Das Bay. Kindergartengesetz ist überholt

von Schmidt am 26. Februar 2002 um 13:36 Uhr
als Antwort zu: Schön!!! von Barbara Perras-Emmer, Städt. Kindergarten Parsberg am 25. Februar 2002 um 16:01 Uhr

Liebe Frau Perras-Emmer,

vielen Dank für Ihren Beitrag. Eine Gruppe von Eltern aus unserem Raum hat sich auf Anraten einer Fachberaterin mal mit dem real existierenden Bayerischen Kindergartengesetz auseinander gesetzt.

Wie der Beitrag von Herrn Detering zeigt, meinen wohl viele, dass es bei der neuen Förderung um eine Verschlechterung der bisherigen Rahmenbedingungen ginge. Ich finde das ist Voreingenommenheit. Viele wissen gar nicht wie die gesetzlichen Rahmen momentan in Bayern sind. Wieviele Ungerechtigkeiten durch die "scheinbar gleiche" Förderung entstehen, die in Wirklichkeit sehr ungleich ist, ist vielen nicht bewusst.

Zwar sind die Rahmenbedingungen in Bayern im Ländervergleich gar nicht schlecht, aber die Rahmen sind im Kindergartengesetz leider recht weich formuliert. So ist die sog. Verfügungszeit (also Vorbereitungszeit usw.) eine Kannbestimmung, viele tun jedoch so, es wäre sie verbrieft. Es heisst bis zu einer Fachkraft. Also nicht: eine Fachkraft.

Wenn jemand hohe eine Auslastung hat, bekommt er nicht mehr als eine Fachkraft - bisher. Hier sind die Rahmen zu grob. Wer eine Auslastung an der unteren Grenze hat, hat gute Rahmenbedingungen, wer eine hohe hat, hat schlechte.

Die Aufnahme von anderen Altersgruppen als 3 - 6 Jährige, ist per Kindergartengesetz nicht vorgesehen. In anderen Bundesländern gibt es das bereits. Hier muss man auch in Bayern dringend ändern. HIer müssen andere Rahmenbedingungen her und das Gesetz verbessert werden. (Die Faktoren sind ein Lösungsansatz in die richtige Richtung).

Daneben gibt es im bayerischen Kindergartengesetz recht unsinnige bürokratische Regelungen - von denen ich zugeben muss, dass ich sie gar nicht alle verstehe. Sie werden wohl zudem von Bezirk zu Bezirk unterschiedlich interpretiert.

Die von Ihnen beschriebene Wechselgruppe ist eine von diesen bedenklichen Dingen, die man derzeit noch im Kindergartengesetz findet.

Ganz allgemein, sind wir höchst erstaunt, wie kompliziert die Regelungen im Bayerischen Kindergartengesetz sind und wie ungenau teils die Formulierungen. Außderdem gibt es auch dort sehr wohl Auslastungsgrenzen und Beschränkungen bei der Förderung, wenn bestimmte Grenzen unterschritten werden - bei den Diskussionen vor Ort (auch unter uns Eltern) wird jedoch häufig so getan, als wäre momentan alles finanziert worden. Das stimmt nicht!

Wechselgruppen gibt es in unserem Raum keine mehr, da ist die letzte schon vor einiger Zeit Dank Schaffung neuer Plätze (Nachmittagsplätze sind i. d. R. "Notnägel" für Eltern) "ausgestorben".

Wie bei Ihnen ist in unserem Landkreis der echte "Ganztagsbesuch" (über 38 Stunden in der Woche) nur bei Kindern von Vollzeitberufstätigen gegeben und auch hier nicht in jedem Fall (Freiberufler, Schichtarbeiter, Lehrer, oder andere Berufe, die die Zeit einteilen können und unterschiedlich arbeiten, fragen oft kürzer nach).

Familien haben immer differenzierte Arbeitszeitmodelle. Vor allem dadurch verändert sich die Nachfrage bei den Betreuungszeiten für die Kinder. Kinder und ihre Familien möchten z. B. an einzelnen Tagen ganztags kommen, an anderen halbtags und am nächsten Tag vielleicht bis 14.00 Uhr. Darauf müssen sich die Einrichtungen einstellen und auch entsprechende Angebote machen. Sie konkurrieren hier zudem mit anderen (Bildungs)- einrichtungen und privaten Angeboten.

Nach meiner Meinung muss ein neues Finanzierungs-Konzept diese flexiblen Zeiten fördern und besser ermöglichen. Familien entlasten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern, Kinder bilden, betreuen, erziehen und fördern und gleichzeitig Arbeitsplätze für Erziehungspersonal sichern - das sind doch ein wirklich wichtige Ziele!

Genau so, wie Sie das für Ihre Einrichtung beschreiben, kann ich mir das auch vorstellen:

Familien haben einen unterschiedlichen Bedarf und der wird vernünftig, intelligent und kindgemäß in flexible Angebote umgesetzt. Schwankende Bedarfe sind kein Problem, wie man sieht. Ein ungefähres Maß zu haben reicht aus, um vernünftig organisieren zu können. Das muss natürlich auch finanzierbar sein.

Deshalb ist zu fordern, dass das Geld, das bisher für die Kindergärten zur Verfügung stand, auch dann bleibt, wenn die Kinderzahl zurückgeht. Nur dann kann man auch mit weniger Kindern noch Gruppen halten, die nach dem Bayerischen Kindergartengesetz nicht mehr finanzierbar wären.

Wenn man die Ergebnisse der PISA-Studie ausgewertet hat, sollte sich die Staatsregierung überlegen, wie man Kinder in den Kindergärten (Schulen und der Freizeit) noch besser in ihrer Entwicklung unterstützen kann. Stünde es Bayern nicht gut zu Gesicht, wenn man dafür zusätzliche Mittel erschließt? Dabei sollte man auch die Ausbildungsstandards, die strukturellen Bedingungen in anderen Ländern (z. B. breite Altersmischung) einbeziehen und keine Schnellschüsse machen. Gerade der Modellversuch liefert eine gute Datenbasis, um hier Wirksames entwickeln zu können.

Was meinen Sie?



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