Verwaltungsvereinfachung ? Flächendeckendes Kiga-Platzangebot ?..........

von Sabine Werner, Thomas KiTa Ingolstadt am 05. August 2001 um 17:02 Uhr

Gedanken zu dem „Markt- und qualitätsorientierte Steuerungsmodell“ der ISKA Nürnberg, seinen Zielen und mögliche Auswirkungen.

Ziele:
- Verwaltungsvereinfachung
- Kostenneutralität
- Qualitätsförderung
- Leistungsgerechtigkeit
-
Verwaltungsvereinfachung
steht als Behauptung im Raum, es wurde nirgends eine schlüssige Darstellung abgegeben, die Verwaltungsvereinfachung beweist.

Förderung pro Kind und Nutzungszeit
bedeutet einen wesentlich größeren Verwaltungsaufwand für Träger, Kita-Leitungen und Behörden
Der erhöhte Verwaltungsaufwand steht in keinem Verhältnis zu der minimalen größeren Fördergerechtigkeit von 1 Std. pro Tag.
Die Zeit, die dafür von LeiterInnen aufgewendet werden muss, geht eindeutig zu Lasten der pädagogischen Arbeit, da LeiterInnen in den meisten Einrichtungen in den pädagogischen Dienst eingebunden und nicht freigestellt sind.

Die Förderung nach Nutzungszeit stellt nicht nur für Träger und Personal eine Planungsunsicherheit dar, gleichermaßen auch für Eltern und Kinder. Auch Eltern müssen jährlich damit rechnen, dass die Öffnungszeiten nicht mehr vorgehalten werden können, wenn die Nachfrage nicht entsprechen ist und sie für ihr Kind wiederholt andere Einrichtungen suchen müssen, die die für sie erforderliche Öffnungszeit noch vorhalten können. Man weiß von Kindern, die die Schule häufig wechseln mussten, dass sich diese ständige Entwurzelung sehr negativ ausgewirkt hat. Das gilt für Kindergartenkinder in noch weit höherem Maß.

Träger können den Personaleinsatz wirtschaftlicher gestalten
Hier sind offenbar auch zeitlich befristete Stellen angedacht, denn sonst würde das finanzielle Risiko für den Träger zu groß.
Die personelle Fluktuation mit allen Reibungsverlusten, wie immer neue Einarbeitungszeiten, geringere Einsatzbereitschaft etc, wie sie durch befristete Stellen bedingt sind, wird die Qualität des pädagogischen Angebots nicht steigern. Das wäre eine qualitätsmindernde und keine „qualitätsorientierte“ Maßnahme, denn gerade Kontinuität spielt für die Entwicklung, auch die der Beziehungsfähigkeit der Kinder eine wirklich bedeutende Rolle.
Eine qualitätssichernde Maßnahme ist z.B. die Personalentwicklung durch Fortbildung. Lohnt sich der finanzielle Einsatz für Fortbildungen für den Träger noch, wenn es sich um zeitlich befristete Stellen handelt oder werden solche Kräfte vorsichtshalber nicht fortgebildet ?

Weniger Kontrolle durch den Staat
Findet wirklich eine Reduzierung statt ? Oder geht es lediglich eine Verlagerung, z.B. auf die Qualitätskommissionen?
Der Staat wird trotzdem weiterhin Kontrollfunktion wahrnehmen müssen.


Leistungsgerechtigkeit
Die Fördergerechtigkeit zu erhöhen, wird dadurch ausgehöhlt, dass max. 8 Std. gefördert werden sollen. Damit haben wir uns vom alten System kaum entfernt. Einrichtungen, die 8 Std. öffnen, haben die gleichen finanziellen Möglichkeiten, wie Einrichtungen, die 10 und mehr Stunden geöffnet haben.
Eltern, die ca. 8 Std. arbeiten, brauchen einen zeitlichen Spielraum für ihren Arbeitsweg, also können die 8 Stunden nicht ausreichen. Das widerspricht kundenorientiertem Angebotsverhalten.
Einrichtungen, die nur 8 Std. öffnen, können jedoch ein besseres pädagogisches Angebot vorhalten ( Wettbewerbsverzerrung ), weil der Einsatz des Personals nicht auf 10 Stunden und mehr verteilt werden muss. Das sind etwa 10 Stunden in der Woche mehr, in der in der Hauptförderzeit ein Personalschlüssel 12,5:1 statt 25 :1 vorgehalten und damit qualitativ bessere pädagogische Arbeit durchgeführt werden kann.

