Kostenneutralität: Basiswertfestschreibung oder Förderetat-Bugetierung?

von Dr. Heidrun Kolinsky, Wissenschaftlerin am 27. Januar 2001 um 22:51 Uhr
als Antwort zu: MQS ist kein Sparmodell! von Dunkl,StMAS am 24. Januar 2001 um 11:13 Uhr

Sehr geehrter Herr Dunkl,

ungeachtet Ihres einleitenden Statements haben Sie sehr wohl den Kernpunkt meiner Kritik verstanden und dementsprechend reagiert.

Ihren Worten nach wäre daran gedacht, bei einer Einführung der marktorientierten Steuerung der Kindertagesstättenfinanzierung, den Basiswert einmal bayernweit zu berechnen und ihn dann evtl. mit einem Steigerungsfaktor nach dem Preisindex festzuschreiben.

Sie schreiben richtig, es sei von Projektträgerseite aus daran "gedacht". Ob und in welcher Form eine marktorientierte Steuerung der Kindertagesstättenfinanzierung eingeführt werden wird, entscheidet erst einmal die neue Familienministerin und dann der bayerische Landtag und nicht die Projektgruppe.

Bisher war statt von einer Basiswertfestschreibung von einer Festschreibung des Gesamtfördervolumens (der Wert im Zähler) die Rede (Stichwort: Kostenneutralität).

Bei einer Festschreibung des Gesamtfördervolumens und einer Berechnung des Basiswertes ist mit dem Auftreten folgenden Effekts zu rechnen:

Da nach einer Berechnung des Basiswertes dieser bayernweit bekannt gemacht werden muß, kann sich jeder einzelne Träger die zu erwartende Fördersumme berechnen. Bei einer Gleichverteilung müßten etwa die Hälfte der Träger mit einem Defizit im Vergleich zu der bisherigen staatlichen Förderung rechnen, die andere Hälfte würde mehr staatliche Fördermittel als bisher erhalten. Es ist damit zu rechnen, daß die Träger, die nach dem neuen Fördermodell schlechter gestellt sein werden, nicht allesamt ihre Einrichtungen schließen wollen, sondern vielmehr bestrebt sein werden, vom defizitären in den Plus-Bereich zu kommen. Dies wäre möglich, indem verstärkt Eltern von ausländischen, behinderten oder 0-3 jährigen Kindern angeworben werden, oder indem Eltern überzeugt werden, höhere Stundenkontigente zu buchen. Einem Großteil der Träger könnte es gelingen, die Gesamtbuchungszeit in ihren Einrichtungen zu erhöhen.

In der Folge wird im nächsten Jahr die Anzahl der bayernweit gebuchten Stunden zunehmen (Wert im Nenner). Bei einer Festschreibung des Gesamtfördervolumens (Wert im Zähler bleibt gleich) muß der Basiswert sinken, wodurch bisher noch nicht defizitäre Träger ebenfalls in den defizitären Bereich abrutschen werden. Diese defizitären Träger werden vermutlich versucht sein, wieder in den positiven Bereich zu kommen, indem sie vermehrt Zeitkontingente einwerben, was zwangsläufig zu einer weiteren Inflation des Basiswertes führen muß. Eine Abwärtsspirale wurde in Gang gesetzt, in der sich sukzessive die pädagogische Qualität in der Betreuung unserer Kinder bei einer Einführung des MQS-Modells verschlechtern muß.

Mit freundlichen Grüßen
Heidrun.Kolinsky@t-online.de




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