Ringelnatz?

von Günter Krauß, ISKA am 28. Februar 2002 um 00:17 Uhr
als Antwort zu: ...dass nicht sein kann, was nicht sein darf von Gerd Detering am 21. Februar 2002 um 12:39 Uhr

Nana, Herr Detering, das mit dem "nicht sein kann, was nicht sein darf" war nicht Ringelnatz, sondern Christian Morgenstern (Gedicht "Die unmögliche Tatsache"). Weniger tiefgründig als das Gedicht ist die Geschichte mit den 32 Kindern.

Dass es in Kitas auf Grund kurzfristigen Personalausfalls (Grippewelle etc.) gelegentlich Überlastungssituationen gibt, weil am Morgen nicht gleich Vertretungen in ausreichender Zahl parat sind, kann kein Fördermodell verhindern. Aber was wäre, wenn man den Gedanken von einer Fachkraft für 32 Kinder ernsthaft durchrechnet?

Eine Vollzeitkraft auf 32 Kinder in der Gruppe entspräche einem Anstellungsschlüssel von 1:24,9 (bei einer durchschnittlichen Nutzungszeit von 6 Stunden), von 1:20,8 (bei einer durchschnittlichen Nutzungszeit von 5 Stunden) oder von 1:16,6 (bei einer durchschnittlichen Nutzungszeit von 4 Stunden). Rechenweg: (32 Kinder x 6 Nutzungsstunden)/7,7 Arbeitsstunden = 192/7,7 = 24,9. Völlig jenseits des Mindestanstellungsschlüssels von 1:12,5.

Nun ist der Mindestanstellungsschlüssel von 1:12,5 ja auch in keinster Weise angestrebt. Finanziert wird - vereinfacht ausgedrückt - in etwa ein Schlüssel von 1:10. Für 32 Kinder, die täglich 4 Stunden anwesend sind (typisch Halbtagsgruppe) wären ca. 72 Arbeitswochenstunden (z.B. 3x24 Stunden) finanziert. Sind die Kinder im Durchschnitt 6 Stunden anwesend (typisch Ganztagsgruppe), wären es ca. 98 Wochenarbeitsstunden (z.B. 2x38,5 + 21 Std.). Rechenweg: 32x6=196 Nutzungsstunden. 196/10=19,6 Arbeitsstunden pro Tag (für Schlüssel 1:10). 19,6x5=98 Wochenarbeitsstunden.

Und schließlich: Unter den Bedingungen des alten BayKiG gab es an den Modellstandorten im Jahr 2000 Einrichtungen mit einem Anstellungsschlüssel von schlechter als 1:12,5 (bis 13,1). Nach dem neuen Fördermodell müssen diese Einrichtungen zusätzlich Personal einstellen, und sie bekommen dieses zusätzliche Personal auch finanziert (anders als bisher).

Das soll eine Verschlechterung sein? Ich hoffe ja nicht, dass das Zitat auf Sie selbst zutrifft. ;-)

"Und er kommt zu dem Ergebnis,
nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil, so schließt er messerscharf,
nicht sein kann, was nicht sein darf."

Mit freundlichen Grüßen
Günter Krauß



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