Förderung der Nachmittagsgruppen, Wechselgruppen, Basiswert für Dreijährige

von M. Reuschlein, BRK - Kiga Spatzennest Weil am 19. Februar 2001 um 06:56 Uhr

Anfrage an Alle,

mein Disskusionsbeitrag betrifft die Wechselgruppen.
Vor einigen Jahren wurden die ersten Nachmittagsgruppen auf den Weg gebracht. Als Notlösung um die großen Kinderzahlen unterzubringen. Dann hat sich herausgestellt, dass aus die-ser Not eine Tugend geworden ist. Die Nachmittagsgruppen erwiesen sich als Supereinstieg für Drei – jährige. Sie waren zumeist allein im Kindergarten, hatten sämtliche Einrichtungen für sich. Die Gruppe war meist kleiner als eine normale Regelgruppe und sie lief auch kürzer (3 Stunden). Der Übergang in den Vormittagskindergarten war problemloser möglich. Wer jetzt behauptet, diese Variante wäre nicht pädagogisch sinnvoll, der sollte nur einmal eine Woche so eine Gruppe besuchen. Jeder der in einer Nachmittags- oder Wechselgruppe tätig ist, wird genau das Gegenteil beweisen. Gerade die jüngeren Kinder haben neben einem höheren pflegerischen Betreuungsaufwand (der im übrigen beim Basiswert auch nicht berücksichtigt ist) eine geringere Aufnahmefähigkeit wie ältere Kinder. Jedes einzelne Erziehungsziel im Kindergartenbereich könnte man anführen. Nicht eines braucht unbedingt 4 Stunden täglich, um verinnerlicht zu werden. Sozialverhalten z.B. fängt in der ersten Minute an.
Gerade die Kindergartenanfänger müssen „laufen“ lernen. Sie benötigen Hilfe beim Anziehen, Toilettengang, essen, beim Umgang mit Schere, Papier, Stift und Kleister und sie müssen erst lernen, in einer Gruppe zurechtzukommen, eine Gruppendynamik entwickeln usw. Man könnte die Liste ewig fort führen. Sie können deswegen aber nicht 4 Stunden vollgepauert werden. Gerade durch die kleinere Gruppe ist ja eine individuellere Betreuung und Zuwendung möglich gewesen. Und wer in so einer Gruppe arbeitet, kann sicher bestätigen, dass diese Kinder nach drei Stunden erschöpft sind.
Jetzt sind Informationen da, dass eine Förderung des Personals erst ab 4 Stunden Öffnungszeit gewährt wird, bzw. die Förderung unter 4 Stunden nur einen Bruchteil darstellt, weil eine pädagogische Förderung der Kinder unter 4 Stunden angeblich nicht sinnvoll ist.
Damit ist ein geschickter Schachzug vollzogen.
Die Vollzeitkräfte mit 38,5 Stunden, die bisher zwei Gruppen abgedeckt haben, sind dadurch rein rechnerisch 40 Stunden nur im Gruppendienst. Also sind sie gezwungen, ihren Dienst zu schichten. 1,5 Stunden pro Gruppe Verfügungszeit sollte der Erzieherin mindestens zugestanden werden (3 Stunden). Ein Teamgespräch einmal die Woche sollte auch stattfinden (ca. 1 Stunde), Elterngespräche müssen geführt werden und auf Fortbildung sollten die Kolleginnen auch noch gehen können. Also ist bereits von vornherein klar, dass die Kolleginnen der Wechselgruppe bestimmte Zeiten allein in der Gruppe arbeiten müssen, wenn sie nicht automatisch Überstunden machen sollen oder privates soziales Engagement einbringen. Jetzt frage ich: Ist das pädagogisch sinnvoll?
Das gespart werden muß, ist verständlich. Das das Budget nicht erhöht wird, heißt bei laufend steigenden Kosten ja nicht, das es früher oder später doch eine Sparmaßnahme wird. Das das Geld gerecht verteilt werden soll, ist richtig und notwendig. Aber das die Pädagogik als Begründung für solche Schritte vorgeschoben wird, das ist nicht nachvollziehbar und stempelt jeden der bisher auch in drei Stunden sehr gute pädagogische Arbeit geleistet hat ab. Von einer Qualitätssicherung und –verbesserung kann keine Rede sein.

Und wie schon kurz erwähnt, Dreijährige haben gegenüber älteren Kindern auch einen erhöhten Betreuungsbedarf. Ich rege an, zu überdenken, ob sich dies nicht auch im Basiswert widerspiegeln sollte.

Mit freundlichen Grüßen

Margrit Reuschlein



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