Die kindbezogene Förderung von Horten

Auch für bestehende Horte eignet sich die kindbezogeneFörderung. Allerdings sind nicht alle Probleme abschließendgeklärt. In einigen Punkten ist von den Bedingungen desModellversuchs abzuweichen: So sind "verdeckt integrative"Einrichtungen offen als solche zu konzipieren. Außerdem ist dieim Modellversuch eingerichtete Förderuntergrenze von dreiStunden aufzugeben. Ferienzeiten können am einfachsten mit einemeinrichtungsbezogenen Schließzeitfaktor geregelt werden. Demempfohlenen Anstellungsschlüssel für den Kindergarten von1:10 entspricht der Wert von 1:8 für einen reinen Hort, einenGewichtungsfaktor für Schulkinder von 1,2 vorausgesetzt.

 

Eine der häufigsten im Modellverlauf gestellten Fragen wardie, ob die kindbezogene Förderung den Horten gerecht werde. Danur fünf Horte (alle fünf in freier Trägerschaft inBayreuth) an der Erprobung teilnahmen, beantworteten wir lange Zeitsolche Nachfragen eher ausweichend. Eine gegen Projektende vom IFPund dem Sozialministerium durchgeführte Erhebung, aber auchBerechnungen und Analysen, die uns von Einrichtungen außerhalbder Modellstandorte zur Verfügung gestellt wurden, zeigtenjedoch, dass sich selbst an dieser kleinen Zahl von Horten bereitsein Großteil der Auffälligkeiten zeigt, die bei derAnwendung der kindbezogenen Förderung auf Horte auftreten.

"Den Hort" gibt es nicht

Zunächst ist festzustellen, dass die Rede von "demHort", wie sie von Vertreter/innen aus Hortpädagogik und-praxis gepflegt wird, absolut irreführend ist. Die Vielfalt derHorte ist nach unserem Eindruck noch größer als imKindergarten. Besonders deutlich wird dies, wenn man ohne Anspruchauf Vollständigkeit zwei gar nicht so seltene "Extremfälle"einander gegenüberstellt:

Während Typ 1 eine verdeckte HeilpädagogischeTagesstätte ohne adäquate Anerkennung und Finanzierungdarstellt, entspricht Typ 2 eher der pädagogischenMittagsbetreuung.

Darüber hinaus wird selbst die immer wieder als Begründungfür eine Sondersituation des Hortes herangezogeneFerienbetreuung sehr unterschiedlich bis gar nicht angeboten.

Kindbezogene Förderung ermöglicht differenzierteFinanzierung von Einrichtungen für Schulkinder

Dass "die Horte" sich bei näherem Blick sodiskrepant darstellen, ist eine Folge der begrüßenswertenTatsache, dass sie auf unterschiedliche Bedarfssituationenunterschiedlich reagieren. Im herkömmlichen Fördersystemwird dies verschleiert.

Mit der kindbezogenen Förderung wird die Unterschiedlichkeitfreigelegt. Die oben beschriebenen Einrichtungstypen können nunauch differenziert gefördert werden.

Integrative Einrichtungen deutlich von Kurzzeitbetreuungunterscheiden

Damit die Förderung wie beschrieben greifen kann, istallerdings in zweifacher Hinsicht von den Bedingungen desModellprojektes abzuweichen:

Die Förderhöhe zwischen den beiden Einrichtungstypenwird sich nach dieser Umstellung - anders als bisher -ganz erheblich unterscheiden.

Ferienzeit berücksichtigen

Wie lässt sich die Tatsache berücksichtigen, dass nichtwenige Horte zumindest einen Teil der Ferien geöffnet haben unddann zumindest einen Teil der Kinder besonders lange betreuen? - DieModellhorte legten die Ferienbetreuung rechnerisch auf die täglicheBuchungszeit um. Wir erhielten diesbezüglich keineProblemmeldungen, aber das Verfahren erscheint doch kompliziert.Selbst wenn man es auf einen einfachen und pauschalen Mechanismusreduziert ("eine Zeitfaktorenstufe höher, wenn mindestensx Wochen in den Ferien anwesend"), müssen sich Elternlange im voraus festlegen, ob sie die Betreuung in den verschiedenenFerien in Anspruch nehmen wollen.

Am einfachsten und am wenigsten verwaltungsaufwändig wäreein einrichtungsbezogener Schließzeitfaktor, der nicht diegenaue Anwesenheit der einzelnen Kinder berücksichtigt, sondernfür den Fall einer durchgehenden Jahresöffnung der gesamtenEinrichtung einen Faktor zuspricht. Auf diese Weise müssten sichdie Eltern nicht festlegen, bzw. die Einrichtungen nachträglichkorrigieren.

Allerdings wäre dann der kindbezogene Faktor, der fürSchul-/Hortkinder derzeit mit 1,2 angesetzt wird, noch einmal einerÜberprüfung zu unterziehen. Die Einführung eineseinrichtungsbezogenen Faktors für Einrichtungen mit Schulkindernbrächte darüber hinaus neue Kompatibilitätsproblememit dem klassischen Kindergarten, für den sich dieser Faktornicht kostenneutral darstellen lässt.

Höhe des Gewichtungsfaktor

Im Modellversuch wurde den Horten ein Faktor von 1,2 fürjedes Regelkind zugesprochen. Der damit verbundene Systembruch("einrichtungsabhängiger kindbezogener Faktor") wirdan anderer Stelle problematisiert. Die Frage, ob die Höhe desFaktors von 1,2 für Horte bzw. Schulkinder angemessen ist, ließsich mit den Mitteln des Modellversuchs nicht beantworten. Da derHort-Etat nicht so eindeutig wie der Kindergartenetat festzustellenist, lässt sich nicht auf analoge Art und Weise einHort-Basiswert ermitteln. Während der Faktor von 1,2 bei denBayreuther Horten eine akzeptable Förderhöhe ergab, wurdenuns von außerhalb der Modellstandorte viele Verlustsituationengemeldet. Es bleibt unklar, ob diese nicht unterschiedlicheAuslastungsstrukturen widerspiegeln.

Empfohlener Anstellungsschlüssel 1:8

Aus dem Faktor 1,2 kann - ohne weitere Berücksichtigunganderer Gewichtungsfaktoren - ein empfohlenerAnstellungsschlüssel von 1:8 abgeleitet werden (ausgehend vomVerhältnis 1:10 bei Faktor 1,0).

Tatsächlich lag der durchschnittliche Anstellungsschlüsselbei den Bayreuther Horten im Jahr 2002 bei 1:7,71 und im Jahr 2003bei 1:7,85. Allerdings umfassen diese Durchschnittswerte eine Spannevon 1:3,92 bis 1:11,52 im Jahr 2002 und eine von 1:4,03 bis 1:11,48im Jahr 2003.

Großer Stellenwert der Kinderbefragung

Entsprechend dem Alter der Zielgruppe kommt der Kinderbefragungals Qualitätssicherungsinstrument ein entsprechend großerStellenwert zu. Hier können alle Kinder einbezogen werden.Eltern engagieren sich mit zunehmendem Alter ihrer Kinder meistweniger für ihre Kindertageseinrichtung, trotzdem kann dieElternbefragung immer noch wichtige Rückmeldungen ergeben.

Aktualisiert am 27.05.2004 - Startseite           ▲ nach oben