Kinder sind keine Wirtschaftsobjekte

von Leonhard Weber Familienvater am 15. März 2002 um 09:27 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

erst über eine Podiumsdiskussion auf die neue geplante Kindergartenregelung aufmerksam gemacht, möchte ich als Familienvater hierzu wie folgt Stellung nehmen.

Meine Kinder sind nicht aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen heraus entstanden, sonder aus Liebe. Aus eben dieser Liebe versuchen wir, also meine Frau und ich unseren Kinder die bestmögliche Erziehung zu vermitteln, um Sie auf Ihren späteren Lebensweg und die dazu gehörigen Wertevorstellungen vorzubereiten. Würden wir wie viele unserer Mitbürger unsere Kinder unter betriebswirtschafltichen Gesichtspunkten betrachten, müßten wir Sie sofort abstoßen, da Sie weder Rentabilität noch Gewinnerwartungen besitzen. Tun wir aber nicht, da wir wie schon erwähnt unsere Kinder lieben. Trotz immer häufiger zu hörenden Aussagen wie etwa: Ich bezahle Hundesteuer und Sie erhalten Kindergeld, oder Unverschämt daß Kinder keine Kassenbeiträge bezahlen müssen, wir als Doppelverdienende, kinderlose Paare jedoch schon.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Was mich überrascht und auch zutiefst schockiert hat, ist Ihr klares Statement eben unsere Kinder und damit unsere und Ihre Zukunft auf einen rein betriebswirtschaftlichen Aspekt zu reduzieren. Ich gebe Ihnen hier Ihre Aussage in einem kurzen Satz wieder: wenngleich viele Träger versuchen werden, die Beitragssätze zu erhöhen und diese Erhöhungen auf andere Stellen, sprich die Regierung abzuwälzen. Da diese Kindergärten in der Vergangenheit nicht betriebswirtschafltich betrieben wurden. Wir möchten Sie daran erinnern, daß es Bundesländer gibt, in denen keine Beiträge erhoben werden. Wettbewerb im Kindergarten eignet sich höchstens in Ballungsräumen, jedoch nicht auf dem flachen Land, wo es pro Gemeinde nur einen vielleicht manchmal zwei Kindergärten gibt.
In dem Kindergarten, den unsere Kinder besuchen werden alle von Ihnen im Rahmen der Qualitätsverbesserung genannten verpflichtenden Maßnahmen bereits seit geraumer Zeit praktiziert. Dieser Kindergarten ist nicht am Modellversuch beteiligt. Auch gibt es bereits ein Elternkaffee, verschiedene Vortagsveranstaltungen, diverse Elternabende und auch ein Förderverein für die Arbeit der Kindertagesstätte wurde ins Leben gerufen. Dies alles auf Veranlassung engagierter Fachkräfte und völlig ohne Wettbewerbsdruck. Jedoch gibt es auch einen zweiten Kindergarten hier vor Ort, der diese Neuerungen noch nicht in dem Maße verinnerlicht hat, wie der Unsere. Dies führt dazu, daß eine Vielzahl von Eltern Ihre Kinder bei dem Unseren anmelden. Letztendlich entsteht die paradoxe Situation, daß Kinder die im unmittelbarem Umfeld des Kindergartens leben, auf Grund fehlender Plätze nicht berücksichtigt werden können, da bereits etwas älter Kinder aus dem anderen Eck der Gemeinde über eine größere Distanz gebracht werden. Dies denken wir, wird eine allgemeine Entwicklung Ihres Modells sein. Eltern die die Möglichkeit haben Ihre Kinder jeden morgen mit dem Auto zu einem weiter entfernten Platz zu bringen, werden dies durch Sie gefördert auch tun. Die Folge = Kindergartentourimus. Mit Ihrem modell grenzen Sie klar Einkommensschwache Familien aus, die aufgrund nicht vorhandener Mittel, nicht die Möglichkeit haben werden an dem von Ihnen geforderten Wettbewerb teilzunehmen.
Acu halte ich es nicht für sinnvoll, daß sich zukünftig Betreuer gleichermaßen um Wickelkinder, Kindergartenkinder und Schulkinder kümmern, die völlig unterschiedliche Interessen haben. Kindergärten, die nicht die Kinder der Einkommensstarken Minderheit dieses Bundeslandes abschöfen können, werden über Belegzahlen gezwungen Ihre Wirtschaftlichkeit zu rechtfertigen. Und dies geschieht unserer Meinung wieder auf Kosten unserer Kinder. Die Folge wird sein, daß es vielerorts zu Aufbewahrungsanstalten kommt. Wie wollen Sie, den gesetzlich zugesicherten Kindergartenplatz zukünftig aufrecht erhalten ????

Diese Regierung zieht immer sehr gerne mit wehenden Fahnen der großzügigen Familienunterstützungspolitk ins Felde. Womit rechtfertigen Sie dann, die Degradierung unserer Kinder auf Wirtschaftsgüter ?????

Ich finde es völlig falsch, unseren Kindern bereits in kleinstem Alter, dieses bei uns herrschende Anspruchsdenken vorzuleben. Nach dem Motto, meine Alten haben Kohle und ich bin hier im Salemkindergarten. Deine alten haben nichts, sei froh das du überhaupt irgendwo unterkommst.

Haben Sie vergessen, daß gerade die Einkommensschwachen Familien, bei denen beide Elternteile mit Ihrer Arbeitskraft zum Unterhalt beitragen müssen, oftmals nicht in der Lage sind höhere Beiträge zu finanzieren ???

Müssen wir Sie daran erinnern, daß gerade auf dem flachen Land, und Bayern betrachtet sich ja wohl als Flächenstaat, die Verkehrsinfrastruktur nicht oder nur unzureichend funktioniert.

Falls Sie nicht vor Überlastung an Ihre Leistungsgrenzen gestoßen, sind würde ich gerne Antworten auf meine Fragen erhalten.


Mit freundlichen Grüßen, auch an unseren Ministerpräsidenten !!



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