Fachkompetenz erwünscht

von Dunkl, StMAS am 14. April 2002 um 12:31 Uhr
als Antwort zu: Fachkompetenz unerwünscht von Sibylle Lust Arbeitsgemeinschaft sozialpädagogischer Berufsverbände und Gewerkschaften am 11. April 2002 um 12:38 Uhr

Sehr geehrte Frau Lust, sehr geehrte Mitglieder der ASBG,

der Beitrag erstaunt doch sehr. Ich bedaure, dass die ASBG den offenen Diskussionsprozess und die weitreichenden Mitwirkungsmöglichkeiten aller Beteiligten (Kommunen, Träger, Eltern, pädagogisches Personal und auch Kinder/Schüler) nicht zur Kenntnis nehmen will. Wann hat es das jemals in einem Gesetzgebungsverfahren gegeben, dass der Reform einerseits ein mehrjähriges Modellvorhaben vorgeschaltet wird und andererseits eine fachlich fundierte Diskussion mit Hunderten, wenn nicht Tausenden von Beteiligten auf allen Ebenen erfolgt. Ich kenne keinen Vorgang, der mehr das Prädikat "demokratisch" verdient als der gegenwärtige Modellversuch. Es entspricht einfach nicht der Wahrheit, dass gerade das pädagogische Personal nicht in den offenen Entwicklungsprozess einbezogen würde. Das StMAS steht mit einer Vielzahl von Erzieherinnen im schriftlichen Kontakt. Wir versuchen ferner, im Rahmen unserer Kapazitäten vor Ort mit dem pädagischen Personal ins Gespräch zu kommen. Wir zählen gemeinsam mit ISKA bereits über 250 Veranstaltungen. Für den 1.10.2002 ist ferner ein Fachtag geplant, um die Diskussion und den unmittelbaren Kontakt noch zu intensivieren. An den Modellstandorten sind in den örtlichen Arbeitsgemeinschaften Erzieherinnen vertreten. In der Modellkommission auf Landesebene wurde den Berufsverbänden darüber hinaus ein Platz angeboten. Das Besetzungsverfahren ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Frau Lust war jedoch in der letzten Modellkommissionssitzung Gast.
Schlicht falsch ist die Einschätzung, die Reformbemühungen seien einseitig und würden die pädagogischen Inhalte nicht umfassen. Richtig ist, dass der Modellversuch "Entwicklung und Erprobung eines neuen Finanzierungskonzepts für Kindertagesstätten" zunächst den Auftrag verfolgt, ein neues tragfähiges Fördersystem zu entwickeln. Essentieller Bestandteil der Modellbedingungen ist jedoch die Verknüpfung mit qualitativen Merkmalen. Dabei sind wir der Auffassung, dass die Forderung nach gesetzlich festgelegten Strukturen (z.B. gesetzliche Vorgaben zur Verfügungszeit, zur Freistellung der Leitung, zur Fortbildung, zur Organisation) pädagogische Weiterentwicklung eher hindert. Regulierung bedeutet Einschränkung von Flexibilität. Den örtlichen Besonderheiten könnte nicht hinreichend Rechnung getragen werden. Das Mißtrauen Trägern gegenüber, diese würden bei entsprechender Deregulierung alles daran setzen, einzusparen und die Bedarfslagen unberücksichtigt zu lassen, ist durch nichts gerechtfertigt. Die Träger verhalten sich sehr verantwortungsbewusst.
Wir wollen daher Deregulierung in den Strukturen, um die Verantwortung der Träger und Kommunen zu stärken und der örtlichen Gestaltung Raum zu geben. Als Mindestvorgaben halten wir gesetzliche Festlegungen zur Qualifizierung des pädagogischen Personals und zum Kind- Personal- Schlüssel (erprobt wird der sog. Anstellungsschlüssel) für ausreichend. Für notwendig halten wir aber einen höheren Regulierungsgrad im inhaltichen Bereich. Es ist daher geplant die 4. Durchführungsverordnung zu den Mindestzielen für die Bildungs- und Erziehungstätigkeit weiterzuentwickeln und einen Bildungs- und Erziehungsplan für den gesamten Betreuungsbereich zu erstellen. Dieses Vorhaben findet nach den ersten Gesprächen mit Erzieherinnen positive Resonanz. Ich habe den Eindruck, dass das pädagogische Personal einen verbindlichen pädagogischen Orientierungsrahmen für wünschenswert halten. Dieser Bildungs- und Erziehungsplan soll zwar nicht die Regelungsdichte eines Lehrplans erhalten, jedoch wesentlich differenzierte Aussagen als die gegenwärtig gültige 4. DVBayKiG aufweisen. Auch in diesem Verfahren - dies habe ich bereits angedeutet - sind Erzieherinnen, Sozialpädagoginnen und Kinderpflegerinnen eng eingebunden. Mit der Erarbeitung des Bildungs- und Erziehungsplans ist das Staatsinstitut für Frühpädagogik beauftragt. Mit ersten Ergebnissen rechnen wir bis Herbst 2002.

Ich würde es außerordentlich bedauern, wenn die ASBG sich mit ihrer Konfrontationslinie aus diesem Diskussionsprozess verabschieden würde. Dies gilt umso mehr, als ich in den letzten Monaten versucht habe, den direkten Kontakt mit Berufsverbänden zu intensivieren und Brücken für eine Zusammenarbeit zu bauen. In diesem Zusammenhang möchte an dieser Stelle die Kooperation mit der KEG nennen, die beispielsweise zur Erzieherinnenausbildung bemerkenswerte konstruktive Vorschläge unterbreitet hat. Wer die Kommunikation mit uns sucht, wird auch Gehör finden.



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