Gefährdung von Einrichtungen

von Dunkl Hans-Juergen am 08. August 2000 um 13:19 Uhr
als Antwort zu: Fakten von Leclaire am 05. August 2000 um 18:15 Uhr

Fakt ist:

Durch die rückläufigen Kinderzahlen sind Kindergärten in ihrem Bestand gefährdet. 3800 Kindergartengruppen (von insgesamt 14746 Gruppen, entspricht Abbau von ca. 95000 Kindergartenplätzen und ca. 8900 Vollzeit- und Teilzeitarbeitsplätzen) werden in Kürze mit er-heblichen Problemen zu kämpfen haben durch Ausfall von Elternbeiträgen. Bei gleichbleibender Kindergartenförderung werden viele Träger darauf durch Erhöhung der Elternbeiträge oder durch Reduzierung des Leistungsangebots reagieren. Bereits jetzt steht für viele Träger zur Diskussion: Abbau der Gruppenzahl durch Zusammenlegung und damit Entlassung von Personal oder Erhöhung der Elternbeiträge, was familienpolitisch bedenklich ist und die Akzeptanz der Einrichtung sinken lässt. Zwischenlösungen gibt es nicht. Das Bayerische Kindergartengesetz stößt hier mit seiner strengen gruppenbezogenen Förderung an seine Grenzen.

Der Lösungsansatz des StMAS verfolgt mehrere Zielrichtungen. In aller Kürze:
Altersöffnung des Kindergartens: Von dieser Möglichkeit haben 823 von 5822 Einrichtungen Gebrauch gemacht. 1524 Gruppen waren betroffen.
2. Ansatzpunkt ist die angestrebte Deregulierung im Rahmen der markt- und qualitätsorientierten Steuerung. Durch Lösung von der Gruppenbezogenheit sind künftig Zwischenlösungen möglich. Dies eröffnet zumindest die Option Vollzeitarbeitsplätze in Teilzeitarbeitsplätze umzuwandeln (anstatt ohne neues Angebot an die Fachkraft kündigen zu müssen).
Durch neue Zahlungswege und die Möglichkeit, ein Budgets innerhalb des Trägers oder eines Trägerzusammenschlusses auszugleichen, sollen Härten für die einzelnen Einrichtungen abgefedert werden. Diesen Ansatz sehen die Träger allerdings als problematisch an, wohl nicht zuletzt wegen der starren Trägerstrukturen.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Einrichtung bedarfsgerecht umzuwandeln, z.B. in einen Hort oder in eine Krippe. Hierzu konnte erreicht werden, dass künftig wegen einer Änderung der Widmung der Einrichtung keine Rückzahlung bei den Baukostenzuschüssen zu befürchten sind, soweit weiterhin Aufgaben der Gemeinde erfüllt werden.
Ferner wurde schon vor Jahren die Möglichkeit der Mehrfachnutzung eröffnet.
Im Rahmen der markt- und qualtitätsorientierten Steuerung soll es zudem einen Sondertopf geben. Durch diese Sondermittel soll insbesondere die Grundsicherung der Kinderbetreuung auf dem Lande gesichert werden. Bevor aber nicht eine Basiswertberechnung vorliegt, kann hierüber nichts Genaueres ausgesagt werden.

Fazit: Insgesamt wird durch die rückläufigen Kinderzahlen eine Reduzierung der Kindergartengruppen nicht zu verhindern sein. ("auch ein Bäcker kann sich nicht halten, wenn er keine Semmeln mehr verkauft"). Gegenmaßnahmen sind aber eingeleitet. Hierzu zählt die Einführung eines neuen Finanzierungskonzepts. Das neue Finanzierungskonzept einer markt- und qualititätsorientierten Steuerung ist somit nicht Auslöser der Schwierigkeiten von Kindergärten, sondern soll zur Problemlösung beitragen. Inwieweit dieser Finanzierungvorschlag tauglich ist, wird nun modellhaft geprüft und erprobt, der Vorschlag entsprechend weiterentwickelt. Die Grundsicherung der Kinderbetreuung ist in jedem Fall gesichert.Insgesamt sind die "Horrormeldungen" zur Zukunft der eingruppigen Einrichtungen nicht gerechtfertigt.--Gleichwohl sollten die Auswirkungen des Geburtenrückgangs nicht unterschätzt werden! Daher sind alle betroffenen Einrichtungen aufgerufen, sich mit den Lösungsansätzen des StMAS zu beschäftigen und die Chancen vorurteilsfrei zu prüfen.



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