Kiga.gesetz oder Erprobungsmodell

von Röthlingshöfer am 20. Dezember 2002 um 10:49 Uhr
als Antwort zu: Auflösung einzelner Kiga Gruppen von Andy Brutscher am 16. Dezember 2002 um 13:20 Uhr

Hallo, Herr Brutscher,

geht es um Kindergartengesetz ?? (da ist geregelt, ab welcher Kinderzahl wieviel Gruppen förderfähig sind und wieviel Zeit pro Woche mit wieviel Personalstunden usw.) oder um Erprobungsmodell?

IM MODELL:
Im Erprobungsmodell gibt es keine gruppenbezogene Förderung, sondern man plant das Personal sozusagen für die gesamte Einrichtung, abgestimmt auf die Anwesenheitszeiten der Kinder. Man plant, was man für die Gesamteinrichtung - wann - welches Personal braucht. Die zu erprobende kind- und Nutzungszeitbezogene sowie Zusatzfaktorenabhängige Förderung "zwingt" (das Budget kann sich dadurch nach oben und unten ändern) indirekt die Verantwortlichen, die (Bedarfs-) Entwicklungen und/oder Buchungsbewegungen usw. sehr genau im Blick zu haben - und vorausschauend zu planen. Gruppenschließungen unterm Jahr sollten daher im Grunde nicht vorkommen, es sei denn eine unvorhersehbare Welle von Abmeldungen ist eingetreten und eine "Eintrittswelle" ist nicht abzusehen...

Bisheriges KINDERGARTENGESETZ:
Das Kindergartengesetz schreibt vor, dass mind. 15 Kinder in einer Gruppe sein müssen, um als Gruppe zu gelten. Es ist auch geregelt, ab wieviel Kindern, wieviel Gruppen gebildet werden dürfen.
Bezuschusst wird das Personal jeweils für die einzelnen Gruppen in Abhängigkeit zur Anwesenheitszeit der Kinder in dieser Gruppe. Von den mind. 15 Kindern müssen z. B. mind. 8 über 30 Stunden/ pro Woche anwesend sein, um eine Ganztagsförderung zu erhalten. Kommt man darunter wird entsprechend der förderfähigen Zeiten (=die Zeiten an denen mind. 8 Kinder dieser Gruppe anwesend ist) anteilig Teilzeit bezuschusst. Bei 25 Stunden förderfähiger Zeit z. B. bis zu 32 Stunden/pro Fach- und Hilfskraft.

Zur Schließung einer Gruppe während des Jahres: Das Kindergartengesetz erlaubt gravierende Unterbelegungen von Gruppen nur vorübergehend. Es erfolgen i.d.R. anteilige Zuschusskürzungen ab der Unterschreitung der Mindestgruppenstärke. Ausnahme z. B.: wenn belegbar, dass es wieder mehr Kinder werden (z. B. ein starker Jahrgang kommt nach) oder dass mehr Kinder wieder länger in die Einrichtung kommen (z. B. eine hohe Anzahl von Kindergartenanfängern, die nach Eingewöhnung länger anwesend sein werden). Das muss mit der Aufsichtsbehörde (Kindergartenaufsicht im Jugendamt) verhandelt werden. Da die bisherige Förderung gerade in den Grenzbereichen sehr kompliziert ist und gleichzeitig Interpretationen zulässt, empfiehlt sich die Einbeziehung der jeweilig zuständigen Fachberatung.

Wenn alle Bemühungen nichts helfen, und die Belegung dauerhaft sinkt und die Förderung einer Gruppe ganz entfällt oder sich die Förderung der Personalstunden verringert, dann wird das Personal der wegfallenden oder minderbezuschussten Gruppe i. d. R. solange gefördert, wie die gesetzliche Kündigungsfrist für eine Kündigung bzw. Änderungskündigung ist. In der Regel muss der Träger spätestens dann handeln und Gruppen schließen und Personal ganz oder teilweise kündigen, weil diese Ausfälle mit Eigenmitteln oder Erhöhung der Elternbeiträge regelmäßig nicht zu kompensieren sind.

Manchmal zwingen wirtschaftliche Gründe den Träger Gruppen (auch unterm Jahr) zu schließen, weil weniger Kinder i.d.R. hohe Einnahmeverluste bedeuten. Das Kindergartengesetz hilft in so einem Fall leider nicht viel weiter. Hier hilft nur: verhandeln, ggf. Konzept verändern und vorausschauend planen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiter helfen.

viele Grüße aus Bayreuth

Alexandra Röthlingshöfer
Fachberaterin f. Evang. Kindertageseinrichtungen in Bayreuth



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