit- und Kraftreserven, um dies angemessen zu leisten?
3. Darstellung des Angebotes nach außen
Ein erhöhter Aufwand ergibt sich in der Darstellung der Einrichtung im Internet oder in der Öffentlichkeit. Sollte das Szenario der stark sinkenden Kinderzahlen zu "Konkurenzsituationen" der Einrichtungen gegeneinander führen, wird dieser Aspekt erheblich an Bedeutung zunehmen.

IV. Wie können sich Träger auf die Veränderungen bis 2003 vorbereiten
zu 1. Kalkulation
Es ist wichtig, Menschen mit betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten, für das Amt des Kindergartenpflegers zu gewinnen. Ein rechzeitiges Suchen sollte baldmöglichst beginnen. Allein Buchhaltungskenntnisse werden nicht mehr ausreichen, um eine Einrichtung in Angebot und Nachfrage finanziell zu kalkulieren.
Vor allem beim Durchspielen verschiedener Angebotsvarianten ist erhebliche Rechenarbeit und eine gewisse unternehmerische Phantasie nötig.
zu 2. Kommunikation
Kann ein Trägervertreter (Pfarrer/in) diese Aufgabe erschöpfend leisten, neben all den anderen Aufgaben einer Kirchengemeinde?
Die Kirchengemeindeordnung der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern erlaubt die Einrichtung von beschließenden Ausschüssen. Dieses Instrument ist für die anstehenden Entscheidungen und schnellen Reaktionen auf Veränderungen dringend zu empfehlen.
Vor allem qualifizierte Nicht-Kirchenvorsteher könnten in solchen Ausschüssen ihre Begabungen einbringen und Leitungskompetenz einbringen, wenn sie für diese Aufgabe zu gewinnen sind.
zu 3. Die multimediale Darstellung der Einrichtung
Es reicht nicht allein die Anschaffung eines PC's oder ein Internetanschluß im Kindergarten aus.
Wir brauchen Menschen, die sich in diesen Medien auskennen und damit arbeiten können - auch die Leitung von Einrichtungen wird an einer Qualifizierung in diesem Bereich kaum vorbei kommen.
Allgemein sind zeitsparende Effekte nur dann zu erzielen, wenn qualifiziert mit ihnen gearbeitet wird.
Auch hier kann durch die Suche und Ausbildung ehrenamtlicher Kräfte vorgearbeitet werden.
Die Freiheit, die das neue Finanzierungsgesetz eröffnet, hat einen Preis, der u.a. in der zu investierenden Zeit, in der Qualifizierung und in der intensiveren Wahrnehmung der Trägeraufgaben besteht.
Diese Fähigkeiten gilt es hauptamlich oder ehrenamtlich zu entwickeln, solange das Gesetz noch nicht eingeführt ist. Es tut sich ein großes Feld in Schulung, Beratung und Ausbildung von Trägern auf.



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