Was kann der Basiswert beweisen?

von Dr. Heidrun Kolinsky, Wissenschaftlerin am 24. Januar 2001 um 07:10 Uhr

Sind in Bayern nun Einsparungen in der Kindertagesstattenfoerderung geplant oder nicht?

Nach den Worten von Herrn Krauß wäre es ja offensichtlich, dass der Freistaat Bayern an den Kindern nicht sparen wolle, denn, so lautet seine Begründung:

Basiswert = jährlicher staatlicher Förderbetrag für 4-stündige Betreuung eines Kindes

" Um diesen Wert zu ermitteln, wird letzten Endes der gesamte für den
Kindergarten vorgesehene Staatshaushalt durch die Zahl der Nutzungsstunden
unter Berücksichtigung der genannten Gewichtungen dividiert.

Auf diese Weise wird gesichert, dass mit dem MQS-Modell (markt- und
qualitätsorientierte Steuerung) keine Einsparungen vorgenommen werden,
wie häufig, auch auf Beiträgen in diesem Diskussionsforum, unterstellt."

Nach den Worten von Herrn Krauß wäre es ja offensichtlich, dass der Freistaat Bayern an den Kindern nicht sparen wolle, denn, so lautet seine Begründung:

Basiswert = jährlicher staatlicher Förderbetrag für 4-stündige Betreuung eines Kindes

" Um diesen Wert zu ermitteln, wird letzten Endes der gesamte für den
Kindergarten vorgesehene Staatshaushalt durch die Zahl der Nutzungsstunden
unter Berücksichtigung der genannten Gewichtungen dividiert.

Auf diese Weise wird gesichert, dass mit dem MQS-Modell (markt- und
qualitätsorientierte Steuerung) keine Einsparungen vorgenommen werden,
wie häufig, auch auf Beiträgen in diesem Diskussionsforum, unterstellt."

Von der formalen Logik her ist die Aussage Herrn Kraußes schlicht und einfach falsch.


Wie die unvermeidlich zeitlichen Schwankungen (sowohl die Höhe des Staatsetats als auch die nachgefragte Nutzungszeit kann sich von Jahr zu Jahr ändern. Wie die Berechnung eines zeitlichen Änderungen
des Bruches aus beiden Zahlen, des "Basiswertes", in irgend einer Form beweisen soll, dass keine Einsparungen geplant wären, ist in keinster Weise nachzuvollziehen.

Der Basiswert würde z.B. allein durch die generelle Inflationsrate sinken, wenn bei Mittel des Staatshaushalts eingefroren würden und die Buchungszeiten gleich bleiben würden.

Der Basiswert würde weiterhin sinken, sollten die Mittel des Staatshaushaltes gleich bleiben und die Nachfrage nach Betreuungszeiten ansteigen würde, z.B. wenn vermehrt Eltern mit Wickelkindern und Eltern von Schulkindern bayernweit ihre Kinder in die Kindergärten geben wollten (mit dem neuen Modell soll der Kindergarten ja für 0-12 jährige geöffnet werden, recht wahrscheinlich sein könnte).

Tritt eine steigende Nachfrage auf (mehr Buchungszeiten) muß durch eine größere Zahl als im Vorjahr geteilt werden müssen. Aufgrund der Berechnungsformel sinkt der Basiswert und damit die staatliche Förderung pro Betreuungsstunde, wobei aufgrund der Altermischung die pädagogischen Anforderungen an die Kindergärtnerinnen ansteigen werden, so ist jetzt aufgrund des gesunkenen Basiswert die Grundeinheit pädagogische Arbeit weniger wert sein wird. In diesem Fall wird an der staatlichen Förderung des einzelnen Kindes gespart.

Mathematisch gesehen handelt es sich bei der Berechnung des Basiswertes um eine Quotientengleichung:

Basiswert = zur Verfügung gestellter Staatsetat / (faktorkorrigierte Gesamtbetreuuungszeit)
Nach den Worten von Herrn Krauß wäre es ja offensichtlich, dass der Freistaat Bayern an den Kindern nicht sparen wolle, denn, so lautet seine Begründung:

Basiswert = jährlicher staatlicher Förderbetrag für 4-stündige Betreuung eines Kindes

" Um diesen Wert zu ermitteln, wird letzten Endes der gesamte für den
Kindergarten vorgesehene Staatshaushalt durch die Zahl der Nutzungsstunden
unter Berücksichtigung der genannten Gewichtungen dividiert.

Auf diese Weise wird gesichert, dass mit dem MQS-Modell (markt- und
qualitätsorientierte Steuerung) keine Einsparungen vorgenommen werden,
wie häufig, auch auf Beiträgen in diesem Diskussionsforum, unterstellt."

Betrachten wir ein Analogiemodell ebenfalls mit einem
Quotienten als entscheidende Größe:

Zunächst noch einmal die Aussagen zu Basiswert:

Basiswert = jährlicher staatlicher Förderbetrag für 4-stündige Betreuung eines Kindes

" Um diesen Wert zu ermitteln, wird letzten Endes der gesamte für den
Kindergarten vorgesehene Staatshaushalt durch die Zahl der Nutzungsstunden
unter Berücksichtigung der genannten Gewichtungen dividiert."

