Auswirkungen der unterproportionalen Anstiege der Zeitfaktoren in den Fördertabellen

von Dr. Heidrun Kolinsky am 18. Februar 2001 um 20:37 Uhr
als Antwort zu: Basiswert steigt nur bis 8 Std. von Bärbel Berger, AWO Kindergarten NU am 12. Februar 2001 um 13:08 Uhr


Sehr geehrte Frau Berger,

Sie haben recht: bei mehr als sieben Stunden Betreuungszeit der Kinder in der Einrichtung (">7h", z.B. für 7 1/2 Stunden, 8 Stunden, 9 Stunden, 10 Stunden und mehr) sollen nach der bisherigen Förderwerttabelle stets die Einträge in der letzten Zeile gelten. Damit sollen nach dem bisher geplanten Modell der marktorientierten Steuerung die über eine Anwesenheitsdauer von 8 Stunden hinausgehende Zeit nicht mehr staatlich bezuschusst werden.
Wenn Sie Kinder 9 oder 10 Stunden in Ihre Einrichtung aufnehmen, leisten Sie gewissermaßen die über die 8 Stunden hinausgehende pädagogische Arbeit "unentgeltlich", es sei denn, Ihnen gelänge es, das Förderdefizit bei Buchungszeiten über 8 Stunden durch entsprechende Gebührenstellung bei den Eltern abzufangen.
Die Problematik, dass die pädagogische Arbeitsleistung im MQS-Modell nicht entsprechend der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden honoriert=gefördert wird, zeigt sich immer dann, wenn der Zeitfaktor unterproportional im Verhältnis zur tatsächlich anfallenden Betreuungszeit steigt.

Dies ist einmal, wie oben diskutiert, für Betreuungszeiten oberhalb von 8 Stunden der Fall. Zum anderen weist die Fördertabelle im Bereich unterhalb von 4 Stunden ebenfalls einen unterproportionalen Anstieg auf. Bei 3 Stunden täglicher Betreuungszeit, fallen zwar tatsächlich 75% der Zeit des Tabellenbezugswertes (="Regelwert" von 4 Stunden) an, gefördert wird aber nur mit 50% des Basiswertes, was einer Anwesenheitsdauer von 2 Stunden entspräche.
Die verbleibende Differenz von einer Stunde wird auch hier aufgrund des unterproportionalen Anstiegs der Fördertabelle nicht honoriert.

Generell läßt sich sagen, dass unterproportionale Anstiege des Zeitfaktors in den Fördertabellen (aktuell bei weniger als 4 Stunden und mehr als 8 Stunden Betreuungszeit realisiert) immer dazu führen werden, dass Einrichtungen, bei denen diese Betreuungszeiten tatsächlich anfallen, wirtschaftlich immer schlechter gestellt sein werden als Einrichtungen, bei denen nur Buchungen im zeitproportionalen Bereich (zwischen 4 und 8 Stunden) anfallen.

Herzliche Grüße
Heidrun Kolinsky



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