Kein abschließendes Konzept der Qualitätssicherung

von Günter Krauß, ISKA am 18. Oktober 2000 um 00:07 Uhr
als Antwort zu: Stichwort Qualitätssicherung von marianne.krug, KiTa-aktuell am 12. Oktober 2000 um 10:41 Uhr

Sehr geehrte Frau Krug,

unser Konzept der markt- und qualitätsorientierten Steuerung impliziert eben KEIN SPEZIFISCHES Verfahren der Qualitätssicherung/-entwicklung. Mit den Themen "Beschreibung des Angebots einer Einrichtung" und "Elternbefragung" greifen wir lediglich zwei Elemente heraus, die von den verschiedenen "Schulen" der Qualitätssicherung/-entwicklung durchweg empfohlen werden. Diese machen in jedem Fall nur einen kleinen, wenn auch sicher bedeutsamen Teil eines Qualitätsentwicklungsprozesses aus.
Wir halten es nicht für sinnvoll, von staatlicher Seite eine bestimmte Variante der Qualitätssicherung vorzugeben. Die eher stringent strukturierten Verfahren der Zertifizierung sollten u.E. ebenso zu ihrem Recht kommen wie die von Ihnen favorisierten diskursiven Verfahren (wie das vom Kronberger Kreis entwickelte).

Die (Weiter-)Entwicklung des Qualitätsbegriffs sollte ebenfalls nicht durch das Förderungs-/Steuerungsmodell direkt vorgegeben werden. U.E. wäre diese Aufgabe bei der Landes-Qualitätskommission anzusiedeln. Dort können auch die Verfahren der Qualitätssicherung im Sinne der markt- und qualitätsorientierten Steuerung im Laufe der Zeit immer wieder reflektiert und dem Stand der Diskussion angeglichen werden.

Eine "Erwartungshaltung im Blick auf leicht operationalisierbare Qualitätsbelege", wie Sie sie befürchten, besteht keinesfalls. Der "Beleg" wird ja auch nicht gegenüber der Qualitätskommission erbracht, sondern gegenüber den Familien.

Fachlich halte ich übrigens Kombinationen von strukturierten Verfahren mit "weichen", diskursiven Verfahren für die Methode der Wahl. Diese Einschätzung tut bei der Entwicklung der Förderrichtlinien jedoch nichts zur Sache.

Wenn wir den Elternfragebogen strukturieren, hat das zwei Hintergründe: Wir möchten zum Einen vermeiden, dass sich Einrichtungen an kritischen Themen vorbeimogeln. Zum Anderen sollen an einigen Punkten Vergleichbarkeiten hergestellt werden. Einer Einbettung in diskursive Prozesse steht dies u.E. überhaupt nicht im Weg.

Bitte beachten Sie, dass es bei unserem Projekt um die Entwicklung von Förderrichtlinien geht. Ich halte es schon für einen sehr bedeutsamen Schritt, operationalisierte Elemente der Qualitätsentwicklung als Mindestvoraussetzung für eine Förderung zu konzipieren. Würde man die strengen Regeln einer spezifischen Schule der Qualitätsentwicklung/-sicherung als Mindestvoraussetzung konzipieren, würde das mit Sicherheit den Prozess überfrachten. Es würde auch die Kreativität bei der Weiterentwicklung der Qualitätssicherungs-Verfahren behindern. Im Moment scheint mir noch keine alle anstehenden Themen genügend zu bearbeiten.

Mit freundlichen Grüßen
G.K.



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