Wird den Eltern was vorgespielt?

von Elisabeth Fischer, Mutter in Kindergarten und Hort, Erlangen am 29. Januar 2001 um 09:23 Uhr

Mit großem Interesse verfolge ich seit ca. 1 Jahr die Vorschläge und Diskussionen bezüglich Änderung der Förderrichtlinen.

Es wird dabei immer über Qualität gesprochen, aber man vergißt, daß es zwei verschiedene Qualitäten gibt: Eine Qualität für die Eltern wie z.B. längere Öffnungszeiten, Mittagsbetreuung mit Mittagessen, und die pädagogische Qualität für die Kinder.

Wie in der Stellungnahme der kirchlichen Träger in Erlangen bereits festgehalten, ist das 4.-6. Lebensjahr für die Persönlichkeitsentwicklung und das Sozialverhalten von entscheidender Bedeutung. Hier spielt der Kindergarten eine ganz wichtige Rolle. Jede Mutter kann zu Hause mit ihrem Kind basteln, turnen, spielen.....aber sie kann ihm keine Gruppe geben, in der es sich erst einmal seinen Platz selbst suchen muß, wo es lernen kann unter Kindern seine Meinung zu vertreten, ohne gleich handgreiflich zu werden. Schüchterne Kinder bekommen in der vertrauten Gruppe eher den Mut ihre Wünsche und Bedürfnisse anzumelden. Die Kinder lernen auch, daß man zum Wohl der Gemeinschaft mal zurückstecken muß. Kurz gesagt, die Kinder werden in diesem Alter "gemeinschaftsfähig".Für diesen sozialen Lernprozeß brauchen die Kinder immer wieder Unterstützung, die nur durch genügend und fachlich qualifiziertes Personal gegeben werden kann.

Es ist nicht im Sinne der Eltern, daß die Kindergärten zu reinen Verwahranstalten mit möglichst wenig Personal und möglichst niedrigen Kosten werden.

Zu diesem Thema ist der Elternbeirat der Martin-Luther-Kirche mit Unterstützung von 18 Erlanger Kindergärten, die für 1555 Kinder stehen, bereits am 28. April 2000 an Frau Stamm herangetreten (die Erlanger Nachrichten berichteten). Die Antworten auf den ersten Brief waren sehr unbefriedigend. Man hat nur auf die bereits bekannte Beschreibung der neuen Förderrichtlinen verwiesen. Auf ein 2. Schreiben hin wurde auf später, nach dem Modellversuch, vertröstet.
Es entsteht der Eindruck, daß man das Anliegen der Eltern gar nicht richtig verstanden hat. Im Gegenteil, man will den Eltern längere Öffnungszeiten und Verrechnung nach Anwesenheit als großen Gewinn verkaufen. Den Preis, den die Kinder dafür zahlen müssen, kehrt man dabei unter den Tisch.

Noch ein weiteres Thema:
Mir fällt auf, daß in den Diskussionen meist über Kindergärten gesprochen wird. Worüber ich bisher wenig Detailliertes gehört habe, sind die Horte, die ja genauso betroffen sind. Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, daß man die Ergebnisse aus den beiden Modellversuchen in Kindergärten in Landsberg und Bayreuth einfach auf die Horte projizieren kann. Ich hoffe jedoch, daß nicht auch hier Kürzungen vorgesehen sind, die in den Horten über eine Hausaufgabenbetreuung hinaus die pädagogische Arbeit auf ein Minimum reduzieren.





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