Vergleichbar ist die Quotientengleichung des Basiswertes mit der des Stundenlohns:

Stundenlohn = Gehalt geteilt durch geleisteten Arbeitsstunden.

Auch hier gilt: Bleibt das Gehalt gleich und nimmt die Anzahl der geleisteten Stunden zu, und zahlt der Arbeitgeber keine Überstunden, so bleibt das Gehalt gleich und der
effektive Stundenlohn sinkt.

Steigt sowohl Gehalt als auch die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden, so kann der Stundenlohn entweder sinken oder steigen. Ob nun der effektive Stundenlohn steigt oder sinkt, das hängt ganz davon ab, in welchem Maße das Gehalt und in welchem Maße die geleisteten Arbeitsstunden zunehmen.

Vergleicht man die Aussage von Herrn Krauß zu dem Quotienten Basiswert mit dem Quotienten Stundenlohn sagt Herr Krauß sinngemäß folgendes:

Der als Gehalt vom Arbeitgeber vorgesehene Wert (dessen Höhe ist tariflich nicht festgeschrieben ist und über dessen Höhe allein der Arbeitgeber entscheidet = der gesamte für die Kindergartenförderung vorgesehene Staatsetat ) wird durch die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden (Zahl der Nutzungsstunden unter Berücksichtigung der Gewichtungen)
geteilt. Dieser Quotient ist im dem gewählten Vergleichsbeispiel der effektive Stundenlohn (im Fall der Kindergartenförderung wird der analoge Quotient als Basiswert bezeichnet).

Und dann folgert Herr Krauß:
"Auf diese Weise (Anmerkung von mir: dadurch, dass der Basiswert berechnet wird) wird gesichert, dass mit dem MQS-Modell (markt- und qualitätsorientierte Steuerung) keine Einsparungen vorgenommen werden, wie häufig, auch auf Beiträgen in diesem Diskussionsforum, unterstellt."

Was würden Sie zu Ihrem Arbeitgeber sagen, wenn er zu Ihnen sagt, dass Ihr zukünftiger Stundenlohn allein davon abhängen wird, wieviel Geld er insgesamt an seine Arbeitnehmer (=Gesamtfördervolumen) auszuzahlen gedenkt und wieviel Arbeit (=Zahl der Nutzungsstunden unter Berücksichtigung der Gewichtungsfaktoren anfallen) wird.
Auf beide Werte haben Sie als Arbeitnehmer keinen Einfluß.

Nachdem Ihnen Ihr Arbeitgeber dieses marktorientierte Modell der Steuerung vorgestellt hat, versichert er Ihnen, dass er keine Einsparungen vor hätte, weil er zukünftig den Wert des Quotienten aus beiden Zahlen auf Ihrer Einkommensberechnung ausdrucken wird.

Durch diese falsche formale Logik (Berechnung des Basiswertes als Begründung, daß ja keine Einsparungen geplant wären) kann natürlich weder der Arbeitgeber (Berechnung des Stundenlohnes), noch Herr Krauß noch das Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung etwas begründen.

Die richtige logische Aussage wäre dementsprechend: dass nicht einspart werden Sie soll, erkennen Sie daran, dass ich Ihnen auf der Basis des aktuellen Gehalts und der anfallenden Stunden den aktuellen Stundenlohn bzw. den Basiswert berechne und diesen Wert in den folgenden Jahren mindestens in der Höhe der Inflationsrate und der tariflichen Entwicklung steigern werde.

Dementsprechend müsste auf der Basis der jetzigen Zahlen mit einem reellen und realistischen MQS-Modell der Basiswert berechnet und dessen zukünftigen Steigungsrate festgeschrieben werden, falls wirklich nicht an den Kindern eingespart werden sollte. Eine steigende Nachfrage nach Kinderbetreuungszeiten aufgrund der Öffnung der Kindergärten für 0-12 Jährige müsste dann, wenn wirklich nicht eingespart werden sollte, zu einer Erhöhung des Staatsetats führen.

Dann, und nur dann, wäre es gerechtfertigt, davon zu sprechen, dass keine Einsparungen an den Kindern vorgesehen sind.

Heidrun.Kolinksy@t-online.de


Diese Schlussfolgerung Herrn Kraußes entspricht in der logischen Analogie dem Fall, wenn ein Arbeitgeber zum Arbeitnehmer sagt: Dank des neuen MQS-Modells berechnen wir Ihnen zukünftig den Stundenlohn, daran sehen Sie, dass wir nicht einsparen werden.
Wie sich dieser Wert mit den Jahren verändern wird, und über die Höhe des zukünftigen Gehalts und der insgesamt zu leistenden Stunden (einschließlich Überstunden) (=zukünftige Entwicklung des Basiswertes) sagen wir Ihnen nichts.




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