Öffnungszeiten - Nutzungszeit-Problematik u. unterschiedl. Auslegungen Kiga.gesetz

von Röthlingshöfer, Alexandra, Bay. ELVKita am 02. Juli 2002 um 12:09 Uhr
als Antwort zu: Lange Öffnungszeiten von Berger Bärbel, AWO- Kindergarten - Neu-Ulm am 19. Juni 2002 um 08:47 Uhr

Liebe Frau Berger,

Sie sprechen eine grundsätzliche Fragestellung des Modells an.

Fragestellung: Werden sich lange Öffnungszeiten künftig mehr "lohnen" als bisher? Werden flexible(ere) Angebote für Familien finanzierbar bleiben oder werden?

Dahinter steht die Sorge: Nutzen Familien die Öffnungszeiten zwar aus, buchen aber trotzdem durchschnittlich verhältnismäßig wenig, so dass die Förderung künftig niedriger ausfallen könnte als heute? Rechnen sich lange und flexible Öffnungszeiten?

Ich sehe darin den Sinn der Erprobungsphase, dass man genau solchen Problemstellungen genauer nachgeht. Modellziel ist ja ein flexibles Betreuungs-Erziehungs- und Bildungsmodell, oder?

Die Träger und Einrichtungen in der Modellregion Bayreuth legen auf Flexibilität und Angemesseneheit von Öffnungszeiten jedenfalls sehr viel Wert und beobachten hier sehr genau, welche Effekte im Erprobungszeitraum eintreten. Wir vergleichen die Werte aller evang. 26 bzw. 28 Modelleinrichtungen (Vergleich und Auswertung Nutzungszeitprofile, Öffnungszeiten insgesamt, Schließtage, Belegung während Schulferienzeiten, etc) und ziehen Schlüsse daraus.

Bei entsprechender Häufung solcher von Ihnen beschriebenen Effekte werden die Träger und Einrichtungen Alarm schlagen.

Bisher ist es jedoch so, dass bei uns die Einrichtungen mit den längsten Öffnungszeiten meistens auch die längsten Buchungszeiten haben und daher eher mit Entlastung rechnen können. Selbstverständlich ist das ist aber nicht zwangsläufig so und auch bei uns nicht in jedem Falle so. Andere Unstände, wie Altersmischung spielen dabei eine immer größere Rolle - das muß man im Auge behalten.

Wir beobachten z. Zt., dass die Betreuungsbedarfe der Familien immer differenzierter, aber nicht unbedingt länger werden. Hier ist für mich ein besonderer Augenmerk bei der Auswertung des Modellversuches zu legen und ggf. sind hier Veränderungen, die dann auch den Basiswert betreffen können, nötig.

Da dies komplexe Auswirkungen nach sich zieht, ist hier jedoch fundiert und mit Bedacht vorzugehen.

Sie schneiden ungewollt allerdings auch ein zweites Problem an,
nämlich die bei der alten Bezuschussung örtlich sehr verschiedene Auslegung des § 5 Abs. 3 3. DV zum BayKiG. Im Raum Bayreuth hätte man allein aufgrund einer langen Öffnungszeit niemals zusätzliches Personal erhalten, sondern nur durch eine Kumulation von verschiedenen erschwerenden Bedingungen in einer Einrichtung. (Hoher Ausländeranteil, hohe Auslastung über Mittag, lange Öffnungszeiten, Verhaltensauffälligkeiten oder Behinderungen, z. B.)

In wieder anderen Landkreisen bzw. Städten gibt es auch bei oben beschriebenen erschwerten Bedingungen keine Zusatzkräfte, weil die Kommunen dem nicht zustimmen. (Zusatzkräfte sind "Freiwillige Leistungen" - ohne Zustimmmung der zuständigen Kommune wird keine Genehmigung durch Aufsichtsbehörde erteilt).

Die Auslegung und Anwendung des § 5 Abs. 3 3. DV BayKIG sind also bisher regional sehr ungleich. Es gibt viele mit Ihnen vergleichbare Einrichtungen, die bei ähnlichen Öffnungszeiten keine zusätzlichen Kräfte haben. Das betrifft auch eine unserer Modelleinrichtungen.

Die neue Finanzierung würde hier allerdings prinzipiell helfen, vergleichbarere Bedingungen für Kindertageseinrichtungen zu schaffen, da die Höhe der Zuschüsse von Staat und Kommune durch die Faktoren und die Auslastung (Betreuungszeit-Faktór) bestimmt würde.

Trotzdem gilt es mögliche Sondersituationen, die nicht über Faktoren abgedeckt werden, zu erfassen, und dafür Lösungen in die neue Bezuschussung einzubauen.

Viele Grüße

Alexandra Röthlingshöfer
Fachberaterin Bay. Evang. Tageseinrichtungen
Fachberatung in Bayreuth



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