Zur Schwierigkeit der "pädagogischen Gewichtung"

von Günter Krauß am 03. August 2000 um 17:22 Uhr
als Antwort zu: Ausländerkinder von Michaela Winhart am 03. August 2000 um 10:15 Uhr

Sehr geehrte Frau Winhart,

Ihr Einwand ist völlig richtig. Das Thema ist wesentlich vielschichtiger als dass es mit der Beschränkung auf den Ausländer-/Aussiedler-/Asylbewerberstatus erfasst werden könnte. Führt man die Überlegungen jedoch weiter und sucht nach einer Gewichtung, die dem Einzelfall im "pädagogischen Aufwand" gerecht wird, gerät man schnell in überfrachtete und absolut unrealistische Verwaltungsverfahren. Wer stellt für ein Kind fest, wie gut es die deutsche Sprache beherrscht? Müssen alle zu einem "Sprachtest"? Völlig zu recht weisen Sie darauf hin, dass es auch ganz andere Kategorien gibt, die einen erhöhten "pädagogischen Aufwand" verursachen. Braucht man dann Checklisten und Diagnoseverfahren, um den Förderbetrag für jedes Kind festzustellen? - Albtraumartige Vorstellungen - nicht nur im Hinblick auf den Verwaltungsaufwand.

Muss man nun kapitulieren und darf überhaupt keine Differenzierung mehr vornehmen? - Ich kann mir vorstellen, dass man im Laufe der Erprobung im Hinblick auf den Ausländer-/Aussiedler-/Asylbewerberstatus zu so einem Schluss kommt. Aber ich denke doch, dass es an dieser Stelle probiert werden sollte. Es wird damit ein Akzent auf Integration gesetzt und einem zu befürchtenden Marktmechanismus zu Lasten nicht-deutscher Kinder entgegengewirkt.

Auch bei behinderten Kindern gibt es analoge Problematiken. Hier wird man, trotz Abgrenzungsproblemen, mit Sicherheit schon deswegen nicht kapitulieren, da dies die bestehenden Integrationsgruppen und -einrichtungen in Gefahr brächte.

Ein Stigma "Ausländerkinder sind Problemkinder" kann ich bei dem M+Qu-Fördermodell nicht sehen. Die Förderung der Einrichtung ist kein individueller Vorgang. Gerade wenn man sich auf den formalen Status beschränkt, würde das einer solchen Stigmatisierung vorbeugen.

Ist das alles "gerecht"? - Man wird an dieser Stelle sicher ein Stück über den Gerechtigkeitsbegriff nachdenken müssen. Das M+Qu-Fördermodell beschränkt sich auf sehr wenige Parameter: Kinderzahl, Nutzungszeit, relativ harte Faktoren pädagogischer Gewichtung. Im Moment halte ich die Balance zwischen Verwaltungsaufwand und Gerechtigkeit für gegeben. Aber sie kann sehr leicht kippen.

Mit freundlichen Grüßen
Günter Krauß



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