Allerlei zum Hort

von Günter Krauß, ISKA am 06. November 2002 um 22:27 Uhr
als Antwort zu: Ja ich war da von Brigitte Hois am 31. Oktober 2002 um 22:46 Uhr

Hallo Frau Hois,

an der Fachtagung hatte ich es schon gesagt: unter dem Etikett "Hort" verbergen sich äußerst unterschiedliche Situationen - die "verdeckte HPT", die bis in den frühen Abend voll ausgelastete Einrichtung, aber auch die "bessere Mittags-Kurzzeitbetreuung". Insofern fällt es mir auch immer wieder schwer, von "dem" Hort zu reden.

Lieber wäre es mir eigentlich, wenn man die Diskussion nicht an der Institution, sondern am Kind aufhängen würde. Dann wird der Blick wird klarer: Was brauchen Kinder im Schulalter in der Zeit nach (und in einigen Fällen vor) der Schule? lautet dann die zentrale Frage. Und die kann man nur dadurch beantworten, dass man die Vielfalt kindlicher und familiärer Bedürfnisse, Interessen und Wünsche beschreibt. Kindertageseinrichtungen sollten dieser Vielfalt Rechnung tragen (können). Das bedeutet im einen Fall die sporadische Kurzzeitbetreuung und im anderen den großen pädagogischen Aufwand. Der "klassische" Hort könnte sich da m.E. ruhig noch ein ganzes Stück diversifizieren.

Ein wichtiger Hinweise bezüglich der Mindestbetreuungszeit: diese liegt an den Modellstandorten für den Kindergarten in der Tat in der Kategorie 3-4 Stunden, nicht aber für den Hort. Dort liegt die Untergrenze bei 2-3 Stunden.

Ihre Argumentationshilfe für einen Hortfaktor (Sollte man nicht besser gleich einen Schulkindfaktor definieren?) ist hilfreich. Ich war da bei einigen Diskussionen, die ich am Kommunikationsmarkt unserer eigenen Fachtagung geführt habe, durchaus in Begründungsnöte gekommen.

Bezüglich Ihres Argumentes "Mag ja sein, dass es in X keine Veränderungen der Buchungen gab, aber bei uns ist alles anders" würde ich immer nur mit einem Praxistest beantworten wollen. Die Erfahrung, mit einer solchen Veränderung zu rechnen, um dann zu erleben, dass es sich ganz anders verhielt, war schon recht eindrucksvoll für mich. Im Moment gibt es - auch das hatte ich an der Hortfachtagung gesagt - ein paar Hinweise darauf, dass die Buchungszeiten möglicherweise das Jahr über, besonders im September niedriger liegen als im Januar. Wenn sich das systematisch bestätigen, müssen wir unseren Basiswert entsprechend anpassen (erhöhen), da dieser unter der Annahme berechnet wird, dass die Verhältnisse zum Jahreswechsel im Durchschnitt das Jahr über anhalten.

Ihre Wahrnehmung, was die Einschätzung pädagogischer Arbeit im Hort durch Eltern angeht ("weniger wichtig"), ist sicher bei einem gewissen Prozentsatz der Eltern richtig. Auch hier sollte man aber eher auf die Unterschiedlichkeiten der Bedürfnisse und Notwendigkeiten achten, als von gleichen Voraussetzungen auszugehen. Bei einer Studie zur Schulkindbetreuung in Hamburg-Wilhelmsburg hatten wir bei einer repräsentativen Elternbefragung Ende der neunziger Jahre das bemerkenswerte Ergebnis erhalten, dass ein gutes Drittel der Eltern von "ihrem" Hort Unterstützung bei Problemen (mit dem eigenen Kind) für "ganz wichtig" einstuft. Das kann man ja schon fast als einen Hilfeschrei interpretieren.

Günter Krauß

PS: Jetzt werde ich gleich noch bei www.raupennest.com vorbeischauen.



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