Wäre eine Hochschulausbildung wirklich so ideal?

von Barbara Perras-Emmer, Städt. Kindergarten Parsberg am 06. November 2001 um 16:14 Uhr
als Antwort zu: Möglich: ja! Einzelfall: ja! von Gerd am 26. Oktober 2001 um 09:22 Uhr

Sehr geehrter Herr Detering,

die Ausbildung an den Hochschulen wäre noch theoretischer, als sie bereits ist. Unsere Erzieher werden überwiegend im Frontalunterricht an den Fachakademien unterrichtet. Sie gehen dann mit dieser Vorbildfunktion in die Kindergruppen und glauben, die Großgruppe müsse in gleicher Weise "lernen", wie sie selbst Lernen erfahren haben: in der (verbalen) Frontalunterrichtung im Stuhlkreis.

Dem Kindergartenalter kommt beim Wissenserwerb eine weit größere Bedeutung zu, als wir selbst abschätzen können und uns vermutlich jemals zuerkannt wird. Doch dieses "Körperwissen" als Basis für aufbauendes Wissen wird in unserer Kopf-Gesellschaft nicht akzeptiert. Zudem wird sehr wenig davon im Bewusstsein bzw. über den Hippocampus im Langzeitgedächtnis gespeichert, es ist also weder abzufragen noch in Form von Prüfungen belegbar.

Deshalb müssen wir für dieses spezielle Wissen, erwerbbar im Kindergarten (alter) und wieder zu entdecken in den Fachakademie bei einer wesentlich praktischeren Ausbildung und qualitativ guten Ausbildungskindergärten, und doch sehr theoretisch untermauert mit spezieller Entwicklungspsychologie kämpfen. Wir wollen keine Anerkennung anstreben, indem wir um Gleichstellung z. B. mit Lehrern ringen, sondern eine eigene besondere Ausbildung, welche auf diesen Altersbereich zugeschnitten ist, aber nicht unbedingt eine Hochschulausbildung sein muss. Der Kopf darf nicht vom Körper getrennt werden (Reggio), Lernräume müssen auch Bewegungsräume und Bewegungsräume auch wieder Denkräume sein (Klaus Miedzinski): Nur in dieser Ganzheitlichkeit wird es uns gelingen, in einer sich rasant verändernden Umwelt unsere Kinder auf morgen vorzubereiten.

Wir brauchen keine "hohe Schule" sondern einen "niederen Kindergarten", in dem es erlaubt ist, zuerst körperlich, senso-motorisch und ganzheitlich Können zu erwerben und damit eine Basis für theoretisches Wissen zu entwickeln. Wenn wir selbst nicht lernen, dass gerade diese Stufe von großer Bedeutung ist und einer Hochschulausbildung hinterher rennen, können wir kindgemäßes Lernen nicht zulassen, werden ihm wenig Bedeutung beimessen und weiterhin im Sitzen mit Arbeitsblättern und -mappen auf die Schule vorbereiten.

Die von mir geforderte Qualifikation dürfte zum Teil schwieriger sein als ein theoretisches Hochschulstudium - es fordert eine ganze Portion Persönlichkeit und Authentizität. Ob unsere Gesellschaft bereit ist, dies anzuerkennen und auch noch besser zu bezahlen, wage ich zu bezweifeln.

Mit freundlichen Grüßen

Barbara Perras-Emmer



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