Bitte bedenken Sie, in Bayreuth und Landsberg findet keine echte Erprobung statt!

von Dr. Heidrun Kolinsky am 26. Februar 2001 um 12:42 Uhr

Bitte bedenken Sie, dass die Bayreuther und Landsberger Bedingungen fuer die Traeger und die Kindergaerten in der Modellprojektphase _nicht_ den tatsaechlichen geplanten bayernweiten Bedingungen entspricht.
Die Modellstandorte spueren nichts von evtl. negativen finanziellen Auswirkungen des MQS-Modells (Defizite im Vergleich zur bisherigen Foerderung), die bei einer landesweiten Einfuehrung des Modells (Gleichverteilung und Kostenneutralitaet vorausgesetzt) 50 Prozent der Kindertagesstaetten treffen wuerden

"In der Erprobungsphase ist vorgesehen, den Traegern, die schliesslich freiwillig an dem Modellprojekt teilnehmen, etwaige Kuerzungen auszugleichen". (Zitat aus einem Beitrag Herr Dunkls im Diskussionsforum Bayern [MQS ist kein Sparmodell]).
Das bedeutet nichts anderes, als dass an den Modellstandorten der nach dem marktorientierten Steuerungsmodell gewuenschte Verdraengungswettbewerb der Einrichtungen (Marktkraefte!) in der zweijaehrigen Modellphase gerade nicht beobachtet werden kann. Hierzu waeren realistische Bedingungen (echte Defizite bzw. "Gewinne" nach dem neuen Foerdermodell) und eine Mindestlaufzeit des Projekts von 6-8 Jahren notwendig.
Bei einem echten Foerderdefizit nach MQS (das bei einer Gleichverteilung und bei Kostenneutralitaet fuer 50 Prozent der bayerischen Einrichtungen zu erwarten ist) muessen Traeger und Einrichtungen bestrebt sein, dieses Defizit wieder auszugleichen (mehr Kinder aufnehmen, Kinder laenger aufnehmen, oder paedagogisches Personal zu entlassen bzw. weniger Stunden zu beschaeftigen (dafuer braucht es Zeit)). Der Defizit-Ausgleichsversuch muss zwangsweise zu einem Abbau paedagogischer Qualitaet fuehren. Bis hinreichend viele Eltern reagieren koennen und ihre Kinder aus der qualitativ schlechteren Einrichtungen abgemeldet und in eine qualitativ bessere und vermutlich teuerere Einrichtung geben, vergeht wiederum Zeit. Natuerlich muessten ueberhaupt Plaetze in den "besseren" Einrichtungen zur Verfuegung stehen, damit der von ISKA/StMAS propagierte "Qualitaetsmechanismus" wirksam werden kann. Dieser ist nicht unbedingt zu erwarten. Zu erwarten ist eher, dass paedagogisch gute, ausreichend gefoerderte (bzw. durch hohe Elternbeitrage finanziell gut ausgestattete) Einrichtungen keinerlei Interesse daran haben werden, zusaetzlich Kinder aufzunehmen. Und dass es sich viele Eltern gar nicht leisten koennen, ihre Kinder einige Kilometer in einen anderen Kindergarten zu fahren und/oder die entsprechend hoeheren Beitraege aufzubringen.
Hinzu kommt, dass es durchaus sein kann, dass nach MQS defizitaere Einrichtungen schliessen muessen und dass ploetzlich ein Mangel an Kindergartenplaetzen auftritt, weil die fehlenden Plaetze an anderer Stelle nicht geschaffen werden, weil nach MQS der Anreiz dazu fehlen wird.
Auch solche, wie der oben beschriebenen Mechanismen muesste an den Modellstandorten Bayreuth und Landsberg "erprobt" werden. Dazu ist allerdings notwendig, dass mit realistischen Foerderbedingungen gearbeitet wird, und dass das Projekt auch lang genug (mind. 6-8 Jahre) andauern muss, um spaeter bayernweit zu erwartende langsamere, indirekte Mechanismen bereits an den Modellstandorten beobachten zu koennen.
Bleibt die Frage, ob sich dies die Traeger an den Modellstandorten auch leisten koennten.

Heidrun.Kolinsky@t-online.de



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