Gewichtungsfaktor für "verhaltensauffällige" Kinder?

von Günter Krauß, ISKA am 03. Februar 2001 um 22:31 Uhr
als Antwort zu: Erhöhter Förderbedarf von Kindern / Nutzungszeitfaktor von Sabine Hornsteiner vom Landratsamt Fürstenfeldbruck, Bereich Kindertagesstätten am 02. Februar 2001 um 11:49 Uhr

Sehr geehrte Frau Hornsteiner,

so sehr uns die Tatsache geläufig ist, dass es Kinder gibt, deren Betreuung einen wesentlich höheren Gewichtungsfaktor rechtfertigen würde, halten wir es nicht für sinnvoll, einen solchen einzuführen. Es geht bei der Kindergartenfinanzierung nicht um eine Jugendhilfemaßnahme, bei der eine Verhaltensdiagnostik angebracht und gerechtfertigt ist. Eine "Gerechtigkeit" im Sinne einer differenzierten Beurteilung des pädagogischen Aufwandes pro Kind wäre nur mit erheblichem Verwaltungsaufwand zu leisten (und angesichts der vielen Grenz- und Streitfragen doch immer zweifelhaft). Für die Kindergartenfinanzierung kommen nur Gewichtungsfaktoren in Frage, die von einer Bewilligungsstelle ohne zusätzliche Diagnoseschritte schnell und eindeutig geprüft werden können. Sie dürfen nicht als differenzierte Beurteilung der pädagogischen Anforderungen interpretiert werden, sondern als grobe Verteilungskategorien, die integrative Einrichtungen in das neue System überführen, die für den Fall von Einrichtungen mit hohem Ausländer-/Aussiedleranteil eine gewisse Entlastung bedeuten und die für 0-3-jährige einen besseren Personalschlüssel erlauben.

Das Problem der Diagnostik würde sich auch für die Verteilung eines lokalen Sonderbudgets stellen: Stellen Sie sich vor, die Kindergärten Ihres Einzugsbereiches geraten in die Situation, gegenüber einer Verteilungskommission belegen zu müssen, wieviele und wie schwer problematische Kinder sie betreuen. Halten Sie das für vernünftig regelbar?

Grobere Verteilungskategorien auf lokaler Ebene für Einrichtungen mit einer "Standortbelastung" wären eher denkbar.

Vielleicht regelt sich das Problem aber auch auf andere Art und Weise: Viele der Einrichtungen des von Ihnen beschriebenen Typs haben in der Regel auch eine höhere Auslastung (längere Nutzungszeit in Relation zum eingesetzten Personal). In diesem Fall können sich nach unseren ersten Berechnungserfahrungen durchaus deutliche finanzielle Entlastungen nach dem MQS-Modell ergeben.

Mit freundlichen Grüßen
Günter Krauß



Antwort
Name
Kurznachricht
Text