Das "alte" Bayreuther Modell

von Dr. Heidrun Kolinsky am 22. Juli 2001 um 23:45 Uhr
als Antwort zu: Vergleich zum alten Modell von Distler Michael am 22. Juli 2001 um 12:14 Uhr

Sehr geehrter Herr Distler,

bezüglich der neuen "Nutzungszeit-Tarif"-Gestaltung in Bayreuth möchte ich noch folgende Anmerkungen machen:

Ich habe den Eindruck, dass die Bayreuther Träger versucht haben, die bisherigen Vorgaben des MQS-Modells zu durchbrechen:

1. Es wurde die bisher von ISKA und StMAS propagierte lineare Beitrags-Staffelung des MQS-Modells (8 Stunden sollten das Doppelte der 4 Stunden kosten, siehe dazu auch im ISKA-Download-Bereich die "Berechnungstabelle" kalc.xls) negiert.
Mindestbuchungszeit sollen zukünftig in Bayreuth 4 Stunden mit einem Kostenfaktor von 70 Euro sein, 8 Stunden sollen zukünftig 98 Euro kosten. Mit 7 Euro mehr pro täglicher Nutzungsstunde mehr, wird ab 5 Stunden Nutzungszeit zwar linear gesteigert, jedoch basierend auf einem sehr hohen Einstiegsbetrag von 70 Euro.

2. Statt eines freien Wettbewerbs der Einrichtungen untereinander - der, wenn es nach den bisherigen Ideen von ISKA und StMAS ginge, sowohl über das Angebot als auch über den Preis gehen soll, haben sich die Träger bayreuthweit auf eine einheitliche Preisgestaltung geeinigt - und damit ein Kartell zur Preisabsprache gebildet.

3. Des weiteren haben die Bayreuther Träger versucht, das bisherige Elternbeitragssystem unter MQS nachzubilden.

Denn die bisherige Regelung der Elternbeiträge in ganz Bayreuth war folgende:

Im Jahr 2000 kostete ein Halbtagsplatz 150 DM.

Je nach Öffungszeit konnten die Kinder prinzipiell von 8:00 Uhr bis 12:00 Uhr oder auch, je nach Einrichtung, von 7:00 bis 12:30 Uhr gehen. Zusätzlich - und dies war eine echte flexible Regelung - konnten die Eltern der Halbtags-Kinder diese bei Bedarf von 14 Uhr bis zur Schließzeit (ca. 16:30 Uhr bis 17:00 Uhr) in den Kindergarten bringen.

Neben den Halbtagsplätzen bestand mit 60 DM mehr, die Möglichkeit, die Kinder auch über Mittag im Kindergarten zu lassen (Ganztagsplatz).

Wo vorher in Bayreuth die flexible Regelung mit den Halbtagsplätzen bestand, und die "Halbtags-Kinder" auch nachmittags kommen konnten, wird dank MQS ab Januar 2001

70 Euro = 4 Stunden Nutzungszeit

Realität.

Mit der trägerübergreifend einheitlichen und den nicht mehr linear gestaffelten Nutzungszeitentgelten wurden meines Erachtens zwei der bisherigen Grundprinzipien des MQS-Modells durchbrochen:

(a) keine reinen Leistungsentgelte mehr: keine Förderung pro Nutzungsstunde bzw. Berechnung des Nutzungszeitentgelts (Kosten für die Eltern) pro angefallener Nutzungsstunde mehr.

(b) kein freier Wettbewerb der Einrichtungen untereinander.



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