Kontrolle der Nutzungszeit

von Dunkl am 13. Oktober 2000 um 14:14 Uhr
als Antwort zu: Geplante Änderung der Förderrichtlinien von Kindergarten Stöttwang, Merk, Königsberger am 12. Oktober 2000 um 12:26 Uhr

Ihre Fragen möchte ich wie folgt beantworten:

1. Es ist nicht vorgesehen, die Anwesenheit der Kinder in den Einrichtungen staatlicherseits zu überwachen. Der Kindergarten wird- wie bisher auch - selbst registrieren, ob die tat-sächliche Nutzungszeit mit der gebuchten Nutzungszeit übereinstimmt. Für die Förderung des Kindes ist allein die laut Betreuungsvertrag gebuchte Nutzungszeit entscheidend. Nur Änderungen der gebuchten Nutzungszeit von einer gewissen Mindestdauer (z.B. 3 Monate) sollen sich bei der Förderung auswirken.
2. Die Förderung wird so bemessen sein, dass auch in Zukunft Kindergärten kurzfristig auf besondere Bedarfslagen reagieren können. Eltern werden nach Absprache mit dem Personal auch künftig ihr Kind gelegentlich erst später abholen oder früher bringen können. Die Förderung wird entsprechende zeitliche Puffer in der Dienstplangestaltung zulassen.
3. Im Gespräch sind sogenannte Mindestnutzungszeiten, die ein sinnvolles pädagogisches Arbeiten erst ermöglichen. Wir stehen hier erst am Anfang der Diskussion.
4. Schon jetzt wird doch in der Regeleinrichtung altersgemischt gearbeitet. Auf die 3 bis 6- jährigen Kinder mit ihren sehr unterschiedlichen Bedürfnislagen muss konzeptionell reagiert werden. Eine fakultative Altersöffnung für Kleinkinder und Schulkinder, die immer sehr gut überlegt und vorbereitet sein will, erfordert natürlich entsprechende konzeptionelle Anpassungen. Ob es gleich eine Altersöffnung in beide Richtungen sein muss, sei dahingestellt. Das "Netz für Kinder" liefert jedenfalls beste Beispiele für eine hervorragende alters-gruppenübergreifende pädagogische Arbeit. Richtig ist aber, dass Ausbildung, Fortbildung und Wissenschaft dem Thema Altersmischung noch mehr Beachtung schenken muss. Es ist angedacht Altersmischung in der Fortbildung 2003 zum Schwerpunktthema zu machen. Auch das IFP sieht hier Maßnahmen vor.
5. Die Planung der Öffnungszeit der Einrichtung obliegt dem Träger. Natürlich soll und wird er sich im Rahmen seiner Möglichkeiten nicht nur an den Bedürfnissen der Kinder, sondern auch der Eltern orientieren.

Zu dem allgemeinen Statement:
Die markt- und qualitätsorientierte Steuerung stärkt mit den vorgesehenen Maßnahmen der Deregulierung die Eigenverantwortlichkeit der Träger. Die Organisation des Kindergartens soll sich nicht vorrangig am Fördermodell, sondern an den Bedürfnislagen ausrichten. Ein Mehr an struktureller Freiheit bedeutet aber gleichzeitig ein Mehr an Verantwortung. Träger wie Personal müssen lernen mit dieser Freiheit umzugehen. Die Anpassung, die prozesshaft verlaufen wird, ist mit Sicherheit für alle Beteiligten nicht einfach. In der Anfangsphase kann auch ein erhöhter organisatorischer Aufwand (z.B. Erstellung neuer Betreuungsverträge, Abschluss von Leistungsverträgen mit Kommune und Freistaat, Überarbeitung der Dienstpläne, Erstellung eines Konzept- sofern noch nicht vorhanden) nicht ausgeschlossen werden. Nach einer Einführung des angedachten Fördersystems ist mittelfristig aber eher mit einem Verwaltungsabbau und einer Entlastung gerade der Leiterin zu rechnen. Die Abrechnung wird sich wesentlich einfacher gestalten. Mit zunehmendem Einsatz der EDV werden sich Verwaltungsvorgänge schneller abwickeln lassen und werden sich auf ein Minimum reduzieren. Viele Einrichtungen, die nach Qualitätsmanagementprinzipien arbeiten und die mit auch Pate für die markt- und qualitätsorientierte Steuerung gestanden haben, haben dies unter Beweis gestellt.
Mit der organisatorischen Freiheit steigen auch die Möglichkeiten, pädagogische Bedürfnislagen noch gezielter zu verfolgen. So können, um nur ein Beispiel zu nennen, ohne Rücksicht auf eine gruppenbezogene Personalkostenförderung Kleingruppen zur individuellen Förderung gebildet werden. Von einem qualitativen Rückschritt kann m.E. nicht die Rede sein.



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