Habe ich "Kostenneutralität" richtig verstanden? - Förderung von <3-jährigen besser in Krabbelstuben als im KiGa!

von U.Nübler, 2.Vors. Verein z. Förderung u. Betreuung v. Kindern e.V. am 18. November 2001 um 21:09 Uhr
als Antwort zu: Interessante Idee - aber fehlt es dann nicht anderswo? von Schmidt am 14. November 2001 um 09:42 Uhr

"Fehlt es dann nicht anderswo?" - Genau das ist ja, wenn ich das richtig verstanden habe, ein Einwand der SPD-Fraktion im Landtag: Wie soll ich mir Kostenneutralität bei gleichbleibender qualifizierter pädagogischer Arbeit im Kindergarten vorstellen, wenn aus ein- und demselben Finanztopf bei ein- und derselben Gesamtgeldsumme nicht mehr nur die Drei- bis Sechsjährigen im KiGa, sondern auch die Unter-drei-jährigen und auch die Älteren im Hort usw. gefördert werden sollen? Egal, welche Einrichtungen die Kinder besuchen: Insgesamt wird es doch so sein, das die gleiche Summe Geld auf wesentlich mehr Kinder verteilt werden wird, oder habe ich bisher alles falsch verstanden? - Ich würde mich wirklich sehr über sachkompetente, eindeutige Auskunft zu diesem Punkt freuen!

Wenn es denn aber offensichtlich so ist, dass die Unter-drei-jährigen zumindest im Kindergarten mit unter die neuen Förderrichtlinien fallen, appelliere ich dringend an alle Verantwortlichen, auch die Einrichtungen mit zu berücksichtigen, die sich ausschließlich der Förderung dieser Kinder widmen! Dieser Einrichtungen bieten eindeutilge Vorteile:
- Der Übergang von der behüteten (Einzelkind-)Situation zu Hause, wo alle Welt sich oft ausschließlich um das Kind dreht, hin zur Kindergartengruppe, wo es mit 24 anderen, zum Teil durch Alter, Körpergröße, Reife,.. deutlich überlegenen Kindern zurecht kommen muß, wird wesentlich gemildert durch schrittweises Lernen in der Krabbelstube.
- Weiterer großer Vorteil: Das pädagogische Programm zur Entwicklungsförderung kann wesentlich besser auf die Kleinen abgestimmt werden. - Bei allem Engagement und aller pädagogischen Kompetenz, die ich durchaus auch den Erzieherinnen im KiGa zutraue: In gemischten Gruppen von 0-6, wo es vorkommen kann, dass von 27 Kindern 3 Kinder unter drei sind und dennoch nur 2 Erwachsene die Gruppe betreuen (so beschrieb eine Erziehrein ihre Gruppe!), kann für die Jüngsten keinesfalls die Aufmerksamkeit, Zuwendung und gezielte Förderung möglich sein, die eine Krabbelstube leisten kann, wo für 12 Kinder 2 oder sogar 3 qualfizierte Kräfte da sind!

Folglich: Die Einrichtungen, die für die meisten Kinder dieser Altersstufe am geeignetsten sind, von der Förderung auszuschließen, aber die zweitbeste Lösung, nämlich Kleinkinder im Kindergarten, zu fördern, wäre eine Entscheidung an den Kindern vorbei! Diese Situation würde gerade das "Zweiklassensystem" in der Kinderbetreuung deutlich spürbar machen, statt es abzuschaffen: Wer es sich leisten kann, seinen Zweijährigen für 500,- DM in eine Krabbelstube zu schicken, wird dies tun, wer es sich nicht leisten kann, muß sein 2-j. Kind für 150,- DM in die Großgruppe des KiGa geben - wenn dieses Kind dann noch ein eher sensibles Gemüt hat oder in seiner sozialen Entwicklung noch nicht sehr weit fortgeschritten ist, wird es besonders hart. - Das kann doch nicht gemeint sein, wenn die bay. Staatsregierung verspricht, sich auch um die Förderung der Jüngsten zu kümmern und soziale Ungerechtigkeiten auszugleichen?

In der Hoffnung, dass "mich jemand hört" und die Interessen der Jüngsten mit berücksichtigt werden,
U.Nübler



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