Wunschkindergärten und die Wirklichkeit

von Dr. Lydia Heimann am 05. Oktober 2001 um 21:58 Uhr
als Antwort zu: Familienfreundlicher Kindergarten mit päd. Konzept und Anerkennung gemäß BayKiG von Barbara Perras-Emmer, Städt. Kindergarten Parsberg am 04. Oktober 2001 um 17:55 Uhr

Vermutlich fänden es die meisten Eltern wunderbar, wenn jeder Kindergarten so ausgestattet wäre und wenigstens ansatzweise ein derartiges Konzept bieten würde und das zu diesem Preis. Dazu gehört, wie Frau Perras-Emmer schrieb, ein (sehr) engagiertes, fachlich kompetentes Personal und ein Träger, dem die Kinder "etwas wert" sind. Diese idealen Konstellationen finden sich nur nicht immer, wie wir zu unserem Leidwesen selber feststellen mußten (wir wohnen in Hösbach/Unterfranken). Die Ausgestaltung der Kindergärten und die personelle Besetzung hängt doch sehr vom guten Willen des Trägers ab und seinem Interesse an einem Kindergarten, sowie vom Verständnis, was gute Pädagogik ist. Wir erlebten es, daß in Gruppen, die Nachmittags durchschnittlich mit 12 Kindern besetzt sind, die Stunden des Personals gekürzt wurden, um die Finanzen der Gemeinde zu schonen. Pädagogische Überlegungen bzw. Argumente wurden, zumindest in diesem Fall, schlicht und ergreifend ignoriert. Meine Befürchtung ist, daß es in Zukunft mit dem neuen Fördermodell, das ja, so wie es sich mir darstellt keine Gruppenobergrenzen mehr nennt, noch leichter wird, Personal zu kürzen, ohne Rücksicht auf pädagogische Konzepte und das Wohl der Kinder.
Hat eine Trägergemeinde kein wirkliches Interesse an einer Einrichtung, wird er sein Engagement auf das Notwendigste beschränken, sofern sich der Protest der Bürger in Grenzen hält. Und es war schon immer so, daß Mindestanforderungen nur selten überschritten werden, man denke an die 2qm Nutzungsfläche pro Kind und Gruppenraum).
Leider, das muß ich hier auch einmal loswerden, ist es häufig auch so, daß sich viele Eltern kaum mit dem pädagogischen Konzept eines Kindergartens auseinandersetzen und durchaus mit Minimalangeboten die einer Aufbewahrung nahekommen zufrieden sein können. Aber muss man das dann die Kinder ausbaden lassen?

Ziel sollte es vor allem sein, die Qualität der Kindergärten in Bayern auf breiter Front professionell zu verbessern. Auf Marktkräfte zu vertrauen, die sich im Großen und Ganzen an einem Faktor orientieren werden, nämlich am Preis und nicht unbedingt am Preis/Leistungsverhältnis oder gar an der Leistung alleine dient den Kindern nicht. Und ich fände es ausgesprochen ungerecht, wenn dadurch auf der einen Seite wenige, teure Elitekindergärten entstünden, die sich eben eine bestimmte Klientel leisten kann, und auf der anderen Seite eine breite Masse mit beschänktem Angebot für die weniger Betuchten.

Markt- und Qualitätsorientiertes Steuerungsmodell klingt modern, mir wäre es allerdings ganz altmodisch lieber, es würden klare Qualitätsziele definiert. Davon nimmt das ganze Konzept aber großen Abstand.
Böse gesagt stellt sich mir das Ganze so dar, daß leerer werdende Kindergärten entweder eine umfangreichere Altersgruppe betreuen können (ohne Definition pädagogischer Anforderungen ohne wesentlich bessere personelle Besetzung), oder die Träger die Möglichkeit haben, am Personal drastisch einzusparen.

Mit freundlichen Grüßen
Lydia Heimann



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