Spezieller Förderbedarf

von Ellen Krause zusätzliche päd. Fachkraft, Kindergarten Arche, Unterschleißheim am 20. Oktober 2002 um 10:55 Uhr

Wie mehrfach im Forum gelesen, werden Kinder mit speziellem Förderbedarf bei den Gewichtungsfaktoren nicht mehr berücksichtigt. Es wäre ein zu großer organisatorischer Aufwand. Meine Stelle als zusätzliche päd. Fachkraft definiert sich aber über die Feststellung eines solchen Bedarfs im Kindergarten. Kinder werden intensiv beobachtet, es werden jährlich Soziogramme erstellt, die belegen, dass ein solcher Förderbedarf notwendig ist. Diese Soziogramme werden eingereicht, geprüft und daraufhin wird diese Zusatzkraft für ein weiteres Jahr genehmigt. Wir als Kindertagesstätte leisten also schon, wie viele andere auch, diesen erhöhten organisatorischen Aufwand. Natürlich sind wir nicht in der Lage, therapeutisch tätig zu werden. Aber wer, wenn nicht wir, soll den Eltern nahelegen, ihr Kind genauer anzuschauen, Beratungsstellen aufzusuchen etc. Viel Zeit für das Kind würde vertan, wenn es nicht engagierte Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen gäbe, die in der Lage sind, Kinder qualifiziert zu beobachten und dann Hilfe anzuregen. Wo bleibt bei Ihrem Modell also die Stelle der zusätzlichen päd. Fachkraft? Wie soll diese gefördert werden? Der Bedarf ist groß und wird meines Erachtens weiter steigen.
In meinem Team wird ebenfalls heftig darüber diskutiert, wie wir eine qualitativ gute Arbeit leisten sollen, wenn Eltern frei wählen können, welche Zeiten sie für ihr Kind buchen. Inzwischen heißt es, selbst die Kernzeit - nicht die, dass ich als Mutter 4-5 Stunden buche, sondern wann im Verlauf des Tages - soll abgeschafft werden. Das hieße in der Praxis, die ersten Kinder kommen um 7.00 Uhr , dann zwei um 8.30 Uhr. Die nächsten kommen erst um 10.00 Uhr, weil sie und ihre Eltern vielleicht Langschläfer sind, ( bin ich auch, aber ich habe feste Arbeitszeiten! )und die letzen kommen erst um 11.00 Uhr, weil Mama oder Papa Schichtdienst haben o.ä. Wie soll da eine Zugehörigkeit zur Gruppe entstehen? Wie sollen wir pädagogisch wertvoll und sinnvoll arbeiten, wenn ein ständiges Kommen und Gehen den Ablauf eines Tages unterbricht? Wo bleibt für das einzelne Kind die Struktur, die gefühlte Sicherheit, die Berechenbarkeit eines Kindergartens? Nichts gegen Flexibilität für unsere Eltern. M.E. praktizieren wir diese schon. Besuchszeiten können jederzeit geändert werden, dabei gehen wir von einer "Mindestbuchung" von 7.00 - 13.00 Uhr aus. Sie kann auf 14.00 - 15.00 - 16.00 Uhr ohne Probleme erweitert oder im umgekehrten Fall verringert werden. Elternumfragen werden jährlich schon seit langem von uns erstellt. Wir sind also auch hier, was den Bedarf angeht, immer auf dem Laufenden. Ich sehe schon, wie viele andere Kolleginnen auch, die Gefahr, dass der Kindergarten immer mehr nur zur Betreuung dient, nur den Eltern gerecht wird. Bildung und Erziehung, wie gesetzlich gefordert, treten immer mehr in den Hintergrund, leider. Wie mit dem Modell die geforderte Qualität gewährleistet werden soll, entzieht sich im Moment meiner Kenntnis. Durch den Rückgang der Kinderzahlen wäre hier eine einmalige Chance, die Gruppen zu verkleinern, um so intensiver mit den Kindern zu arbeiten. Die Bereitschaft des sozialpädagogischen Personals ist überall vorhanden. Ich persönlich bin sehr gespannt auf den Ausgang des Modells und auf die Reaktionen der Betroffenenm
Mit freundlichen Grüßen
Ellen Krause



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