Hier kann des Rätsels Lösung nicht lauten „Förderung längerer Betreuungszeiten als 8 Std., dafür aber Kürzung des Basiswertes“, nur um die Kostenneutralität zu sichern, wenn dadurch andere Einrichtungen trotz bedarfsgerechter kürzerer Öffnungszeit ernsthaft gefährdet werden.
Den echten Bedarf durch eine jährliche Elternbefragung zu ermitteln und die Öffnungszeiten darauf abzustimmen ist sehr sinnvoll und war längst fällig. Es muss jedoch der echte Bedarf ermittelt werden, der natürlich in verschiedenen Gebieten sehr unterschiedlich sein kann. Hier müssen aber Spielräume gesichert werden, die auch die Planungssicherheit der Eltern berücksichtigen. Die Forderung des kundengerechten Angebots darf nicht nur an Träger und Personal gestellt werden, sondern auch an den Staat.

Die Formel „KiTa mit langer Öffnungszeit = gute KiTa / kürzere Öffnungszeit = schlechte KiTa“ sollte ersetzt werden durch „am Bedarf orientierte KiTa ist förderwürdige KiTa unter Beachtung des erforderlichen flächendeckenden Angebots“. Ebenso sollte auch die „Auslastung“ am Bedarf orientiert sein, also auch Kindergärten bestehen können, deren Öffnungszeiten aus strukturellen Gründen kürzer sind. Niemand käme auf die unsinnige Idee, Schulen zu schließen, weil sie nachmittags nicht ausgelastet sind und die Räumlichkeiten leer stehen. Von solchen Vorstellungen sollte man sich auch im Kindergartenbereich endlich verabschieden.

Es wäre sinnvoll zum jetzigen Zeitpunkt eine verpflichtende Erhebung bei allen Kindergärten/ KiTas mit den neuen Berechnungsvorgaben des neuen Finanzierungsmodells durchzuführen, um einen Überblick zu bekommen, wo das flächendeckende Angebot in eine ungewünschte Schieflage gerät.

Konzeption der Altersmischung/ Schulkinder
StMAS und StMUK sollten sich zu diesem Punkt dringend kurzschließen.
Wird die Konzeption der Altersmischung, die Schulkindbetreuung betreffend, schon bald durch die Einführung von Ganztagsschulen überholt sein ? ( Werden Ganztagsschulen „kostenneutral“ sein ? )

Angestrebte Veränderungen in der Ausbildung der Kinderpflegerinnen
Auch hier sollten sich StMAS und StMUK zu diesem Punkt dringend kurzschließen.
Man strebt an, dass Kinderpflegerinnen möglichst die Ausbildung zur Erzieherin anschließen sollen.
Welches Ziel wird dabei verfolgt ? Sollen in Zukunft die pädagogischen Hilfskräfte durch pädagogische Fachkräfte ersetzt werden? Damit wäre das päd. Fachpersonal und die Eltern sicher sofort einverstanden, es könnte durch die höheren Gehaltskosten die Kostenneutralität allerdings in Frage stellen.

