Kundenorientiert? Spannungsfeld?

von Barbara Perras-Emmer, Städt. Kindergarten Parsberg am 08. Oktober 2001 um 07:58 Uhr
als Antwort zu: Wo ist das Spannungsfeld? von Gerd Detering, Fachberater für Tageseinrichtungen für Kinder am 28. September 2001 um 11:34 Uhr

Was sind Kunden?

Ursprünglich bezeichnete man mit Kunden Bekannte, später wurden daraus (Dauer-)Käufer, sicher auch bekannt durch den täglichen Umgang mit ihnen im nächsten überschaubaren Umfeld. Mit der modernen Marktwirtschaft wurden Kunden anonym, eine Masse, welche das System am laufen hält und deren Bedürfnisse meist nur dann beachtet werden, wenn sie mit dem Angebot übereinstimmen. Angebot und Nachfrage sind die Eckpfeiler unseres Konsums, doch einmal ganz ehrlich, wer schert sich um einzelne individuelle Nachfragen? Unsere Bedürfnisse werden ermittelt von der Marktforschung in einem repräsentativen Durchschnittsfeld - wir fühlen uns nicht (persönlich) gefragt. Hier wünsche ich mir manchmal wieder die "gute alte Zeit" zurück.

In der Familien- und der lösungsorientierten Kurztherapie bezeichnen wir mit Kunden:
Eltern, welche kooperativ zur Zusammenarbeit bereit sind, die ihren eigenen Anteil an der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft sehen oder sehen wollen, die selbst aktiv werden und Probleme möglichst objektiv und konstruktiv angehen. Im Vergleich dazu haben wir Eltern, die als Besucher, welche entweder gar nicht wissen, warum sie hier sind oder Unterhaltung von unserer Seite erwarten, oder Eltern, die als Ankläger bezeichnet werden. Eltern der ersten Gruppe sind leichter in Zusammenarbeit einzubinden bzw. zu motivieren, mit Anklagen ist wesentlich schwerer umzugehen. Nicht nur unter den Eltern gibt es diese Rollen.


Wo ist das typische Schwarz-Weiß-Spannungsfeld?

Finanzminister haben in der Regel eine betriebswirtschaftliche oder ähnliche Ausbildung und die Absicht, die in ihren Augen bestmögliche wirtschaftliche Verwendung von Geldern zu erreichen. Welche Schwerpunkte dabei gesetzt werden, hängt auch von der Argumentation seiner Ministerkollegen und -kolleginnen in ihren jeweiligen Bereichen ab. Wir hatten mit Frau (Ex-)Ministerin Barbara Stamm und ihrer engen Mitarbeiterin Frau Ingeborg Becker-Textor das Glück, dass beide eine Erzieherausbildung und eigene Erfahrungen in ihrem Berufsfeld hatten. Dass beide Probleme im Kindergarten detaillierter sehen konnten und wollten ist darauf zurückzuführen. Sie haben erreicht, dass die bisher zur Verfügung stehenden Mittel nicht gekürzt werden, obwohl die Kinderzahlen in den Kindergärten zurückgehen, und damit ein typisches, einfaches "Kampfargument" von Beschäftigten im Kindergartenbereich abgeschwächt.

Andererseits sollten mit dem 3-Stufen-Plan in Bayern die Träger von Kindergärten und die Kommunen mehr in die Verantwortung genommen werden, die "alte" Situation zu überdenken. In Bayern war der Elementarbereich bis vor einigen Jahren dem Kultusministerium unterstellt. Dabei standen Bildung und Erziehung im Vordergrund. Mit dem Wechsel zum Sozialministerium gewann auch der Bereich der Betreuung zunehmend an Bedeutung. Lange Zeit hatten viele Einrichtungen Probleme damit, Dreijährige aufzunehmen. Das Bildungsangebot - erziehergeleitet - gestaltete sich damit schwieriger, die Pädagogik, welche auf die altersgemischte Gruppe setzt, zwang Erzieherinnen, sich mit ihrer eigenen Rolle auseinander zu setzen. Da war es oft günstig, dass die Plätze knapp waren, und die Aufnahme der Kinder streng nach dem Alter erfolgte. Damit wurde die Problematik auf später, genau gesagt auf jetzt vertagt.

Somit haben wir heute viele Spannungsfelder, welche sich nicht so einfach in "Wohl des Kindes" gegen Geldgeber einreihen lassen. Aber gerade diese Vielseitigkeit gegenüber einer einfachen Pro- und Contra-Darstellung macht die Sache so interessant und lässt viele individuelle Lösungsmöglichkeiten offen. So individuell wie Kinder und Eltern sind, wie Erzieher- und Trägerpersönlichkeiten sein sollten und dürfen und unsere Einrichtungen hoffentlich bald sein werden. Eine Kundenorientierung, welche jeden Beteiligten ernst nimmt und nicht aus einem repräsentativen Querschnitt eine allgemeine Durchschnittspädagogik anbietet: einen guten alten Tante-Emma-Laden, sehr persönlich und mit sehr viel Persönlichkeit ...

Mit freundlichen Grüßen
Barbara Perras-Emmer



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