In Bayern soll an den Kindern gespart werden!

von Dr. Heidrun Kolinsky, Wissenschaftlerin am 14. Januar 2001 um 20:27 Uhr

Die unvermeidbaren Folgen einer Einführung des Konzepts
der marktorientierten Steuerung der Kindergartenförderung sind
meines Erachtens im wesentlichen aus dem Bericht ber899.exe
(zu finden im www.iska-nuernberg.de/kita-bayern Download-Bereich)
eindeutig ableitbar.

Die unvermeidbaren Folgen einer bayernweiten Einführung des
Konzepts wurden in der Stellungnahme der
kirchlichen Träger in Erlangen mit den 12 Punkten klar und für jeden
verständlich und nachvollziehbar formuliert.
(siehe dazu den Beitrag "Stellungnahme kirchlicher Träger in Erlangen" von Pfarrer Haag)

Zukünftig soll vom Freistaat Bayern nur noch die Grenze
zur Kindswohlgefährdung als untere Schranke vorgegeben werden:
1 Mitarbeiterin auf 16,6 Kinder
(vgl. dazu den Beitrag von Herrn Dunkl "Mein persönlicher Fragenkatalog..."
im Forum Bayern). Die Zahl 16,6 Kinder auf eine Mitarbeiterin ist (nehme ich an)vermutlich von
Seiten des Staatsministeriums in die Diskussion mit den Trägern
gebracht worden und soll höchstwahrscheinlich die staatlich vorgegebene
Grenze zur Kindswohlgefährdung definieren. Diese Zahl spielt die zentrale Rolle
im marktorientierten Fördermodell.

Mit dem Konzept der marktorientierten Steuerung der Kindergartenförderung
versucht der Freistaat Bayern, was im Land Nordrhein-Westfalen 1998
die Landesregierung mit einem direkten Vorstoß geplant hatte: über eine
Absenkung der Personalkostenbezuschussung sollte in NRW
der Landesetat für die Kindergartenbezuschussung deutlich gesenkt
werden:

Die Regierung von Nordrhein-Westfalen wollte:

"Mit einer Senkung des Personalschlüssels pro Kindergartengruppe
von 2 auf 1.5 Mitarbeiter will die
Landesregierung 400 Mio DM im Bereich der
Kindertagesstättenförderung im Landeshaushalt einsparen.
Die damit frei werdenden 4000 Vollzeitstellen
sollen sozialverträglich abgebaut werden".
(Quelle: http://www.online-club.de/m4/henne/mgh_kg_h.htm
+ Folgelinks)

In Bayern läuft das neue Fördermodell im Prinzip auf das gleiche hinaus:

Dort wo bisher die Regel galt:
2 Erzieherinnen pro Gruppe mit maximal 25 Kindern

soll zukünftig gelten:
1 Mitarbeiterin auf 16,6 Kinder
dem entspricht 2 Mitarbeiterinnen auf 33,2 Kinder pro Gruppe (die
bisherige Höchstgruppenstärke von 25 Kindern wird in dem neuen
marktorientierten Modell aufgehoben).

Das NRW-Konzept einem geplanten Einsparvolumen von 400 Mio DM
sah den Abbau von 4000 Vollzeitstellen vor
NRW: 1.5 Erzieherinnen auf 23 bis 27 Kinder entsprechend
1 Erzieherin auf 15,3 bis 18 Kinder

Die neue Vorgabe aus Bayern lautet:
1 Mitarbeiterin pro 16,6 Kinder als Mindestpersonalschlüssel.

Die Äquivalenz der Zahlen in Bayern mit den Vorgaben in Land
Nordrhein-Westfalen ist deutlich sichtbar.


Auf dem Punkt gebracht, soll in Bayern mit dem neuen marktorientierten
Modell versucht werden,
die bisher staatlich eingesetzten Gelder für die Kindergärtenförderung
in Bayern in deutlichem Umfang, wenn auch schleichend und verdeckt,
zu reduzieren.

Dass sich damit die Bedingungen für unsere Kinder in den Kindergärten
verschlechtern müssen, ist offensichtlich. Auch dass mit der
Einführung des neuen marktorientierten Konzepts Tausende von
Vollzeitarbeitsplätzen für Erzieherinnen wegfallen müssen, auch
das ist durch eine nackte Zahlenanalyse und dem Vergleich zum Vorhaben
in Nordrhein-Westfalen klar zu erkennen.

In NRW wurde klar gesagt, wo der Weg hinführen soll, nämlich zu
Einsparungen der Gelder, mit denen das Land NRW bisher die
Kindertageseinrichtungen gefördert hat.

Nur in Bayern läuft verdeckt ab, was in NRW offensichtlich war:

Unter den eher positiv besetzten Schlagworten - Flexibilisierung,
Qualitätsmanagement, Internetpräsentation - wird versteckt, was
wegen des komplizierten und nicht so einfach zu durchschauenden
Systems des jährlich neu zu berechnenden Basiswerts (ein vom
Freistaat Bayern festzusetzender Förderbetrag pro Kind und Stunde),
Korrekturfaktoren, Fragebogenaktionen und Qualitätskommissionen,
in denen Erzieher und Eltern aber nur beratende Funktion haben:

Die Mittel, mit denen die Kindergärten bisher staatlich unterstützt
wurden, sollen reduziert werden. Will heißen

IN BAYERN SOLL AN DEN KINDERN GESPART WERDEN!

Wenn Kinder und Familien in Bayern nicht nur in den ersten drei Lebensjahren
Des Kindes mit Familiengeld und Landeserziehunggeld, sondern auch nach
den 3 Jahren weiter gefördert werden sollen, brauchen wir kein
neues instabiles und chaotisch konzipiertes
"neues Fördermodell" sondern schlicht und einfach eine

ABSENKUNG DER HÖCHSTGRUPPENSTÄRKE IN DEN KINDERGÄRTEN

um die Entwicklungsbedingungen für unsere Kindern in den Kindergärten
in Bayern weiter zu verbessern.

Heidrun.Kolinsky@t-online.de




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