Anstellungsschlüssel 16,6 Kinder : 1 Betreuungsperson ( Erzieherin / Kinderpflegerin )
Der Personalanstellungsschlüssel 16,6 Kinder : 1 Betreuungsperson (deutlicher: pro Gruppe mit 25 Kindern 1 Erzieherin und eine ½ Kinderpflegerin ) ist noch ein Relikt aus den 80er Jahren. 1989 oder 1990 förderten Staat und Stadt dann 2 Betreuerinnen pro Gruppe, schrieben es aber bedauerlicherweise gesetzlich nicht fest.
Anlass dafür war u.a., dass immer mehr Eltern nach einer anderen Betreuungsform
( Elterninitiativ –Kigas , Zuwanderung zu Waldorf- und Montessori -Kigas) als den bisherigen Regelkindergärten für ihre Kinder suchten, weil diese personelle Besetzung
( 16,6 :1) die qualitative Arbeit stark behinderte.
Dahin dürfen wir uns angesichts der Anforderungen, die die Zukunft an unsere Kinder stellt
( Wissensgesellschaft ) und der damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen , nicht zurück entwickeln.
Wenn zur Berufstätigkeit der Frau, bzw. der Ganztagsbeschäftigung der Eltern vom Staat ein klares „Ja“ gesagt und dies von Politikern so den Eltern auch zugesichert wird, ist eine inhaltlich qualitativ gute Betreuung der Kinder umso zwingender, damit Eltern auch wirklich guten Gewissens und ohne die Angst, dass ihre Kinder durch diese Betreuungsform Schaden nehmen, ihrer Arbeit nachgehen können.
Grundsätzlich hat sich jedoch in der Vergangenheit gezeigt, dass über festgelegte „Mindestanforderungen“ nicht hinausgegangen wird, siehe Bezuschussung bei Kindergartenneubauten, 2qm Nutzungsfläche pro Kind und Gruppenraum.
Deshalb ist auch beim Mindestanstellungsschlüssel ( auch als Mindestanwesenheitsschlüssel bezeichnet ) zu befürchten, dass es eine entsprechende Rückentwicklung geben wird, trotz erheblich höherer Anforderungen, sowohl pädagogisch inhaltlicher Art, als auch durch den individuelleren und freieren Erziehungsstil bedingt .

Deshalb muss die Forderung für die Zukunft lauten :
Anstellungsschlüssel: 10 Kinder : 1 Betreuerin und dies muss gesetzlich und finanziell abgesichert werden.

Diesem „neuen Finanzierungsmodell“ der ISKA Nürnberg liegt kein klares Konzept zugrunde, welchen inhaltlichen Anforderungen es gerecht werden soll. Es wird zuerst ein Finanzierungsmodell entwickelt und erst dann das Kindergartengesetz zu einem Kita-Gesetz verändert
. Fragen, wie
- welche Anforderungen stellt die Zukunft an unsere Kinder,
- wie müssen die Kitas dafür ausgestattet werden, personell, räumlich und materiell,
- wieviel Vorbereitungszeit brauchen ErzieherInnen in Zukunft dafür,
- kann das mit dem neuen Finanzierungsmodell geleistet werden,
- werden die finanziellen Notwendigkeiten für die Integration von Aussiedlern / Ausländern dadurch gesichert ,
- welche Möglichkeiten werden für verhaltensauffällige Kinder angeboten,
- können Zeiten für die Anleitung von Praktikanten bei dieser Finanzierung vorgehalten werden,
- sind Zeiten für Qualitätssicherung eingeplant

werden nicht beantwortet und schaffen deshalb große Skepsis und die Angst, dass man erst finanzielle Vorgaben macht, dann aber inhaltliche Forderungen stellt, nach dem Motto „Die Verantwortung liegt allein bei euch, ihr habt doch alle Freiheiten, mit ein bisschen Innovation wird euch schon was einfallen....“ ungeachtet dessen, ob die Rahmenbedingungen das zulassen.

S. Werner, KiTa – Leitung, Ingolstadt, evang. Träger
- Montessoripädagogik
- ca. 50 % Aussiedler / Ausländeranteil
- 75 Kiga Kinder + 8 Schulkinder
- Öffnungszeiten: Mo – Do 7.00 – 17.00, Fr 7.00 – 16.00
- Angebot von 6 verschiedenen Nutzungszeiten
- flexibles Mittagessensangebot
- Eltern können bei Bedarf Nutzungszeiten während des Jahres ändern, ohne dass für das Kind ein Gruppenwechsel erforderlich ist.



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